Berlin

Verlage öffneten ihre Türen

3. November 2026
Margit Lesemann

Was macht eigentlich ein Verlag? Antwort auf diese Frage erhielten Berliner:innen bei der Aktion "Verlage besuchen" am Freitag und Samstag aus erster Hand. Impressionen.

Zwei Männer freuen sich mit hochgerissenen Armen

Favoritenpresse: Björn Kuhligk und sein Verleger Bodo von Hodenberg (r.) haben Spaß beim Glücksrad

Mehr als 20 Verlage in der ganzen Stadt öffneten am 30. und 31. Oktober ihre Türen und luden das Publikum dazu ein, einen Blick hinter die Kulissen des Büchermachens zu werfen - von Comics über Literatur bis zu Wissenschaftsbüchern. Die Ankündigungen im Internet und in den lokalen Medien hatte viele Menschen neugierig gemacht.

Buch-Imbiss-Show

"Eine tolle Idee des Börsenvereins", findet Bodo von Hodenberg. Der Verleger der Favoritenpresse freut sich, in seinen neuen Verlagsräumen mit Galerie am Richardplatz in Neukölln erstmals genügend Platz für die Aktion zu haben. Das Publikum erfuhr nicht nur, warum Bücher Illustrationen brauchen, es konnte auch bei einer Buch-Imbiss-Show mit dem Autor und Fotografen Björn Kuhligk Gewinne einstreichen.

"Macht einfach Spaß"

AvivA-Verlegerin Britta Jürgs ist von Anfang an bei #verlagebesuchen dabei. In diesem Jahr öffnete sie erneut die Türen ihres Verlags in Moabit, erzählte von ihrer Arbeit und sprach mit Kerstin Campbell über deren neuen Roman "In den Wolken schwimmen" und die Dichterin Karoline von Günderrode. Jürgs schätzt die Aufmerksamkeit, die die Aktion den Verlagen verschafft – gerade in einer Zeit, in der deren Sichtbarkeit abnimmt, weil es immer weniger inhabergeführte Buchhandlungen gibt und Literatur in den Medien weniger Platz und Sendzeiten eingeräumt wird. "Es kommt immer zu interessanten Begegnungen und Gesprächen. Und es macht einfach Spaß", sagt Jürgs.

Kooperation mit Buchhandlung

Margitt Lehbert von der Edition Rugerup und Stefan Monhardt von der Edition Monhardt stellten ihre Verlage in der gut besuchten Friedenauer Buchhandlung Zauberberg vor und feierten zugleich das zwanzigjährige bzw. zehnjährige Jubiläum ihrer Verlage..

Einblick in 300 Jahre Verlagsgeschichte

Der Wissenschaftsverlag De Gruyter Brill blickt bereits auf eine über 300-jährige Geschichte zurück. Es wurden mehrere Führungen durchs hauseigene Archiv angeboten, und bei einer Siebdruck-werkstatt konnten die Gäste Stofftaschen bedrucken und mit nach Hause nehmen.

Fluchlabor in Schöneberg

Auch in anderen Stadtteilen gab es viel zu entdecken. Bei der gut besuchten Veranstaltung von Matthes & Seitz Berlin in Kreuzberg freute sich Verleger Andreas Rötzer über den Literaturnobelpreis für seine Autorin Anne Carson. Das Verlagshaus Berlin in Pankow öffnete seine Türen für alle, die sich poetisieren lassen wollten, Periplaneta lud zum TresenLesen, Reprodukt zeigte – unterstützt von der Illustratorin und Autorin Nadia Budde – wie ein Comic entsteht und bei Voland & Quist in Schöneberg stand ein Fluchlabor rund um den druckfrischen "Kalender der Flüche" auf dem Programm. 

Selbstgebackene Carrot Cake

Ganz in der Nähe, im Querverlag, gab es neben selbstgebackenem Carrot Cake auch spannende Gespräche über gesellschaftliche Vielfalt. Seyran Ates, Imamin der progressiven Ibn Ruschd-Goethe Moschee, und Tugay Saraç, Mitherausgeber der Anthologie "Liebe ist halal. Queer und muslimisch" berichteten von der Entstehung des Buches. Ebenfalls in Schöneberg stellte Verleger Arnt Cobbers seine Arbeit bei Jaron und Pharus vor. Außerdem machte Bettina Kerwien neugierig auf "Ende Gelände", den 40. Band der Krimireihe "Es geschah in Berlin".

Erstmals unterstützt der Senat #verlagebesuchen

Der Landesverband Berlin-Brandenburg hat die Aktion #verlagebesuchen vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben. Er bündelte die Veranstaltungen auf der Website, begleitete die Aktion in den sozialen Medien und stellte den beteiligten Verlagen Postkarten, Plakate und Stofftaschen zur Verfügung. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung erstmals finanziell von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützt