In den kommenden Tagen wurden die beiden Veranstaltungen von den Beteiligten – Börsenverein, Politik, Polizei, aber auch Preisträger und Laudator – hinterfragt, durchleuchtet, auf den Prüfstand gestellt. Nach langen Diskussionen wurde entschieden, bei der Eröffnung verstärkte Sicherheitskontrollen durchzuführen, was letztlich zu mehr als einer Stunde Verzögerung führte.
Beim Friedenspreis wäre so etwas schwieriger, brauchte es doch wegen der Liveübertragung im Fernsehen einen festen Beginn. Reemtsma und Habermas wollten unbedingt, dass die Verleihung stattfindet, letzterer überlegte sogar, seine Dankesrede umzuschreiben. Auch der Bundespräsident und der Bundeskanzler wollten weiterhin kommen, denn – das wurde in den nächsten Wochen deutlich – nicht nur sie, sondern große Teile der Bevölkerung erhofften sich von Jürgen Habermas klärende Worte, wie sich dieses unfassbare Ereignis, bei dem die Grenzen der Menschlichkeit in vielerlei Hinsicht überschritten wurde, einordnen ließ.
Drohte ein Krieg der Kulturen oder der Religionen? Wie würde die Antwort der USA ausfallen? Und könnte man angesichts dieses Terrors zukünftig noch friedlich zusammenleben?
Ganz entscheidend dabei war aber, ob Frau Fenner und ich es uns überhaupt zutrauten, all die Aufgaben, die nun an uns gestellt wurden, erfüllen zu können. Ich staune heute noch darüber, dass wir, als wir gefragt wurden, ob wir für alle Eingeladenen die Hand ins Feuer legen würden, dem zustimmten – freilich erst nachdem wir sämtliche Listen noch einmal durchgegangen waren. Unverhofft erhielt ich dadurch einen Schnellkurs im Who is Who der deutschen Buchbranche, von dem ich heute noch profitiere.
Kurzum, unsere Zuversicht, begleitet von der großen Umsicht der Polizei, führte tatsächlich dazu, dass wir auf manche zeitraubenden Sicherheitsmaßnahmen verzichten konnten und für einen pünktlichen Beginn sorgten. Und auch der Friedenspreisträger erfüllte nach der Laudatio von Jan-Philipp Reemtsma und der Verlesung der Urkunde mit seiner Dankesrede alle Erwartungen.