Der LiteraturRat NRW verleiht Renate Birkenhauer den Literaturtaler 2025 für ihre Verdienste um die Literatur im Allgemeinen und das Übersetzen als eigenständige und politische Praxis im Besonderen. »Renate Birkenhauer hat sich ihr Leben lang und weit über ihr Berufsleben hinaus dem Übersetzen von Literatur gewidmet und dieses Feld durch ihr vielfältiges Engagement maßgeblich verändert«, begründet Jörg Albrecht, Vorsitzender des LiteraturRat NRW, die diesjährige Entscheidung.
Von Anfang an war Renate Birkenhauer dem Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) verbunden, das 1978 von ihrem Mann Klaus Birkenhauer und Elmar Tophoven als weltweit erstes und größtes internationale Arbeitszentrum für professionelle Literatur- und Sachbuch-Übersetzer*innen in Straelen gegründet wurde. Das EÜK steht allen Übersetzer:innen offen, ganz gleich aus welcher und in welche Sprache diese ihre Texte übersetzen. Seit 2005 steht Birkenhauer dem Europäischen Übersetzer-Kollegium (EÜK) in Straelen als Vizepräsidentin vor.
1983 wurde die Sprach- und Literaturwissenschaftlerin auch Verlegerin; sie gründete den Straelener Manuskripte Verlag mit dem Schwerpunkt Übersetzen, den sie bis 2017 auch selbst leitete und deren »hervorragend editierte Entdeckungen« der Deutschlandfunk lobte. Der Verlag erweiterte die Arbeit des EÜK durch zahlreiche Publikationen und machte ihn weithin sichtbar. Zwei Mal wurden Publikationen zum Schönsten Buch des Jahres gewählt.
Renate Birkenhauer sei eine Grenzgängerin für die Sprachen, so der LiteraturRat. Als promovierte Lexikografin habe sie auch an Wörterbüchern mitgearbeitet. So entstanden z. B. zusammen mit Karl-Heinz Brackmann NS-Deutsch: »Selbstverständliche« Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus (1988) oder mit Hans Schemann: Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten (1991). Für Übersetzende seien ihre Wörterbücher eine wichtige Grundlage.
Die Preisverleihung wird am 3. Dezember, 18 Uhr, in den Räumen des Stadtarchiv Straelen, Kuhstraße 21, stattfinden. Das Europäische Übersetzer-Kollegium (EÜK) befindet sich in unmittelbarer Nähe, wird aber derzeit renoviert.