Hörbuch-Novität

Komplexe Akustik für Pynchons Hauptwerk

23. April 2020
von Sabine van Endert

Der vielfach ausgezeichnete Hörspielregisseur Klaus Buhlert (»Ulysses«, 2012, SWR / Hörverlag) hat »Die Enden der Parabel« von Thomas Pynchon adaptiert. Die Radiopremiere fand am 17. und 18. April in SWR2 statt, ab 24. April ist das Hörspiel bei Hörbuch Hamburg erhältlich ( 13 CDs, 79,99 Euro).

Drei Sprecher der "Enden der Parabel": (von links) Manuel Harder, Max von Pufendorf, Golo Euler

Pynchons Roman spielt zu der Zeit, als der NS-Staat zusammenbrach; Schauplätze sind London und das besiegte Deutschland. Allgegenwärtiger Bezugspunkt ist die V2- Rakete, die als Sinnbild besiegter Schwerkraft und Männlichkeit dient. »Das Ende der Parabel / Gravity’s Rainbow« erschien 1973 und gilt als radikalster und bedeutendster Roman der Postmoderne und Popliteratur. Und: Es ist das erste Mal weltweit, dass Pynchon für eines seiner Hauptwerke einer Bearbeitung für Film, TV oder Hörfunk zugestimmt hat.

Zweieinhalb Jahre war Klaus Buhlert mit dem Projekt beschäftigt, 520 Produktionstage hat er im Hörspielstudio verbracht. Knapp 40 Sprecher sind an der Vertonung des 1 200-Seiten-Werks beteiligt, darunter Franz Pätzold, Max von Pufendorf, Corinna Harfouch, Golo Euler, Bibliana Beglau und Manuel Harder. »Hier agieren 400 Figuren, die das Nervensystem eines Regisseurs Seite für Seite regelrecht besetzt halten. Sie haben dort permanent und bewusst gegen alle Regeln verstoßen – unverschämt schamlos agiert und reagiert. Das fühlte sich manchmal verdammt körperlich an, war ansteckend im Studio und kaum auszuhalten«, so Klaus Buhlert.