ZS Verlag schließt Kochbuchhandlung in München

"Das Geschäft ist auf Dauer zu kleinteilig für uns"

6. Dezember 2022
von Sabine Cronau

Genussmenschen haben eine Anlaufstelle weniger: Der ZS Verlag hat seinen prego cookbookstore im Eataly Markt in der Münchner Schrannenhalle geschlossen. Am Samstag war der letzte Verkaufstag - auch weil sich Wachstumspläne nicht erfüllt haben.

Blick in den prego cookbookstore

Blick in den prego cookbookstore

Ende 2015 hatte der Verlag die 40 Quadratmeter große Fläche in der ersten deutschen Filiale der italienischen Feinkostkette Eataly eröffnet. Das Buchangebot in direkter Nähe zum Viktualienmarkt war verlagsübergreifend sortiert.

Außerdem nutzte der Shop den gesamten Eataly-Markt (4.600 Quadratmeter Fläche), um Kochbücher an geeigneter Stelle zu platzieren. Auch ein kulinarisches Veranstaltungsprogramm mit Signierstunden bot die Kochbuchhandlung an.

Am zweiten Adventswochenende hat der prego cookbookstore, von dem sich ZS nicht zuletzt einen direkten Draht zur Zielgruppe seiner Kochbücher erhoffte, seine Türen nun dauerhaft geschlossen.

Interview mit Jürgen Brandt, Edel-Geschäftsführer

Porträtfoto Jürgen Brandt

Jürgen Brandt

Der Grundgedanke war schon bei der Eröffnung, gemeinsam mit Eataly in Deutschland zu wachsen. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.

Corona-Nachwehen, Energiekrise, zu hohe Mieten: Warum wird die Buchhandlung geschlossen?
Der Grundgedanke war schon bei der Eröffnung, gemeinsam mit Eataly in Deutschland zu wachsen. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Eataly ist bis heute mit nur einem Store in Deutschland vertreten. Das Geschäft ist damit auf die Dauer einfach zu kleinteilig für uns.

Wie viele Mitarbeiter waren dort beschäftigt – und was passiert jetzt mit ihnen?
Unsere Storemanagerin hat einen tollen Job gemacht und wird ihre Kompetenz künftig im Vertrieb eines anderen Verlagshauses einbringen.

ZS hatte sich damals auch Informationen über die Vorlieben der Zielgruppe versprochen. Hat sich die „Marktforschungshoffnung“ im Sortiment erfüllt?
Definitiv. Wir haben viel miteinander gesprochen, beobachtet, wie Kundinnen und Kunden auf unser Programm regierten, aber auch viele gute Hinweise von unserer Storeleitung bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar. Gleichzeitig darf man natürlich nie vergessen, dass jeder Buchladen sein ganz eigenes Publikum hat, also nur sehr bedingt repräsentativ für andere Geschäfte sein kann.

Das Portfolio der Edel Verlagsgruppe hat sich in den vergangenen Jahren vom klaren Schwerpunkt Kochen deutlich weiterentwickelt.

Jürgen Brandt, ZS / Edel

Sind die Buchhandelsambitionen für ZS / Edel mit prego Geschichte?
Es gibt derzeit keine Pläne für eigene Handelsaktivitäten. Die Konstellation in der Zusammenarbeit mit Eataly war für uns damals eine besondere Chance, die wir genutzt haben.

Gleichzeitig hat sich das Portfolio der Edel Verlagsgruppe in den vergangenen Jahren vom klaren Schwerpunkt „Kochen“ deutlich weiterentwickelt. Wir sind heute neben der Kategorie Essen & Trinken vor allem in der Gesundheit, dem Sport und dem Kinderbuch aktiv. Dazu kommt jetzt noch das erzählende Sachbuch. Die „Eins-zu-Eins-Übertragung“ vom Programm auf einen Store, wie sie zur Eröffnung vor sieben Jahren noch möglich war, wäre heute unrealistisch.