Frankreich

Entlassener Grasset-Verleger gründet eigenen Verlag

19. August 2026
Redaktion Börsenblatt

Im Frühjahr hatte der neue rechts-nationale Eigentümer den langjährigen Grasset-Verleger Olivier Nora entlassen. Rund 200 Autorinnen und Autoren hatten daraufhin aus Protest Grasset verlassen. Nun hat Nora einen eigenen Verlag gegründet. 

Olivier Nora vor Buchcovern

Olivier Nora, ehemaliger Verleger der Editions Grasset

Laut französischen Medien hat Olivier Nora (66), ehemaliger Chef von Grasset, einer Tochtergesellschaft von Hachette, einen eigenen Verlag gegründet. Das habe er am 17. August bekannt gegeben. Mitte April war Nora von Vincent Bolloré, dem Eigentümer des führenden französischen Verlagskonzerns, nach 26 Jahren entlassen worden. Daraufhin hatten rund 200 Autorinnen und Autoren dem Verlag den Rücken gekehrt. 

Die "Olivier Nora Editions" sollen ein allgemein ausgerichteter Verlag mit Sitz in Paris sein. Geplant sei es, ab Januar 2027 "im Normalbetrieb zwischen 30 und 50 Titel pro Jahr zu veröffentlichen – Belletristik und Sachbücher". Er werde dann über ein kleines Team verfügen, das sich ganz den Autorinnen, Autoren und ihren Werken widmet, so Nora.

Unterstützt wird er bei der Verlagsgründung durch die Editis-Gruppe. Diese ist im Besitz des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Die Editis-Gruppe ist hinter Hachette die Nummer zwei im französischen Verlagswesen und erwirbt eine Minderheitsbeteiligung am Kapital des Unternehmens, so Nora in seiner Mitteilung. Zudem stelle sie eine Vertriebs- und Verteilungsvereinbarung mit ihrer Tochtergesellschaft Interforum sowie kommerzielle, marketingbezogene, technische und administrative Dienstleistungen zur Verfügung, berichtet "La Nouvelle République"

 Die ersten beiden Titel, die im Oktober 2026 erscheinen, sind "Mémoires provisoires" von Bernard-Henri Lévy und "Sermons sous les décombres" von Delphine Horvilleur. Beide wurden bereits bei Grasset veröffentlicht.