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Unsere Väter

27. August 2026
TONI HECHT

Vier Freundinnen, vier Väter und eine gemeinsame Spurensuche: Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat und Düzen Tekkal erzählen von Herkunft, Exil, Prägung und einer besonderen Väter-Generation.

Cover "Unsere Väter"

Väter und Töchter – das ist eine Beziehung, über die oft gesprochen wird. Das Bild migrantischer Väter ist dabei häufig von Stereotypen bestimmt. Aber: Welche Geschichten stecken wirklich dahinter? Welche Auswirkungen hatten Flucht, Exil und der Neubeginn in Deutschland auf ihr Leben – und auf das ihrer Töchter?

Vier Freundinnen, ein Buch: Die Geschichte ihrer Väter

Diesen Fragen gehen Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat und Düzen Tekkal in ihrem gemeinsamen Buch "Unsere Väter" nach. Die Idee entstand aus ihrer langjährigen Freundschaft: In ihren Gesprächen ging es immer wieder um ihre Väter – um das, was sie ihnen verdanken, aber auch um das, was zwischen ihnen schwierig, unausgesprochen oder widersprüchlich geblieben ist. Nun werden die Väter älter – für die Töchter ein Anlass, genauer hinzusehen, das Gespräch zu suchen, Fragen zu stellen – und über ihre Väter zu schreiben.

Entstanden ist ein kluges, berührendes Buch, das den Blick auf migrantische Väter verändert – und das zeigt, wie Herkunft, Familie und die Geschichten unserer Eltern uns und unser Leben prägen. Immer wieder blitzt darin der Humor der vier Frauen auf: Nachrichten aus ihrem gemeinsamen WhatsApp-Gruppenchat sind in die Kapitel eingestreut – mal nachdenklich, mal witzig kommentieren sie darin ihre Begegnungen und Gespräche mit ihren Vätern.

Düzen Tekkal, Shila Behjat, Natalie Amiri, Minu Barati

Düzen Tekkal, Shila Behjat, Natalie Amiri, Minu Barati

Lebenswege, die beeindrucken

Die vier Männer verbindet eine gemeinsame Erfahrung: Sie flüchteten in jungen Jahren aus dem Iran und der Türkei und bauten sich in Deutschland ein neues Leben auf. Bis heute können sie nicht in ihre alte Heimat zurückkehren. Aber sie engagieren sich politisch für eine Verbesserung der Situation und unterstützen andere Geflüchtete in Deutschland.

Von Kapitel zu Kapitel entstehen die Porträts von vier Männern, deren Lebenswege, ja: Lebensleistungen, beeindrucken. Sie sind von Flucht, Neubeginn und politischem Engagement geprägt. Düzen Tekkal beschreibt sie als "stille Kulturarbeiter, Übersetzer und (informelle) Diplomaten des Global Village".

Über den Willen, in der Welt einen Unterschied zu machen

Ihre Geschichten führen zurück in die Kindheiten im Iran und in der Türkei, zu religiösen und kulturellen Prägungen, zu politischen Erfahrungen, zu Erfolgen und Zurückweisungen. Vor allem aber zeugen diese Geschichten von dem unermüdlichen Willen, Verantwortung zu übernehmen und in der Welt einen Unterschied zu machen – für Familie, Freunde und auch für Fremde. Alle vier unterstützten ihre Töchter und ermöglichten ihnen Freiheiten, die für diese Generation nicht selbstverständlich waren.

Wie ihre Väter haben auch die Töchter viel gemeinsam: Als Journalistinnen, Autorinnen, Filmemacherinnen und Aktivistinnen setzen sie sich auf unterschiedliche Weise mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinander. Neben der ähnlichen Migrationsgeschichte verbindet auch sie der Wille, gesellschaftlich etwas zu bewegen, eine eigene Spur zu hinterlassen. Dieses Buch ist ein weiterer Schritt auf ihrem Weg.

"Unsere Väter" ist eine Liebeserklärung. Gleichzeitig erzählen die Autorinnen nicht von idealisierten Vorbildern, immer wieder schauen sie auch kritisch auf die Beziehung zu ihren Vätern. Die große Offenheit und Hilfsbereitschaft etwa, die Natalie Amiri an ihrem Vater anderen Menschen gegenüber erlebt, bedeutete zugleich, dass sie sich als Kind selbst wenig gesehen fühlte. Dasselbe gilt für Düzen Tekkal. Sie alle sind Töchter, die sich früh nach mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung sehnten – und die dann selbst beeindruckende Lebenswege einschlugen. In der gemeinsamen Spurensuche mag für die Töchter auch etwas Heilsames gelegen haben: im differenzierteren Blick auf ihre Väter und in der Erkenntnis, dass Liebe manchmal anders gezeigt wird, als wir es uns vielleicht gewünscht hätten.

Gruppenbild Unsere Väter

"Wir sind Vätertöchter"

"Wir sind Vätertöchter", heißt es in "Unsere Väter". Das Buch ist eine Einladung, den Geschichten dieser vier Töchter und ihrer Väter zu folgen – und dabei auch die eigene Vaterbeziehung noch einmal neu zu betrachten. Denn oft begreifen wir uns selbst besser, wenn wir die Geschichte unserer Eltern verstanden haben.

 

Unsere Väter
Natalie Amiri, Minu Barati, Shila Behjat, Düzen Tekkal
24,00 € (DE)
ISBN 978-3-446-28487-6
288 Seiten
ET: 15.09.2026
Hanser Verlag

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