Kolumne von Martina Bergmann

Auf die jungen Kolleginnen hören - lohnt sich!

22. November 2021
von Börsenblatt

Auf Wunsch ihrer jungen Kollegin hat Martina Bergmann einen neuen Kollegen: Slackbot! In ihrer Börsenblatt-Kolumne erzählt die Buchhändlerin und Autorin aus Borgholzhausen, warum sich die Einstellung von Slackbot gleich doppelt und dreifach gelohnt hat.

Martina Bergmann, Autorin und Buchhändlerin aus Borgholzhausen.

Hier ist jemand neu. Er heißt Slackbot, und da ich ihn nicht unter Vertrag genommen habe, muss er sich selbst vorstellen. Bitteschön: "Hallo, hier ist Slackbot! Ich bin ein einfacher Bot, der ein paar Aufgaben erledigen kann (eigentlich liefere ich vor allem Anregungen und Erinnerungen)."

Slackbot hat ein lustiges Profilbild, bestehend aus den vier Grundfarben in den Ecken des Icons, und in der Mitte lächelt er. Da die allermeisten Menschen gerade nicht so freundlich sind, hat er direkt bei mir gepunktet. Was ich sonst mit ihm soll, erschließt sich mir erst allmählich. Aber, wie gesagt, ich habe ihn ja auch nicht eingestellt, sondern seiner Beschäftigung zugestimmt, da andere Mitarbeiter:innen das gern wollten.

Es handelt sich um diejenigen Personen, die meine Buchhaltung erledigen, die hier räumen und die ertragen, was der Alltag mit sich bringt: Die Kund:innen mit ihren Anliegen, die Warenfülle und mich, die Betreiberin. Meine Familie, unsere Lust am Streit und sämtliche akademischen Neigungen. Ich bewundere Mitarbeiter:innen, die es länger mit mir aushalten. Wenn solche einen Slackbot möchten, bin ich sofort dabei. Ich hätte auch eine Torte mit sieben Etagen gekauft, ein Firmen-Pedelec, Schuhe mit Blinklichtern - irgendetwas in der Art. Denn ich bin dankbar, dass auch vor dem zweiten Corona-Winter sich hier noch Menschen tummeln, die die Tagesarbeit tun. Slackbot scheint mir ein sehr geringer Wunsch.

Digitaler Kofferträger

Zumal, wie gesagt, er lächelt. Diesen Job erledigt zur Zeit nur noch das zahnlose Baby eines meiner Brüder mit ähnlicher Hingabe. Darüber hinaus bietet er an, meine Arbeit überallhin mitzunehmen wie eine Art digitaler Kofferträger. Installiere ich ihn auf meinem Smartphone, verfüge ich auf der Stelle über einen mobilen Arbeitsplatz. Alles immer bei mir, fast wie bei Apple - nur ohne die Hindernisse und Kosten.

Slack.com funktioniert, glaube ich, so ähnlich wie Zoom bei der Universität. Oder das Miro-Board, wobei es sich um eine Art Pinnwand handelt. Und bestimmt gibt es noch sehr viel mehr Anwendungen. Ich kann mich damit nicht beschäftigen, sie überhaupt nur alle kennenzulernen. Aber wenn der Wunsch besteht, sich auf diese oder jene Weise stärker zu digitalisieren: Warum nicht?

Die Zeiten, wo wir uns als Buchhändler:innen einbilden konnten, wie seien mit einer Homepage, gar einem Online-Shop ganz vorn dabei, liegen Jahre zurück.

Millenials kennen sich aus

Die Zeiten, wo wir uns als Buchhändler:innen einbilden konnten, wie seien mit einer Homepage, gar einem Online-Shop ganz vorn dabei, liegen Jahre zurück. Und noch länger ist es her, dass man jede Woche bedauernd die Schultern hob, wenn jemand um eine Anstellung nachfragte.

Der Buchhandel, so schön wir ihn uns auch verpacken mit Schleifen von Kultur und dem Lametta der Differenz: Es bleibt Einzelhandel. Es ist nicht wahnsinnig attraktiv. Ich kann das nicht grundlegend verändern, aber ich kann nachbessern, kann fragen: Was möchtet Ihr? In anderen Jahren hieß es, wir hätten gern eigene Email-Adressen. Wollen eine Reise zur Buchmesse unternehmen. Sehr regelmäßig muss ich Übersichten meiner Projekte geben, die ich zwar im eigenen Kopf ganz gut sortiere. Aber zum Glück schaut mir da keiner rein. Und jetzt eben eine Plattform, über die wir die Alltagsgeschäfte steuern. In der besten aller Welten würde ich womöglich formulieren, wir optimieren unsere Workflows. Hätte ich Cloud-Lösungen, Schnittstellen und was noch sonst. Als die Technik-Version meiner selbst schriebe ich diese Kolumne nicht im Hinterzimmer einer Buchhandlung in Borgholzhausen. Na ja.

Aber als Arbeitgeberin von Millenials kann ich Ihnen verraten: Die kennen sich aus. Und als die frühere Angestellte eines Chefs, der seine Rechnungen nach der Jahrtausendwende immer noch auf der Schreibmaschine angefertigt haben wollte: Da bin ich weggegangen. Eine Generation später lohnt es sich, würde ich meinen, Neuerungen aufgeschlossen zu begegnen. Fast eine Plattitüde, und dabei will ich es bewenden lassen. Slackbot blinzelt hier nämlich schon länger herum und mahnt zum Einhalten der Deadline. Ein guter neuer Mitarbeiter!