Offener Brief

Streit um Einkaufskonditionen

2. November 2021
von Börsenblatt

Mitte Oktober hatte Thalia mit einem Gutachten höhere Rabatte wegen besondere Händler-Leistungen gerechtfertigt. In einem Offenen Brief wendet sich Verleger Jan Weitendorf von Hacht nun deutlich gegen eine Konditionenspreizung.

Jan Weitendorf von Hacht 

Weitendorf von Hacht ist Verleger der W1-Media-Gruppe (Atrium, Arche, Jumbo, NordSüd). Sein Offener Brief im Wortlaut:

"'Der Buchhandelsmarktführer und größte Beitragszahler im Börsenverein opponiert' - so fängt der Artikel im Buchreport vom 28. Oktober an. Im Börsenblatt vom gleichen Tag wird Michael Busch mit 'Eine Diskussion über Rabatte zu führen ist unsinnig' zitiert. Und im Mittagsnewsletter des verbandsnahen Börsenblattes vom 31.12.2021 wird das von Thalia in Auftrag gegebene Gutachten von Taylor Wessing als Gastbeitrag zu Verlagsrabatten angekündigt.

Da fragt man sich doch, wessen Verband dieser Verband ist? Wieso erhält ein Buchhändler, der einer unter vielen Beitragszahlern ist, ständig eine solche Aufmerksamkeit? Und wo sind die offiziellen Gegenpositionen?

Was mich in der gesamten Diskussion aber am meisten ärgert, ist, dass sämtliche Lieferanten von Thalia in einen Topf geworfen werden. Denn worum geht es hier überhaupt? Es geht um das überleben des Verlagswesens in seiner jetzigen Ausprägung- es geht darum, wer sich überhaupt Rabatt von 50% und mehr leisten kann!

Wenn ich mir als mittelständischer Verlag keine Rabatte über 50% beim Barsortiment leisten kann, dann muss Thalia das akzeptieren - das tun sie aber nicht. Thalia handelt nach dem Prinzip 'Wir sind der Größte - was nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt!'

Das hat zur Folge, dass wir zu rechtswidrigem Handeln gezwungen werden. Es ist nicht Thalia, die gegen das BPG verstoßen, sondern es sind die kleinen Verlage, die ansonsten ausgelistet würden.

Ein Verlag, der von Thalia ausgelistet wird, wird in geringerem Maße, aber trotzdem über das Barsortiment bezogen, da sich auch Thalia mit den Größten messen muss.

Was ist denn die Innovation, die Thalia bietet? Die Konditionen reichen gerade dazu, neue Buchhandlungen in das System Thalia zu integrieren und damit die Konditionenschraube noch weiter zu drehen. Aber für mittelständische Verlage ist das eher die Ansage, dass das Wachstum von Thalia unterstützt werden soll, damit wir uns klanglos vom Markt verabschieden können.

Und hier ist doch genau der Ansatz des Buchpreisbindungs-Gesetzes! Die Vielfalt im Deutschen Buchmarkt soll gewährleistet werden ...

Ich bin für weniger Aufmerksamtkeit für Busch und für mehr Miteinander als Gegeneinander. Ansonsten werden auch wir Verlage uns fragen müssen, ob der 3-Sparten-Verband die richtige Interessenvertretung ist. Zumindest was die kleinen Verlage betrifft, fragen wir uns das schon seit längerer Zeit."