Interview mit Michel Friedman

"Widerspruch gehört dazu"

24. April 2025
Michael Roesler-Graichen

"Streiten? Unbedingt!": Ein Buch von Michel Friedman liefert in diesem Jahr das Motto für die Woche der Meinungsfreiheit. Warum ist Streitkultur so wichtig für die Demokratie? Ein Gespräch mit dem Autor und Publizisten - über Dialog, Donald Trump und den Aufstieg der AfD.

Michel Friedman

Michel Friedman

Im neu konstituierten Bundestag sitzt ein AfD-Block, der doppelt so groß ist wie in der vergangenen Legislaturperiode. Welche Gedanken löst das bei Ihnen aus?

Michel Friedman: Das ist eine große Gefahr für die Demokratie, denn diese Partei des Hasses ist eine antidemokratische Partei. Unser Grundgesetz geht in Artikel 1 davon aus, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Das wiederum ist ein Ausfluss der Menschenrechte, die noch einmal nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoah zum Fundament der Demokratie erhoben wurden. 

Die Idee, dass kein Mensch mehr bestimmen darf, ob ein anderer Mensch ein Mensch ist, reflektiert die Tatsache, dass im "Dritten Reich" Hitler-Nazis entschieden, dass es Menschen gibt, die keine Menschen sind, nämlich Juden. Die Idee der Menschenwürde ist konstitutiv für Demokratie. Die AfD jedoch ist der Meinung, einige Menschen seien niemand und die Würde des Menschen sei von ganz bestimmten Menschengruppen antastbar, und steht damit nicht auf dem Boden der Demokratie. Sie ist zwar demokratisch gewählt, aber deswegen nicht automatisch demokratisch.