Studie gibt erste Einblicke

Negative Sprachentwicklung durch Kita-Schließungen

23. Februar 2021
von Charline Vorherr

Wie wirken sich die pandemiebedingten Kita-Schließungen auf die Sprachentwicklung von Kindern auf? Eine erste Studie aus Niedersachsen gibt einen Einblick in die frühkindliche Entwicklung während der Pandemie. Vor allem Kinder aus einer bestimmten Gruppe sind benachteiligt.

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Durch die Corona-Pandemie wurde der Betrieb von Kindertageseinrichtungen stark eingeschränkt. Viele Kinder konnten ihre Kita lange gar nicht besuchen oder nur unter Einschränkungen des pädagogischen Alltags. Eine Umfrage von Studierenden der HAWK Hildesheim und der HS Emden unter 78 Kindertagesstätten in Niedersachsen zeigt erste Ergebnisse, die Impulse für eine weitere Untersuchung setzen.

Erste Studien hätten bereits gezeigt, dass wochenlange Schließungen von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen eine Herausforderung und Belastung für viele Kinder und Familien sind. Die Politik betone außerdem immer wieder, dass sich die Schließungen nachteilig auf den Bildungserfolg von Kindern auswirken – besonders bei bereits existierenden Bildungsbenachteiligungen. „In diesem Zusammenhang kommt einer gelungenen Sprachentwicklung und ausreichender Beherrschung der deutschen Sprache eine entscheidende Bedeutung zu“, so Karin Schäfer, Autorin der Studie. Dabei erwähnt Schäfer auch, dass insbesondere für Kinder, die zuhause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, die Sprachbildung und Sprachförderung in der Kita entscheidend ist.

Die relevantesten Ergebnisse im Überblick:

  • Mehr als die Hälfte aller Befragten (55,1 Prozent) nahmen sowohl positive als auch negative Veränderungen in der sprachlichen Entwicklung von Kindern wahr. 17,9 Prozent nur negative Veränderungen, 8,9 Prozent nur positive. Etwa ein Fünftel stellte keine auffälligen Veränderungen fest
  • Positive Veränderungen: „Es hat vielen Kindern gut getan, ihren Eltern mal intensiver für sich zu haben. Es wurde Zuhause mehr miteinander gespielt, gelesen.“ Auch wurde eine „verbesserte Sprachfähigkeit des Kindes durch Vorlesen und Erzählen zu Hause“ berichtet
  • Negative Veränderungen: Besonders bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache wurde eine rückläufige Sprachentwicklung bei Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis erkannt. Ein*e Teilnehmer*in berichtete: „Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, konnten oft ihre Deutschkenntnisse kaum noch abrufen.“ Andere Kinder würden nur noch mit Einwortsätzen oder „Comic-Sprache“ kommunizieren. Dies wurde von den Einrichtungen auf einen erhöhten Fernsehkonsum zurückgeführt.

 

Sprachförderung als wesentliche Bestandteil des Kita-Alltags

Im Allgemeinen fühlen sich die befragten Fachkräfte für die alltagsintegrierte Sprachförderung mehrheitlich ausreichend qualifiziert (69,2 Prozent). In Bezug auf mehrsprachige Kinder stimmen dem nur noch 32 Prozent vollkommen zu. Deshalb wünschen sich Kita-Fachkräfte mehr Fortbildungen, insbesondere zum Thema Mehrsprachigkeit. Oft geht der Wunsch mit der Forderung nach kleineren Gruppen einher. Mehrfach sei angemerkt worden, dass die Sprachförderung in Phasen der Notbetreuung, und damit kleineren Gruppen, erleichtert wurde.

Insgesamt ergab die Studie also ein sehr durchmischtes Bild. Während vor allem Kinder, die zuhause kein Deutsch sprechen, im Bezug auf die Sprachentwicklung Verzögerungen und Rückschritte aufzeigten, haben andere Kinder durch die vermehrte Zeit in der Familie profitiert.

„Dennoch ist ein Anteil von über 30 Prozent der Befragten, die sich nur teilweise oder nicht ausreichend für Sprachförderung qualifiziert fühlen, in Hinblick auf den gesetzlichen Auftrag zur Sprachförderung in Kitas grundsätzlich problematisch, und dies gilt in noch deutlich größerem Ausmaß für die Arbeit mit mehrsprachigen Kindern.“ Deutlich wird also der Bedarf an fachlicher Begleitung und Qualifizierung der Kita-Fachkräfte, sowie die Forderung nach kleineren Gruppengrößeren.

Sprachförderung durch Wimmelbücher. Hier in Form einer Dialoganregung für Erzieher*innen, Praktikant*innen und Eltern: Idee von M. Baumann, Kita Mariae Heimsuchung, Mainz-Laubenheim.

Wie können Verlage Kita-Fachkräfte in der Weiterbildung zur Sprachförderung unterstützen?

Kinder- und Bilderbücher, Reim- und Gesangsbücher sind ein wesentlicher Bestandteil der frühkindlichen Sprachentwicklung. Verlage leisten damit einen wichtigen Teil in der Sprachbildung von Kindern. Doch wie können Verlage Kita-Fachkräfte weiterhin unterstützen?

Der Gerstenberg Verlag hat mit einem Wettbewerb Kindertageseinrichtungen aufgerufen, ihre Vorschläge zur Sprachbildung mit Wimmelbildern einzureichen. Die kreativen Ideen der Einrichtungen können hier eingesehen werden. Sprechblasen geben Praktikant*innen, Erzieher*innen und Eltern Impulse für den Dialog, "Erzähltüten" regen zum Geschichtenerzählen an und Präpositionen werden auch mit Wimmelbildern gelernt.

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