Hörbuch

shelfies.audio - erstmal exklusiv für Thalia

2. April 2026
Sabine van Endert

Bastei Lübbe will das Hörbuch zurück ins Regal holen. Matthias Mundt, Vertriebsleiter Lübbe Audio, über Haptik als Kaufargument, Erklärungsbedarf am POS – und welche Erkenntnisse die Präsentations-Premiere auf der Leipziger Buchmesse gebracht hat.

Matthias Mundt, Lübbe Audio

Matthias Mundt, Lübbe Audio

Der Hörbuchmarkt wächst seit Jahren. Warum braucht es trotzdem ein neues Format?

Gerade weil er wächst, stellt sich die Frage, welche neuen Bedürfnisse daraus entstehen. Durch Streaming entdecken immer mehr Menschen das Hörbuch – aber zum rein digitalen Konsum. Das Bedürfnis, etwas in der Hand zu halten, zu verschenken, ins Regal zu stellen, bedient kein Flatrate-Modell. Diese Lücke wollen wir schließen.

Es gab immer mal wieder Versuche, das Hörbuch zurück ins Physische zu holen. Was machen die Shelfies Ihrer Meinung nach besser?

Das Produkt wurde von Anfang an als Objekt gedacht, nicht nur als Datenträger. Shelfies sehen aus wie kleine Bücher – haptisch, emotional, sammelwürdig. Auf der Leipziger Buchmesse haben wir gesehen, dass die Augen leuchten, bevor die Leute überhaupt wissen, dass es sich um ein Hörbuch handelt. Außerdem verbinden wir das Objekt mit einer App, die den Komfort moderner Hörbuchnutzung bietet. Wer bisher mit Gutscheinkarten oder MP3-Downloads gearbeitet hat, kennt das Problem: Am Ende liegen Hunderte Dateien auf dem Gerät. Unsere App bietet eine intuitive Nutzungserfahrung mit Player, Lesezeichen, variabler Geschwindigkeit, Sleep Timer und allem, was Nutzerinnen und Nutzer heute erwarten.

Lässt sich ein Shelfie weiterverkaufen oder verschenken?

Das war für uns eine Grundbedingung. Wer ein Shelfie auf einem anderen Gerät aktiviert, sperrt es damit auf dem eigenen – die Hörposition wird aber abgespeichert. Bekommt man es zurück, hört man genau dort weiter. Das lässt sich beliebig oft wiederholen. Verschenken, in den Bücherschrank stellen, weiterverkaufen: geht alles. Wir wollen so nah wie möglich an das heran, was beim Buch seit Jahrhunderten selbstverständlich ist.

Kleine Buchattrappen (neue Hörbücher) im Regal

shelfies: Hörbücher in neuer haptischer Form. Auf der Leipziger Buchmesse 2026 startete der Verkauf. 

 

Wie erklärungsbedürftig ist das Produkt am POS? Buchhandlungen haben keine Zeit für lange Einführungen.

Das ist völlig richtig - wir haben in Leipzig 16-jährige Romance-Fans am Stand getroffen, die das Produkt intuitiv verstanden und angewendet haben. Es gab aber auch ältere Menschen, für die Begriffe wie NFC-Scan zunächst neu waren. Natürlich braucht es manchmal eine kurze Erklärung. Es ist am Ende einfacher, als eine CD einzulegen und der Funke springt sehr schnell über. Wer das Handy zum ersten Mal an ein Shelfie hält, landet direkt auf einer Seite mit den nächsten Schritten; die Nutzung ist sehr intuitiv und man muss die App nur einmal runterladen. Trotzdem schulen wir sehr gerne die Buchhändler:innen, weil eine kurze Vorführung mehr bewirkt als jede Erklärung und meist große Begeisterung auslöst.

Shelfies fürs Regal

Hörbuch im Buchgewand, die Maße: 92 x 60 x16 mm 

Gab es Kritik am Material? Das Produkt ist aus Kunststoff.

Das Thema kam im Grunde kaum auf. Wir haben uns im Vorfeld intensiv mit Materialien beschäftigt und auch Alternativen geprüft, etwa Holz. Das war jedoch deutlich teurer und auch nicht automatisch nachhaltiger. Aktuell setzen wir auf recycelbares und künftig auch auf bereits recycletes PET und produzieren komplett in Deutschland. Auch das war uns wichtig – aus Qualitätsgründen, wegen der Lieferwege und um Abhängigkeiten in globalen Lieferketten zu vermeiden.

Warum gibt es die Shelfies neun Monate lang exklusiv bei Thalia – und nicht gleich im gesamten Buchhandel?

Wir haben uns bewusst für einen Start mit einem Exklusiv-Partner entschieden. Mit Thalia haben wir einen starken Partner, mit dem wir die Einführung strategisch gestalten konnten – abgestimmte Displays, gemeinsame Kommunikation, klare Ansprechpartner:innen. Das hätten wir so mit dem gesamten Buchhandel gleichzeitig nicht leisten können.

Wie werden die Shelfies bei Thalia sichtbar?

In großen und mittelgroßen Filialen stehen Drehsäulen, Tisch- und Bodendisplays. Außerdem starten wir eine gemeinsame Online-Kampagne und –es wird auch eine Reihe von Veranstaltungen mit Autor:innen direkt in den Filialen geben.

16,99 Euro pro Shelfie – das klingt viel, verglichen mit einem Streamingabo.

Wir orientieren uns am Buchpreis, am Paperback, bei Neuerscheinungen eher am Hardcover. Das Shelfie ist kein Abomodell, es ist der Kauf eines Buches – oder besser eines Audiobooks. Die Shelfies richten sich an alle, die Hörbucher besitzen, sammeln oder verschenken wollen.

Das Startprogramm umfasst 30 Titel, darunter Titel vom Hörverlag und von Argon. Wie geht es weiter?

Wir verstehen die Shelfies als offene Branchenlösung und laden alle herzlich dazu ein. Wir sind bereits mit vielen weiteren Verlagen im Gespräch.

Wie wird das rechtlich und bei der Vergütung gehandhabt?

Das Produkt liegt zwischen physisch und digital, wirtschaftlich verhält es sich aber wie ein klassischer Einzelverkauf. Deshalb orientieren wir uns bei der Autor:innen- und Sprecher:innenvergütung am CD-Verkauf – das sind bekannte, gelernte Wege. Neue Rechte müssen eingeholt werden, aber das ist für uns Routine.

 

Was bleibt von Leipzig als wichtigste Erkenntnis?

Dass die Sehnsucht nach einem Hörbuch, das man anfassen kann, ein großes, intensives ist! Nicht als Nostalgie, nicht als Reaktion auf Streaming, sondern als eigenständiges Bedürfnis und Wert an sich.