Buchhandlungspreis
Ein Thema hat diese Woche für ordentlich Wirbel gesorgt: der Deutsche Buchhandlungspreis 2025. Am Dienstagabend meldete die "Süddeutsche Zeitung", dass der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, drei Buchhandlungen von der Nominierungsliste gestrichen hat. Und das, obwohl die Jury sie bereits ausgewählt hatte. Damit stehen jetzt nur noch 115 Buchhandlungen auf der Liste, statt der üblichen 118.
Um welche Buchhandlungen geht es? Betroffen sind die Buchhandlungen "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin, "The Golden Shop" in Bremen und die "Rote Straße" in Göttingen. Der Grund für diesen Schritt? Laut einem Sprecher des Staatsministers liegen "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" vor.
Und was bedeutet das? Das Problem an der Sache: Das Ganze ist ziemlich intransparent. Weder die Öffentlichkeit noch die betroffenen Buchhandlungen erfahren, um welche Erkenntnisse es sich dabei genau handelt. So sieht es das sogenannte Haber-Verfahren nämlich vor. Und das ist auch bei Juristen äußerst umstritten.
Und wie reagiert die Branche darauf? Heftige Kritik kommt vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Dessen Vorsteher, Sebastian Guggolz, nennt das Vorgehen "äußerst fragwürdig". Er betont, dass die Auszeichnung einer Buchhandlung nicht von der politischen Ausrichtung ihres Sortiments abhängen dürfe und fordert Transparenz.
Die IG Meinungsfreiheit forderte den Minister auf, seine Entscheidung zu revidieren. Preiswürdige Buchhandlungen würden an den Pranger gestellt.
Und wer hat sich noch zu Wort gemeldet? Na ja der Börsenverein ist mit seiner Kritik nicht allein. PEN Berlin fragt den Kulturstaatsminister direkt, warum die Vorschläge der Jury überhaupt vom Verfassungsschutz geprüft werden. Die Kurt Wolff Stiftung spricht von einer "Einflussnahme, die die Grundprinzipien des Preises konterkariert". Und sogar ehemalige Jurymitglieder betonen, sie hätten die drei Buchhandlungen wieder nominiert. Denn alle drei Buchläden hatten den Preis in der Vergangenheit für ihr Engagement bereits erhalten, teils mehrfach.
Und die Buchhandlungen selbst? Die klagen. Und zwar nicht nur, weil sie das Preisgeld erhalten wollen, sondern vor allem auch aus Kritik gegen dieses Haber-Verfahren, also das Durchleuchten durch den Verfassungsschutz.
Okay, danke. Die Frage ist jetzt natürlich: Was bedeutet das für die Zukunft des Preises? Wir sind gespannt auf eure Meinung. Diskutiert mit uns und findet alle Details zur Sache auf boersenblatt.net.
Verlage
Der Bergische Verlag in Remscheid hat zum 1. Januar die Wuppertaler Edition Köndgen übernommen und führt sie künftig als Imprint weiter. Mit der Integration der rund hundert Titel wächst das Programm auf etwa 300 Bücher mit regionalem Fokus auf das Bergische Land. Der bisherige Verleger Thomas Helbig zieht sich aus dem Verlag zurück.
Nach der Premiere in Hamburg hat die Pressebörse KinderBuchSchau Ende Februar erstmals auch in Köln Station gemacht – Gastgeber war Bastei Lübbe. Präsentiert wurden Thementische mit Neuerscheinungen und Backlisttiteln, unter anderem zu Demokratiebildung, Künstlicher Intelligenz und Leseförderung. Bei der Veranstaltung kamen Pressevertreter:innen, Influencer:innen und Literaturvermittler:innen mit verschiedenen Kinder- und Jugendbuchverlagen ins Gespräch. Ein besonderes Augenmerk lag außerdem auf Neuerscheinungen zum 100. Geburtstag von James Krüss.
Mit der "Lounge Edition" startet ein neues Veröffentlichungsmodell zwischen Verlag und Selfpublishing. Gegründet wurde das Angebot von den Lektorinnen Sissi Steuerwald und Tamara Leonhard und versteht sich als Alternative zu Druckkostenzuschussverlagen. Autor:innen behalten dabei die Rechte an ihren Werken und werden fachlich durch den Veröffentlichungsprozess begleitet.
Vier unabhängige Kinderbuchverlage – Peter Hammer, Kindermann, Jungbrunnen und Atlantis – haben mit "Alle unter einem DACH – Kinderbücher aus drei Ländern" ein neues Veranstaltungsformat für den direkten Austausch mit dem Buchhandel gestartet. Zum Auftakt am 18. Februar trafen sich rund 20 Buchhändler:innen aus 13 Wiener Buchhandlungen im Jungbrunnen Verlag. Im Mittelpunkt standen Gespräche über Bilderbücher, unabhängige Programmarbeit und die Rolle kleinerer Verlage im Kinderbuchmarkt.
Der erstmals verliehene Aegis-Preis zeichnet Menschen in der Buchbranche aus, die sich mutig, verantwortungsvoll und gesellschaftlich engagieren – 2026 geht die Auszeichnung an den Verbrecher Verlag aus Berlin. Die Preisverleihung findet am 4. Juli im Rahmen des 80-jährigen Jubiläums von Aegis in Ulm statt, inklusive eines dauerhaft sichtbaren Sitzplatzes im Aegis Café.
Buchhandel
Hugendubel präsentiert zur Leipziger Buchmesse seinen neuen Messeauftritt unter dem Motto "Hello book lovers!" mit drei thematischen Buchhandlungen in Halle 3 und 4 und mit knapp 60 Veranstaltungen. Die Bereiche umfassen eine zentrale Messebuchhandlung mit Lesungen und Pop-up-Kiosk, eine Kinderbuchhandlung mit interaktiven Elementen und eine Phantastikbuchhandlung für Manga, Fantasy, Romantasy und Science Fiction. Begleitend gibt es Kooperationen mit LovelyBooks und der Penguin Random House Verlagsgruppe sowie Lesungen und Signierstunden in der Leipziger Filiale.
Zum 1. Mai übernimmt Thalia die Sternbuchhandlung im Marler Einkaufszentrum und verdoppelt die Verkaufsfläche. Der bisherige Inhaber Thorsten Kemming übernimmt die Leitung und setzt die Arbeit mit seinem bisherigen Team fort.
Kurz notiert
PocketBook meldet für 2025 ein Umsatzplus von fünf Prozent, vor allem das Geschäft mit E-Books wuchs stark. 2026 stehen neue Geräte wie das InkPad One und der Launch des Shops in Großbritannien an.
Die UTB Scholars eLibrary hat einen neuen Partner: den Hollitzer Wissenschaftsverlag aus Wien. Dessen wissenschaftliche Titel sind seit Februar über die Plattform verfügbar.
Lust auf neue Kontakte zu Buchmenschen, die spannende Jobs machen? Auf der Leipziger Buchmesse am 19. März treffen sich Ausgezeichnete und Nominierte des Börsenblatt Young Excellence Awards gemeinsam mit Brancheninteressierten zum Speed-Meeting – rundenbasiert und perfekt zum Netzwerken. Wer dabei sein möchte, kann sich bis zum 17. März anmelden.
Am 25. März veranstalten der Börsenverein und der Mediacampus Frankfurt einen Karriereabend für Nachwuchskräfte und Einsteiger der Buch- und Medienbranche. Der Termin findet online statt und ist kostenfrei.
Vom 13. Bis 16. April findet die Bologna Children's Book Fair statt. Ehrengast ist Norwegen.
Vom 22. Bis 23. April tagt die IG wissenschaftliche Bibliotheken in Frankfurt im Haus des Buches.
Und vom 23. Bis 24. April tagt und feiert die IG Hörbuch im Rahmen ihrer Jahrestagung. Gastgeber ist Penguin Random House in München.
Am 27. und 28. Juni findet auf dem Berliner Bebelplatz das Berliner Bücherfest statt. Unter dem Motto "Gemeinsamkeit erleben" präsentieren sich über 100 Verlage und Buchhandlungen. Der Eintritt ist frei.