KI-Einsatz im Verlag: Drei Praxisbeispiele

"Vieles führen wir ein, manches lassen wir wieder ziehen"

22. Oktober 2026
Sabine Cronau

Künstliche Intelligenz ist im Arbeitsalltag der Verlage längst angekommen. Wo verlaufen die Grenzen für den KI-Einsatz? Und wie finden Verlage eine eigene Haltung dazu? Drei Praxisbeispiele von Loewe, dtv und C.H.Beck zeigen das Spektrum der Möglichkeiten.

KI im EInsatz

Loewe Verlag: Garantiert ohne KI - mit eigenem Label

Christoph Gondrom gibt den Käufer:innen seiner Kinderbücher ein klares Versprechen: "Bei uns gibt es keine KI-generierten Texte oder Bilder – auch keine KI-generierten Stockfotos", so der Loewe-Verleger: "Wir nutzen KI-Tools intern höchstens zur Datenanalyse oder für kleinere Textkorrekturen, etwa bei der Komma-Setzung."

Gondrom macht dieses Versprechen auch nach außen deutlich: Loewe-Bücher, die in Online-Shops angeboten werden, tragen auf dem Cover das Label "Ohne KI“. Seit Juni bietet Gondrom außerdem Plakate für den Buchhandel an, die diese Botschaft unterstreichen: "Loewe Kinder- und Jugendbücher – garantiert ohne Künstliche Intelligenz".

Dass sich Gondrom hier so deutlich festlegt und seine Markenstrategie sogar mit einem Label nach außen kommuniziert, hat einen Grund: Er will sein Programm so klar wie möglich von KI-generierten Titeln abgrenzen, die im Selfpublishing erscheinen und die einschlägigen Verkaufsplattformen fluten. 

Für Christoph Gondrom sind solche per Knopfdruck erstellten Bücher, die sich in der Covergestaltung gern bei erfolgreichen Bestsellern bedienen, im Moment das Problem Nr. 1 auf dem Buchmarkt. Auch Ratgeber und Reiseführer leiden unter den oft unverhohlenen Nachahmungen, die zum Teil Urheber- und Persönlichkeitsrechte verletzen oder auch gegen den Titelschutz verstoßen (mehr dazu hier: der Fall Yael Adler).

Bei Loewe ist davon unter anderem der Bestseller "Mein Körper gehört mir" betroffen: Viele dieser Plagiate hätten kein Impressum oder es stecke lediglich eine Briefkastenfirma dahinter, berichtet Gondrom: „Das sind kriminelle Machenschaften, bei denen es letztlich nur darum geht, die Früchte anderer zu ernten.“