Der Dalai Lama und Kaiserin Michiko, Karl-Theodor zu Guttenberg und Renate Künast, Bischöfe und Päpste sowieso – sie alle veröffentlichen ihre Bücher im Herder Verlag. Gibt es eigentlich irgendjemanden, den Manuel Herder nicht als Autor gewinnen konnte? "Man braucht einen langen Atem, deswegen sage ich: 'vielleicht noch nicht gewinnen konnte' … Ich verlege am liebsten das, was vorher noch keiner gewagt hat, ich probiere einfach aus: Wenn's nicht klappt, merkt's ja keiner", meint der Verleger und holt als Beweisstück für einen gelungenen Coup einen Blindband aus dem Schrank.
Herder wollte gerne eine Gesamtausgabe von Joseph Ratzingers Schriften machen "und alle sagten: Nee, das geht nicht – beim Papst müssen so viele Beteiligte zustimmen, das wird nie was. " Also gestaltete er einen Blindband mit den wesentlichen Seiten der Buchstruktur und ging zu Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein mit der Bitte, diesen dem Papst vorzulegen und meinte: "Ich bleibe so lange in Rom, bis der Papst dem Entwurf zustimmt …" Herder blättert in dem Band: "Und sehen Sie: hier, und hier … auf jeder Seite hat Benedikt einzeln bestätigt: 'Einverstanden'." 2008 erschien der erste Band, inzwischen sind es 25, zwei kommen noch – das Ergebnis eines langen Atems.
Das richtige Gespür, Gelegenheiten beim Schopf packen, gute Kontakte: Manuel Herder kann viele solcher Geschichten erzählen. Wie die von Udo Jürgens. Als der Sänger am 21. Dezember 2014 starb, rief Manuel Herder den "Bunte"-Chefreporter Paul Sahner an, um zu fragen, wer für Jürgens-Biografie in Frage komme. Dabei stellte sich heraus, dass Sahner viele Tonbandaufnahmen von gemeinsamen Gesprächen besaß. Herder überredete den Reporter, in Windeseile die Biografie zu schreiben: "Ich habe zwischen den Jahren lektoriert, es waren ja alle in Urlaub, am 24. Januar erschien das Buch."