Frankreich

Paukenschlag: 170 Autoren verlassen Verlag

20. April 2026
Redaktion Börsenblatt

Aus Protest gegen die Entlassung ihres Verlegers haben mehr als 170 renommierte Autoren des Verlags Grasset erklärt, dass sie die Rechte an ihren Büchern zurückfordern. 200 Verleger protestieren ebenfalls. Der Grund: Der Eigentümer von Hachette, zu dem Grasset seit 2022 gehört, baut einen rechtsextremen Medienpool auf - und er glaubt, die Autoren problemlos ersetzen zu können. Für das Börsenblatt berichtet aus Paris Ralf Klingsieck.

Olivier Nora vor Buchcovern

Olivier Nora, ehemaliger Verleger der Editions Grasset

Auslöser: Ein neues Buch von Boualem Sansal

Das alljährliche Pariser Buchfestival am vergangenen Wochenende stand weitgehend im Zeichen der Empörung und Proteste gegen die Tage zuvor erfolgte plötzliche Entlassung des Grasset-Verlegers Olivier Nora – nach 26 Jahren – durch Vincent Bolloré. Als Entlassunggrund nannte Bolloré im "Journal Du Dimanche" Meinungsverschiedenheiten mit Nora über das Veröffentlichungsdatum eines neuen Buchs von Friedenspreisträger Boualem Sansal. Der als klerikal-nationalistisch geltende 74-jährige Milliardär Bolloré ist seit 2023 Eigentümer von Frankreichs größter Verlagsgruppe Hachette.

Der 1907 gegründete und seit 1954 zu Hachette gehörende renommierte Verlag Grasset, den Nora seit 2000 geleitet hat, gibt pro Jahr 160 Romane und Essays heraus. Aus Protest gegen die Entlassung ihres sehr geschätzten Verlegers haben mehr als 170 Grasset-Autoren in einem Offenen Brief erklärt, dass sie hier nichts mehr verlegen und die Rechte an ihren bisherigen Büchern zurückfordern. Zu ihnen gehören bekannte Schriftsteller und Intellektuelle wie Virginie Despentes, Frédéric Beigbeder, Pascal Bruckner, Sorj Chalandon, Adelaide de Clermont Tonnerre, Laure Goscinny, Dan Franck, Alain Minc, Bernard-Henri Levy und Laure Adler.

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