Das sagen Buchhändler

Bücher: Siegel, Schutzfolie oder unverpackt?

Seit Jahren wird in der Buchbranche über Sinn und Unsinn des Einschweißens von Büchern diskutiert: Als Grund für die Folie werden Kundenwünsche und der Schutz vor Staub und Beschädigung angeführt, aber auch Foliengegner haben starke Argumente. Eine aktuelle Börsenblatt-Umfrage zeigt erneut: Der Handel lehnt die Schutzfolie weitestgehend ab. UMFRAGE: KAI MüHLECK

Der neue Neuhaus-Titel - ohne Folie, mit Klebeklammer

Der neue Neuhaus-Titel - ohne Folie, mit Klebeklammer © Ullstein

Wie berichtet, gehen die Verlage der Bonnier-Gruppe nun beim Hardcover voran. Statt Schutzfolie soll es eine Papierbanderole als "Frischesiegel" geben.

Hartmut Falter

Hartmut Falter © Mayersche Buchhandlung

Hartmut Falter, Geschäftsführer der Mayersche Buchhandlung

„Natürlich muss der Leser sich erst einmal daran gewöhnen. Die Idee des ‚Frischesiegels‘ um das Buch für den Kunden weiterhin gut geschützt und in einem tadellosen Zustand anbieten zu können, halten wir für eine sehr kluge Entscheidung. Wir werden diese Initiative positiv begleiten und unterstützen.“

Sonja Lehmann, Buchhandlung Bücherwurm in Borken

„Wir sollen keine Plastiktüten an die Kunden geben - aber unsere Bücher (manchmal auch die Taschenbücher) sind in Folien verpackt? Es wird endlich Zeit, Zeichen zu setzen!“

Melena Renner, Buchhandlung Dr. Schrenk in Gunzenhausen

Melena Renner, Buchhandlung Dr. Schrenk in Gunzenhausen © Buchhandlung Dr. Schrenk

Melena Renner, Buchhandlung Dr. Schrenk in Gunzenhausen

„Ganz persönlich versuche ich seit langem auf Plastik zu verzichten, bzw. den Verbrauch deutlich zu reduzieren und habe auch viele Kunden, die sich sehr darum bemühen, ihren Alltag so plastikfrei wie möglich zu gestalten. Daher ist die Folierung der Bücher mehrmals wöchentlich Grund für Diskussionen hier im Laden mit dem Ergebnis, dass ein Großteil meiner Kunden gerne auf die Folie verzichten würde. Natürlich habe ich auch jene Kunden, die ganz gezielt nach den folierten Büchern greifen, im Extremfall sogar eine Neubestellung fordern. Gerade diese Kunden könnte man meiner Meinung nach aber durchaus lenken, wenn sich Buchhändler und Verlage auf den kompletten Verzicht der Folie einigen würden!

Ich könnte noch viele weitere Anekdoten aus dem Buchhandlungsalltag zu diesem Thema beisteuern, aber letztlich ist es für mich eine Chance ein Umdenken einzuleiten, wenn nun erste Verlage auf die Folie verzichten. Absurd finde ich es in diesem Zusammenhang, wenn nun auch schon einige Taschenbücher in Folie verpackt hier ankommen! Gerade an den Taschenbüchern sieht man doch, dass die einheitliche ‚Unverpacktheit‘ funktionieren kann!“

Beate Sturmeit

Beate Sturmeit © privat

Beate Sturmeit, Buchhandlung Janssen in Bochum

„Die Abschaffung der Folien finde ich an sich gut. Allerdings sollte dann auch auf den Schutzumschlag verzichtet werden. Der ‚Tanz zur Musik der Zeit‘ von bei Elfenbein oder auch die Longlist nominierte Banciu bei PalmArtPress machen vor, dass es möglich ist, ansprechende Cover auch ohne Umschlag zu gestalten. Denn die würden ohne Folie wenn nicht schon beim Transport so doch spätestens durch unachtsame Handhabung früher oder später arg in Mitleidenschaft gezogen werden und dann wäre ein Verkauf wirklich schwieriger.

Ja, manche Kunden bevorzugen eingeschweißte Bücher. Aber im Sinne des Umweltschutzes sollten und müssen sie sich vielleicht dran gewöhnen. Mit den Tüten hat es auch geklappt. Erstaunlich schnell sogar.“

Katrin Schmidt, Buchhandlung Lesezeichen in Germering

Katrin Schmidt, Buchhandlung Lesezeichen in Germering © Buchhandlung Lesezeichen

Katrin Schmidt, Buchhandlung LeseZeichen in Germering

„Ich begrüße es sehr, dass sich die Verlage endlich trauen, diesen Weg zu beschreiten, das war längst überfällig. Ich würde mir das auch bei Bildbänden und Kochbüchern wünschen, da hier im Verkauf der Schutzumschlag wirklich oft hinderlich ist. Einmal ‚entschweisst‘ kauft kaum ein anderer Kunde noch das Buch. Laminierte Pappbände (gerne veredelt) wären hier eine super Lösung. Hoffentlich folgen hier noch viel mehr Verlage diesem Beispiel, das wäre ein weiterer Schritt in die richtige Richtung zum Eindämmen der Plastikwut. Wenn ich noch einen Wunsch an die Non-Book-Verlage äußern dürfte: auch hier könnte man bei der Verpackung VIEL Plastik einsparen, was leider noch viel zu selten geschieht. “ 

Silke Gutowski

Silke Gutowski © privat

Silke Gutowski, Buchhandlung Memminger in Bremerhaven

„Unsere neue Chefin Anne von Bestenbostel besteht seit der Übernahme der Buchhandlung vor knapp einem Jahr darauf, dass von jedem Buch ein uneingeschweißtes Exemplar im Laden vorhanden ist. Meine Kollegin und ich waren äußerst skeptisch. Es stellte sich heraus: den Kunden fällt es entweder nicht auf oder es ist ihnen nicht wichtig, ein in Folie verpacktes Buch zu erstehen. Einige greifen bei Stapeln nach einem eingeschweißten Buch, die meisten nehmen das zu oberst liegende offene oder das offene, das sie gerade angeschaut haben.
Kinder- und Taschenbücher werden ja gar nicht oder sehr selten foliert.
Eine Problematik sehe ich in der Entwicklung der Versandverpackungen. Distribook (die Auslieferung gerade der Ullsteinverlage) ist ein geradezu schreckliches Beispiel: Seit einer Verpackungsumstellung wird der ganze Inhalt eines Paketes in Folie geschweißt und wenn ich Fotos von aus der Druckerei gelieferten Bücherpaletten mehrfach in Plastik umwickelt sehe, frage ich mich, ob das wirklich so sein muss.
Uneingeschweißte Hardcover sind ein kleiner, längst fälliger Schritt, aber das große Umdenken in Richtung Plastkverzicht muss folgen. Und zwar schnell!“

Klaus Kowalke, Inhaber der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur in Chemnitz

Klaus Kowalke, Inhaber der Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur in Chemnitz © Christoph Künne

Klaus Kowalke, Buchhandlung Lessing und Kompagnie in Chemnitz

„Eine sehr gute Nachricht! - Das "Frischelabel" ist meines Ermessens nicht unbedingt notwendig. Notwendig wird allerdings ein sicherer Transportmodus in der Logistikkette. Stichworte ‚staubfeier Lagerplatz‘ (Palettenlagerung/Hochregal) und ‚Transportschutz‘ (Einzelexemplare in Bücherwannen). Kleine Qualitätsmängel am Schutzumschlag (siehe USA, England, etc.) sind hinnehmbar. Ich freue mich auf Bücher ohne Folie! Nebeneffekt, wenn denn das Frischelabel auch nicht wäre: Man könnte endlich in jedes Buch hineinblättern, auch wenn nur Einzelexemplare in der Buchhandlung vorhanden sind.“

Susanne Lux

Susanne Lux © privat

Susanne Lux, Buchhandlung Nimmerland in Mainz

„Ich bin sehr dafür, die furchtbaren Folien wegzulassen. Bei uns wird sowieso jedes Buch sofort ‚enthüllt‘. Aber was soll dieses unsägliche Siegel? Damit hole ich mir doch nur wieder neue Kundendiskussionen ins Haus. Ein Buch braucht kein ‚Frischesiegel‘!“

Monika Kempf, Bücher Dörner Wiesloch und Walldorf

„Definitiv weglassen. Wir haben auf unserer Facebook-Seite auch eine Umfrage zum Thema laufen. Im Moment 37 Stimmen: 34 möchten auf Folie verzichten.“

Gerburg Schaller

Gerburg Schaller © Buchhandlung Lesen und mehr

Gerburg Schaller, Buchhandlung Lesen und mehr in Hude

"Bücher immer ohne Folie! Unsere Kunden freuen sich darüber, dass sie ungehindert in den Büchern blättern und schmöckern können. Da würde also auch eine Banderole stören. Bücher sind keine Biogurken, die gegen Umwelteinflüsse geschützt werden müssen, Bücher blühen in der buchliebenden Umwelt auf! Schützen wir sie vor der unnützen Folie! Und nebenbei tun wir alle etwas für die Umwelt - unser Umwelt."

Auf boersenblatt.net läuft aktuell eine Umfrage zum Thema Schutzfolie ja oder nein? Dort hat die Folie mehr Anhänger: Nur 50 Prozent der Teilnehmer stimmten aktuell (Stand 16. Oktober 17:30 Uhr) für die Abschaffung. Pro Folio äußerten sich 25 Prozent - ein weiteres Viertel äußert sich unentschlossen. Jetzt noch mitabstimmen!

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1 Kommentar/e

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  • W. Arndt Bertelsmann

    W. Arndt Bertelsmann

    Es ist letztlich eine wirtschaftliche Entscheidung der beteiligten Kaufleute vulgo Verlage, Buchbindereien, Logistikunternehmen, (Groß-) Buchhandlungen. Vermutlich gibt niemand "unnötig"Geld für Plastikfolie und den Einschweißprozess aus, ohne sich davon einen Nutzen zu versprechen. Der Nutzen liegt in der Senkung der Quote der unverkäuflichen Ware. Die Ware - hier Bücher - durchläuft viele logistische Stationen und damit viele Hände/ Greifer/ Rollbahnen/ Kisten/ Regalfächer. Es lauern Fingerabdrücke, Staub und Kratzer, die zumindest manche Käufer:innen stören. Aber richtig, auch das Entfernen und Entsorgen von Folie kostet Arbeitszeit.

    Die Schutzfolie einzusparen, heißt mögliche Mehrkosten durch aufwändigeres Handling und Ausschuss (Bücher ins Altpapier oder Rabatt für Mängelexemplare) kalkulatorisch in Betracht zu ziehen. Es gibt kein einfaches Gut oder Schlecht. Ein Siegel schneidet bei dieser Erwägung eher schlechter ab, weil zumindest die Schutzfunktion fehlt.

    Dass Bücher auf Paletten gesichert werden, ob mit Stretchfolie oder mit anderen Materialien, ist neben dem Schutz gegen Verderb auch der Unfallverhütung und der Verkehrssicherheit geschuldet (Ladungssicherung).

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