Halbjahresbilanz

Bertelsmann trotzt Corona

1. September 2020
von Börsenblatt

Im ersten Halbjahr sei der Konzernumsatz von Bertelsmann trotz Corona-Pandemie lediglich im einstelligen Bereich, um 8,9 Prozent, gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Buchverlage hätten sich "robust" gezeigt. Das teilt das Unternehmen in seiner Halbjahresbilanz mit.

Der Konzernumsatz von Bertelsmann ging der Mitteilung zufolge im ersten Halbjahr um 8,9 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro (erstes Halbjahr 2019: 8,6 Mrd. Euro) zurück. Der organische Umsatzrückgang habe 7,9 Prozent betragen. Die Wachstumsgeschäfte des Konzerns würden stabil bei 2,9 Milliarden. Euro liegen. Ihr Anteil am Gesamtumsatz mache inzwischen 37 Prozent nach 35 Prozent im Vorjahr aus. Positiv hätten sich BMG, Majorel, Arvato Supply Chain Solutions, Arvato Financial Solutions sowie die Bertelsmann Education Group entwickelt. 

Das Operating EBITDA betrug 1,01 Milliarden Euro (erstes Halbjahr 2019: 1,29 Mrd. Euro). Insbesondere die RTL Group und Gruner + Jahr hätten den Corona-bedingten Rückgang der Werbemärkte gespürt. Dagegen hätten die Arvato-Dienstleistungsgeschäfte ihr operatives Ergebnis gesteigert. BMG und die Bertelsmann Education Group erzielten laut Bilanz ein Operating EBITDA auf Vorjahresniveau.    

Das Konzernergebnis sei mit 488 Millionen Euro insgesamt stabil geblieben (erstes Halbjahr 2019: 502 Mio. Euro).  
 

Thomas Rabe zeigt Interesse an Simon & Schuster

Robuste Buchverlage – schwächelnde Werbemärkte

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, erklärte: "Das erste Halbjahr 2020 war geprägt durch die weltweite Corona-Pandemie. Wir sind gut in das Jahr gestartet, spüren jedoch seit März die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie – insbesondere auf den Werbemärkten. Bertelsmann profitiert in dieser Situation von seinem breiten Konzernportfolio und dem hohen Anteil digitaler Geschäftsmodelle. Die Rückgänge bei den Werbeerlösen konnten insbesondere durch die gut laufenden Buchverlage, das Musikgeschäft, die Arvato-Dienstleistungsgeschäfte und das Bildungsgeschäft, aber auch durch aktives Kosten- und Cashflow-Management zu einem beträchtlichen Teil ausgeglichen werden."

  • Der Umsatz von Penguin Random House lag laut Bilanz im ersten Halbjahr bei 1,627 Milliarden Euro – und damit 1,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (1,650 Mrd. Euro). Das Operating EBITDA kam in diesem Segment auf 209 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2019 waren es 227 Millionen Euro (minus 7,9 Prozent).

Bertelsmann habe "weitreichende Maßnahmen zum Schutz unserer Beschäftigten sowie zur Sicherstellung der Betriebsfortführung ergriffen", so Rabe weiter. "Wir haben den Liquiditätsabfluss massiv gesenkt und die Finanzierung langfristig gesichert. In den letzten Wochen haben sich die Werbemärkte stabilisiert, so dass wir eine Ergebnisverbesserung unserer Geschäfte in diesem Bereich erwarten." 

Im Zuge der Corona-Gegensteuerung hätten über 60 Prozent des Umsatzrückgangs kostenseitig kompensiert und die wirtschaftliche Verschuldung zurückgeführt werden können.
 
Bertelsmann habe in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres weitere Fortschritte entlang seiner vier strategischen Stoßrichtungen erreicht:

  • Stärkung des Kerngeschäfts. Im April etwa habe Bertelsmann die vollständige Übernahme der internationalen Publikumsverlagsgruppe Penguin Random House durch den Erwerb der restlichen 25 Prozent der Anteile von Mitgesellschafter Pearson vollzigen. In den vergangenen sechs Monaten platzierte Penguin Random House in den USA 164 Titel auf den Bestsellerlisten der "New York Times", davon 29 auf Platz eins.  
  • Digitale Transformation. Hier habe Penguin Random House von seiner hohen Anzahl digital verfügbarer Titel (EBooks, Hörbücher) profitiert. Der Verlagsbereich habe ein Umsatzwachstum bei den digitalen Formaten von 15 Prozent erzielt.
  • Ausbau von Wachstumsplattformen. Als ein Beispiel wird die Bertelsmann Education Group genannt. Diese habe eine gestiegene Nachfrage nach Online-Bildungsangeboten verzeichnet. Der E-Learning-Anbieter Relias investierte in neue Produkte und Technologie. Die Online-Weiterbildungsplattform Udacity startete neue Lehrangebote und wuchs im B2B-Bereich.
  • Expansion in Wachstumsregionen. Bertelsmann Investments habe im Berichtszeitraum 29 Neu- und Folgeinvestitionen getätigt, in der Mehrzahl über die Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI), Bertelsmann India Investments (BII) und Bertelsmann Digital Media Investments (BDMI). Außerdem gelangen vier Exits, so dass Bertelsmann Investments zum 30. Juni 2020 insgesamt  241 Start-up-Beteiligungen hielt.

 

Ausblick

Für das zweite Halbjahr 2020 rechnet das Unternehmen mit einer schrittweisen Erholung der Werbemärkte. Unter Berücksichtigung der hohen Prognoseunsicherheit sollten Umsatz und operatives Ergebnis ohne die TV- und Zeitschriftengeschäfte das Vorjahresniveau erreichen. 

Bernd Hirsch, Finanzvorstand von Bertelsmann, sagt dazu: "Wir haben in den vergangenen Monaten den Liquiditätsabfluss im Konzern und die wirtschaftliche Verschuldung gesenkt. Die Finanzierung von Bertelsmann ist langfristig gesichert. Ohne Berücksichtigung der negativen Corona-Effekte auf die werbefinanzierten Geschäfte, rechnen wir für das Gesamtjahr mit einem operativen Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau. Die Prognoseunsicherheit für das Gesamtjahr bleibt indes weiter hoch. Wir werden unsere aktive Gegensteuerung fortsetzen." 

Zur kompletten Bilanz-Mitteilung auf der Bertelsmann-Website.