Woche der Meinungsfreiheit: Fragen an Eintracht-Präsident Peter Fischer

"Wir müssen alle Turbolader der Meinungsfreiheit sein"

28. April 2021
von Michael Roesler-Graichen

Eintracht Frankfurt ist Partner der Woche der Meinungsfreiheit. Peter Fischer, Präsident des Fußballvereins, über die Vorbildrolle des Sports, die klare Positionierung gegen Hass und Hetze und das Engagement für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft.

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt

Welche Bedeutung hat der Fußball – und Sport generell – für eine offene Gesellschaft?

Peter Fischer: Der Sport kann natürlich nicht für alles strapaziert werden und macht auch eine Menge Fehler. Man denke nur an die Entscheidung, die Fußball WM 2022 in Katar stattfinden zu lassen. Oder die Pläne für eine Super League. Das ging an den Menschen und Fans vorbei. Sport kann aber eins schaffen: Er kann über Emotionalität und Idole, denen man nacheifert, eine Menge guter Dinge transportieren. Es gibt zahlreiche Geschichten über Männer und Frauen, wie beispielsweise unsere Siebenkämpferin Carolin Schäfer, die faszinieren. In unserem Club gibt es nicht nur Fußball, sondern über 50 Sportarten mit 91.000 Mitgliedern – vom Kinder- bis zum Seniorensport. Ganz wichtig für die Eintracht: Wir sind ein internationaler Verein mit Mitgliedern aus rund 100 Nationen und stehen für eine große Vielfalt. Eintracht Frankfurt kämpft nicht nur gegen Rassismus, Antisemitismus und Homophobie, sondern tritt auch aktiv für die Meinungsfreiheit ein.

Den Sinn für Respekt und Toleranz zu stärken, ist Gegenstand vieler Fanprojekte. Ist der Fußball mit all seinen Akteur*innen auf einem guten Weg?

Peter Fischer: Wir haben es geschafft, Menschen dafür zu begeistern und stark zu machen, dass Rassismus im Sport keine Rolle mehr spielt. Wir sind in unserem Verein eine offene Gesellschaft. Und ich setze mich persönlich dafür ein, den Sport für die Stärkung der Meinungsfreiheit zu nutzen.

Wie sieht der Beitrag der Eintracht für die Woche der Meinungsfreiheit aus?

Peter Fischer: Wir laden zu einer virtuellen Podiumsdiskussion ein und werden auf vielen Kanälen auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit hinweisen. Zudem haben wir gestern die Charta der Meinungsfreiheit unterzeichnet. Dieses Grundrecht ist nicht immer einfach zu verwirklichen, wie man schon im Kleinsten erfahren kann. Was uns sehr bedrückt, ist, dass es so viele Länder mit antidemokratischer Grundeinstellung gibt. Meinungsfreiheit ist immer noch ein extrem rares Gut, wenn man sich auf der Welt umschaut. Es gibt eben auch Meinungen, gegen die man klare Kante zeigen muss, beispielsweise, wenn sich hierzulande rechte Querdenker oder extreme Rechte mit ihren Hassbotschaften auf die Meinungsfreiheit berufen. Wir müssen alle Turbolader der Meinungsfreiheit sein. Der Verein und ich als sein Präsident, wir stehen für eine Meinungsfreiheit, die Grundlage für unser tägliches Miteinander und die Demokratie insgesamt sein kann. Und wir müssen gegen Hass und Diskriminierung stärker auftreten.