Kinderbuchpraxis

Warum Penguin Random House den Fall Kokosnuss vor Gericht bringt

24. April 2026
Redaktion Börsenblatt

In der neuen Folge des Börsenblatt-Podcasts "Kinderbuchpraxis" spricht Carina Mathern, Geschäftsleiterin für den Bereich Kinder- und Jugendliteratur bei Penguin Random House, auf der Kinderbuchmesse in Bologna darüber, warum Penguin Random House juristisch gegen den Umgang von KI mit geschützten Werken vorgeht. 

Carina Mathern

Carina Mathern

Sorgen gab's schon lange

Der Ausgangspunkt der Klage ist kein theoretisches Szenario, sondern ein konkreter Test. Carina Mathern, Geschäftsleiterin für den Bereich Kinder- und Jugendliteratur bei Penguin Random House, schildert, dass der Verlag schon länger beobachtet habe, wie KI-Systeme mit eigenen Inhalten umgehen. Die Sorge über mögliche Urheberrechtsverletzungen sei da gewesen, der Nachweis jedoch schwierig. Dann habe ein einfacher Prompt gereicht, um einen Fall zu erzeugen, der für den Verlag ganz klar eine juristische Grenze überschritt.

"Und damit war für uns total klar, wir haben jetzt den richtigen Fall sozusagen vor dem richtigen Rechtsrahmen und wir müssen das jetzt im Sinne der Urheber versuchen, anhand dessen einmal klären zu lassen", sagt Mathern. Dass die KI nicht nur ein Manuskript anbot, sondern sich dabei ausdrücklich auf Wiedererkennbarkeit berief und sogar ein Cover mit klar erkennbaren Figuren entwarf, macht die Wucht des Falls deutlich.

Wir klagen hier nicht gegen KI im Allgemeinen und wir klagen auch schon gar nicht gegen technischen Fortschritt, sondern wir klagen wirklich gegen diese Art mit urheberrechtlich geschützten Werken umzugehen.

Carina Mathern

Nicht gegen KI - sondern gegen den Rechtsbruch

Mathern macht die Stoßrichtung der Klage sehr klar. Es gehe nicht um eine pauschale Absage an Technologie. "Wir klagen hier nicht gegen KI im Allgemeinen und wir klagen auch schon gar nicht gegen technischen Fortschritt, sondern wir klagen wirklich gegen diese Art mit urheberrechtlich geschützten Werken umzugehen", sagt sie. Der entscheidende Punkt ist für sie die Frage, auf welcher Grundlage Inhalte genutzt werden - und wer darüber entscheiden darf.

Daraus folgt eine zweite, grundsätzliche Forderung: Transparenz und Vergütung. Mathern beschreibt das bestehende System als ungeregelt und drängt auf einen belastbaren Rechtsrahmen. Sie macht klar: "Kunst ist kein Selbstbedienungsladen." Der Konflikt betrifft nicht nur eine bekannte und erfolgreiche Kinderbuchreihe, sondern die Bedingungen verlegerischer und kreativer Arbeit insgesamt.

Kunst ist kein Selbstbedienungsladen.

Carina Mathern

Die Branche schaut genau hin

Im Gespräch wird deutlich, dass die Klage weit mehr ist als eine Einzelmaßnahme eines großen Hauses. Schon auf der Messe, berichten die Hosts, sei die Reaktion auffällig eindeutig gewesen. Dr. Stefan, beschreibt eine Stimmung, in der viele sagten: "Endlich fängt mal jemand an." Nach seinen Beobachtungen habe der Schritt das Gefühl erzeugt, dass endlich ein Stein ins Rollen komme.

Mathern bestätigt diesen Eindruck. "Wir haben jetzt wirklich ganz viel Zuspruch erlebt", sagt sie. Das sei auch deshalb bemerkenswert, weil sich darin zeige, wie solidarisch die Branche auf ein Thema reagiert, das viele Urheber:innen unmittelbar berühre. Auch andere Verlage beobachteten die Entwicklung genau und dächten über eigene Schritte nach. Der Fall könnte zum Gradmesser für eine Branche werden, die ihre Schutzmechanismen im digitalen Raum als unzureichend erlebt.

Zwischen Sorge und Selbstbehauptung

Die Unsicherheit unter Autor:innen und Illustrator:innen ist groß: Es geht um die Angst, dass die eigene schöpferische Arbeit ersetzbar werden könnte. Mathern hält dagegen und verweist auf verlegerische Qualität, kuratorische Arbeit und die Stärke menschlicher Kreativität: "Die richtig großen Bücher, an die man sich lange erinnert […], das sind doch die voller Geist und Herz und Seele und da bleibt der Mensch, der KI immer überlegen."

Über die Kinderbuchpraxis

"Kinderbuchpraxis" erscheint jeden zweiten Freitag. Gastgeber sind Dr. Stefan Hauck vom Börsenblatt (als Dr. Stefan) und Mr. Ralf, a.k.a. Ralf Schweikart, freier Kritiker. Der Podcast behandelt Themen rund um Kinder- und Jugendbuch, Markt, Branche und aktuelle Entwicklungen und ist auf den gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.