PEN: Deniz Yücel tritt zurück

"Möchte nicht Präsident einer Bratwurstbude sein"

14. Mai 2022
von Börsenblatt

Der Journalist Deniz Yücel ist am vergangenen Freitagabend von seinem Amt als Präsident der Schriftstellervereinigung PEN zurückgetreten. Ein Abwahlantrag war zuvor knapp knapp gescheitert. "Als Aushängeschild einer Bratwurstbude stehe ich nicht zur Verfügung", begründete Yücel seinen Rücktritt auf Twitter. 

Deniz Yücel arbeitet als Journalist bei der »Welt« und ist Präsident des deutschen PEN-Zentrums 

Zugleich kündigte er seinen Austritt aus der Schriftstellervereinigung mit Sitz in Darmstadt an. Der PEN von heute werde "dominiert von Spießern und Wichtigtuern Ü70, die ihre Mitgliedschaft als Ausweis der eigenen Zugehörigkeit zur publizistischen oder literarischen Elite brauchen", so Yücel auf seinem Twitter-Kanal weiter. 

Antrag auf Abberufung knapp gescheitert

Der Antrag auf Abberufung von Yücel, der erst im vergangenen Oktober zum PEN-Präsidenten gewählt wurde, war bei der PEN-Mitgliederversammlung am Freitag in Gotha mit knapper Mehrheit abgelehnt worden: Von 161 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 75 gegen die Abberufung, 73 dafür.

Vorwurf des Amtsmissbrauchs

Wegen seines Plädoyers für eine Flugverbotszone über der Ukraine auf einem Podium der lit.Cologne war Deniz Yücel von fünf ehemaligen PEN-Präsidenten kritisiert worden – sie forderten Ende März seinen Rücktritt (siehe Börsenblatt online: "Abwahlantrag gegen Deniz Yücel und PEN-Präsidium eingereicht").

Anfang April reichten 36 PEN-Mitglieder einen Abwahlantrag ein (siehe Börsenblatt online: "Streit um PEN-Präsident Deniz Yücel geht weiter"). Neben seinen - mit dem PEN nicht abgestimmten Äußerungen zur Ukraine - wurde Yücel von seinen Kritikern ein "autoritärer Führungsstil" und "Amtsmissbrauch zum Schaden des PEN" vorgeworfen. 

Seine Rede in Gotha habe er in etwa so beendet, schreibt Yücel auf Twitter: "So gerne ich diese Aufgabe mache - ich brauche den PEN nicht. Take it or leave it, PEN." Und weiter: "Nun, die Mehrheit hat sich entschieden. Na gut. Tschüss, PEN, war schön mit dir. Gibt aber wichtigeres."

Eine Stellungnahme vom PEN-Präsidium liegt noch nicht vor.