Auszeichnung

Robert-Gernhardt-Preis an Artur Becker und Fikri Anıl Altıntaş

26. Mai 2026
Redaktion Börsenblatt

Der Schriftsteller Artur Becker und der Autor und Journalist Fikri Anıl Altıntaş erhalten den Robert Gernhardt Preis 2026. Das Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro wird geteilt.

Diese Entscheidung der Jury hat Hessens Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels am 26. Mai bekannt gegeben. Den Preis loben das Land Hessen und die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) gemeinsam aus. 

"Ich gratuliere Artur Becker und Fikri Anıl Altıntaş herzlich zum Robert Gernhardt Preis 2026. Beide Autoren widmen sich in ihren literarischen Projekten existenziellen Fragen von Erinnerung, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt – und finden dafür jeweils eine ganz eigene, eindringliche Sprache", so Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels. "Artur Becker erzählt von Schuld, Vergangenheit und der Suche nach Wahrheit zwischen Polen und Deutschland. Fikri Anıl Altıntaş richtet den Blick auf männliche Verletzlichkeit, Trauer und politische Spannungen der Gegenwart. Beide Vorhaben zeigen eindrucksvoll, wie Literatur gesellschaftliche Erfahrungen sichtbar machen und neue Perspektiven eröffnen kann. Ich freue mich darauf, die fertigen Bücher zu lesen."

Die Preisträger:

Artur Becker wurde 1968 in Bartoszyce (Polen) geboren und lebt seit 1985 in Deutschland. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Gedichtbände und Essays und wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis. 

Den Robert Gernhardt Preis 2026 erhält er für sein Romanprojekt "Der Lebendige hat kein Grab". Der Roman erzählt von dem polnischen Publizisten Poldek Szabla, der seit Jahrzehnten in Frankfurt am Main lebt und glaubt, einen ehemaligen Freund und Spitzel des kommunistischen Sicherheitsdienstes in den 1980er Jahren getötet zu haben. Als dieser Mann Jahrzehnte später plötzlich wieder auftaucht, gerät Poldeks Leben aus den Fugen. In atmosphärisch dichter Sprache verbindet Artur Becker Fragen von Schuld, Erinnerung und Identität mit deutsch-polnischer Zeitgeschichte und entwirft zugleich das vielschichtige Porträt eines Mannes zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 

Fikri Anil Altintaş lebt in Berlin und arbeitet als Autor, Journalist und Moderator. In seinen Texten beschäftigt er sich insbesondere mit Fragen von Männlichkeit, Migration und gesellschaftlichem Zusammenleben. 

Den Robert Gernhardt Preis 2026 erhält er für sein Romanprojekt "Valhalla". "Valhalla" spielt in einer Reha-Einrichtung in der sächsischen Provinz und begleitet einen Erzähler, der nach schwerer Krankheit und dem Tod seiner Mutter versucht, seinem Leben und seinem Körper neue Ordnung zu geben. Zwischen Krafttraining, Gruppensitzungen und politischen Gesprächen entsteht ein literarischer Text über Trauer, Männlichkeit und gesellschaftliche Spannungen der Gegenwart. In rhythmischer, körperbezogener Sprache verbindet Fikri Anıl Altıntaş persönliche Erfahrungen mit Fragen nach Zugehörigkeit, Nation und Verletzlichkeit.

Die Jury:

Über die Vergabe des Robert Gernhardt Preises entscheidet eine unabhängige Jury. Mitglieder der Jury sind die Autorin und Robert-Gernhardt-Preisträgerin Ricarda Junge, der Frankfurter Literaturkritiker Christoph Schröder und der Univ.-Prof. für Neuere deutsche Philologie, Medien- und Kulturwissenschaft Jörg Döring. Darüber hinaus wirken je ein Vertreter oder eine Vertreterin der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur beratend mit.

Zum Preis:

Um den Robert Gernhardt Preis 2026 konnten sich Autorinnen und Autoren bewerben, die aktuell an einem größeren literarischen Projekt arbeiten und einen Bezug zu Hessen im Lebenslauf oder im geplanten literarischen Projekt haben. Der Preis wird am 17. September 2026 im Produktionshaus Naxos in Frankfurt am Main verliehen.

Der Robert Gernhardt Preis soll Autorinnen und Autoren die Realisierung eines größeren literarischen Vorhabens ermöglichen. Er ist nach dem 1937 in Reval geborenen und 2006 in Frankfurt am Main verstorbenen Autor, Zeichner und Maler Robert Gernhardt benannt und mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gestiftet. Der Preis kann einer Autorin oder einem Autor nur einmal verliehen werden.