Er hätte Herausgeber der "ZEIT" oder der "FAZ" werden können (beide Blätter umwarben ihn), aber er wollte partout in Berlin bleiben. Hier, in seiner Geburtsstadt, hatte Wolf Jobst Siedler in den sechziger Jahren als Kulturchef des "Tagesspiegels" die Debatten geprägt und später die Springer-Buchverlage Ullstein und Propyläen geleitet. 1980 gründete er seinen eigenen Verlag, an dem sich bald Bertelsmann als Partner beteiligte. Berlin – das war der Ort, an dem Siedler seine konservativen Überzeugungen leidenschaftlich ausleben konnte. Denn zu seinem großen Schmerz waren die bürgerliche Welt, der er entstammte, und das Preußen, das er liebte, nach 1945 in Trümmer gefallen. Was danach neu aufgebaut wurde, missfiel Siedler aus tiefstem Herzen, ästhetisch und politisch. In Berlin war besonders eindrücklich zu erleben, wie Städte und Gesellschaften sich rasend verändern. Und so paradox es klingen mag: zu Siedlers Lebensthema wurde es, den Verfall zu beklagen und das endgültig Vergangene zu bewahren. Seine Bücher "Die gemordete Stadt" und "Abschied von Preußen" sind ein kluger, zorniger Abgesang auf das preußische kulturelle Erbe.