KNV-Insolvenzverwalter Tobias Wahl im Interview

"Sehr hohe Sicherheit für die Verlage"

Wie sicher ist es, dass die Verlage ihr Geld bekommen? Was passiert mit den KNV-Webshops? Wann und wie informiert das insolvente Unternehmen seine Kunden über die Entwicklung des Geschäftsbetriebs? Darüber gibt der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl im Interview Auskunft. INTERVIEW: CHRISTINA SCHULTE

Tobias Wahl

Tobias Wahl © anchor

Wie sicher sind mittlerweile die Lieferungen der Verlage an KNV? Gehen Sie davon aus, dass Sie alle Masseverbindlichkeiten wie zugesagt vertragsgerecht zahlen können und KNV auch während des Insolvenzverfahrens umfassend lieferfähig sein wird?
Das Amtsgericht Stuttgart hat mich am 20. Feburar bei der KNV und der KNO VA zum ‚starken‘ vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das bedeutet, dass die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis von KNV auf mich als vorläufigen Insolvenzverwalter übergeht. In dieser Rolle kann ich nun sogenannte Masseverbindlichkeiten begründen. Forderungen, die ab diesem Zeitpunkt von den Verlagen entstehen, sind Masseverbindlichkeiten und werden gegenüber alten Forderungen (Insolvenzforderungen) vorrangig beglichen. Damit erhalten alle Lieferanten und Verlage, die KNV nun beliefern, eine sehr hohe Sicherheit, dass ihre Rechnungen auch bezahlt werden. Die mittel- und langfristige Lieferfähigkeit ist gerade für die KNV-Gesellschaften unverzichtbar, da deren Geschäftsmodell damit verbunden ist. Daher ist die nunmehr eingetretene Sicherheit bei den Verlagen ein wichtiger Schritt für die Stabilisierung und Fortführung der KNV-Gesellschaften.

Wie geht es mit den KNV-Webshops der Buchhändler weiter?
Die KNV-Webshoplösung E-Commerce Solutions (ECS) wird unverändert weitergeführt. Neue Services und Funktionen, wie beispielsweise die optionale Integration der Spiegel-Bestsellerlisten und das zentrale Content Management für die MENSCH Buchhandlungen, stehen ab sofort zur Verfügung. 

Wo gibt es gerade schwierige Punkte, an denen Buchhändler und Verleger Sie unterstützen können?
In der aktuellen Situation können uns Buchhändler vor allem unterstützen, indem sie weiterhin bei uns bestellen und wenn möglich den Bezugsanteil bei KNV sogar erhöhen. Durch die Umstellung der Kontoverbindung kam es hier und da zu einem verzögerten Zahlungseingang. Ein schneller Zahlungseingang, also Liquidität, ist jedoch in der jetzigen Lage sehr wichtig. Deshalb arbeiten wir auch daran, dass wieder schnellstmöglich ein Bankeinzug möglich ist. Die bestehende Einzugsermächtigung für die bisher gültige Bankverbindung sollte auf keinen Fall gekündigt werden. Unsere Kunden helfen uns bereits seit Beginn der Insolvenz mit ihrer Solidarität und Geduld. Dafür sind wir sehr dankbar. Verlage und Auslieferungen unterstützen uns am meisten, wenn sie die Belieferung zu bisherigen Konditionen wiederaufnehmen. Bei einzelnen Themen bitten wir auch weiterhin um ein wenig Geduld, bis wir wieder zu standardisierten Prozessen zurückkehren können, wie zum Beispiel bei der Remissionsbearbeitung.

Wie werden Sie die Buchhändler und Verleger weiter informieren, etwa zum Thema Remissionen?
Wir stehen mit dem Börsenverein in einem ständigen Kontakt und vervollständigen nach und nach die FAQ-Liste mit weiteren Antworten. Zudem erhält jeder Kunde noch in dieser Woche weitere Informationen per Brief oder E-Mail. Damit wir zeitnah über Neuigkeiten informieren können, ist eine Informationsversorgung über die Seite des Insolvenzverwalters und parallel über die Webseiten der KNV Gruppe geplant.

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3 Kommentar/e

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  • Kleinverlag

    Kleinverlag

    "Sehr hohe Sicherheit für die Verlage"

    Es gibt eine sehr hohe Sicherheit, dass die Verlage das Geld für die unbezahlten Bücher vom Weihnachtsgeschäft nicht mehr bekommen.

    Die Überschrift dieses Artikels empfinde ich als einseitig, manipulativ und als Provokation gegenüber den Verlagen, die sehr viel Geld verloren haben.

    Welches Bild soll hier vermittelt werden? Das alles wieder gut ist?

    Der Insolvenzverwalter hat bis heute nicht auf die Fragen vieler Auslieferungen und Verlage geantwortet, jede Frist einfach unbeantwortet verstreichen lassen.
    Keine Auskunft zu den dort noch lagernden, unbezahlten Büchern gegeben.

    Was kann der Insolvenzverwalter für die Verlage also tun? Diese Frage sollte auch gestellt werden, denn hier fehlen viele Antworten und den Verlagen soll jetzt nicht auch noch für die weitere Lieferung zu, für viele Verlage nicht annehmbaren Konditionen des Insolvenzverwalters, der schwarze Peter zugeschoben werden.



  • Jan Weitendorf von Hacht

    Jan Weitendorf von Hacht

    Was bedeutet KNV-Gruppe / KNV-Gesellschaften - ein Organigramm wäre hier hilfreich.
    Die Überschrift: "Sehr hohe Sicherheit für Verlage" ist irreführend. Die Verlage haben durch die Insolvenz von KNV für einen Zeitraum von mehreren Monaten bisher keine Gelder erhalten. Auch wenn die Forderungen abgeschrieben wurden, bestehen diese gegenüber der Insolvenzmasse weiterhin. Diese Forderungen sind alles Andere als sicher. Wenn es um Sicherheit geht, dann nur um das Geschäft nach der Insolvenz!
    Wie sicher ist es, dass Verlage ihr Geld bekommen, ist in diesem Zusammenhang klar die falsche Frage...

  • Klaus-Peter Stegen

    Klaus-Peter Stegen

    Das ein Insolvenzverwalter nicht binnen Wochenfrist alle Anfragen beantworten kann, muss man leider verstehen.
    Vollkommen unklar ist aber, warum in so kurzer Zeit ein „ starker Verwalter“ bestellt wurde? Ist es ein Indiz für Fehlverhalten im Unternehmen oder Unternehmensteilen?
    Wie ist die Situation der Kommittenten der VA jetzt und im Falle eines Scheiterns der Bemühungen? Und sicher ist in der jetzigen Phase leider nichts, auch wenn der Wunsch danach vorhanden ist.

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