Die Sonntagsfrage

"Ist das Modell der Buchkette am Ende, Herr Riethmüller?"

James Daunt glaubt nicht an herkömmliche Filialkonzepte. Die Zukunft gehöre individuell geführten Buchhandlungen, sagte der Chef der britischen Kette Waterstones dem Börsenblatt. Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller sieht das anders.

Christian Riethmüller

Christian Riethmüller © Steffen Sixt

Was ist eine Buchkette? Ist Ravensbuch eine regionale kleine Buchkette? Reuffel? Greuter? Ab wann ist man das? Hängt das von der Zahl der Filialen ab? Sind wir eine Buchkette, obwohl unsere 60 Buchhandlungen alle unterschiedlich sind? Für mich ist die Frage falsch gestellt.

Die Frage muss sein: Welche Konzepte haben in Zukunft im Buchhandel noch Erfolg? Das ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich und auch vom Wettbewerb vor Ort abhängig. In manchen Städten ist der kleine inhabergführte Laden die Lösung, in anderen die x-te Osiander Buchhandlung. Das kann man pauschal nicht sagen. Wichtig ist, dass auch die Läden eines Filialisten sich an die Bedürfnisse der Stadt und der Kunden vor Ort anpassen. Die neuen Buchhandlungen der Kette Osiander in Bühl, Achern, Stuttgart Marktplatz, Lörrach, Sonthofen etc., etc. laufen sehr gut. Warum? Weil wir jeweils individuelle Konzepte haben. Und den Invest für hochwertige Konzepte können größere Filialisten oft besser stemmen.

"Alle profitieren"

Am besten funktioniert unser neues Konzept, wenn der örtliche Buchhändler an uns verkauft, wir umziehen in bessere Lage, in einen grösseren Laden mit hochwertiger Einrichtung. Dann passen Ambiente und Angebot, dazu die Mitarbeiter vor Ort, der ehemalige Inhaber als Filialleiter, der Umsatz verdoppelt sich gegenüber früher, und alle sind glücklich. Die Kunden, weil das Angebot und der Laden schöner ist, und die Mitarbeiter erhalten bleiben, die Mitarbeiter, weil sie einen sicheren gut bezahlten Arbeitsplatz haben und der ehemalige Inhaber, weil er weiter die Verantwortung für den Laden und dazu ein sicheres, gutes Gehalt ohne Risiko hat.

Die Buchbranche profitiert auch, weil mehr Menschen Zugang zum Lesen bekommen und nicht so viel Umsatz an Amazon fließt. Auch die Stadt gewinnt, weil ein toller neuer Laden entstanden ist, der die Attraktivität der Innenstadt erhöht. Ach ja, Osiander ist natürlich auch zufrieden, weil alle glücklich sind und unsere Marke in Süddeutschland gestärkt wurde... Das nennt man dann eine Win-Win-Win-Situation!

Hier geht es zum Interview mit waterstones-Chef James Daunt!

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5 Kommentar/e

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  • Adelheid Flügel

    Adelheid Flügel

    Ich bin sehr viel in Baden Württemberg unterwegs und besuche daher oft Osiander Filialen. Ob das nun in Stuttgart, Waiblingen, Überlingen, Calw oder Schwäbisch Hall ist, das Sortiment ist Mainstream und austauschbar. Selbstverständlich gibt es eine minimale regionale Ecke, aber nichts, was mich als Vielleserin ,animieren würde zu kaufen. Ich finde in einer kleinen, inhabergegführten Buchhandlung mit dem Bruchteil der Fläche mehr Angebote, die mich ansprechen, als bei Osiander. Von daher muss ich Herrn Riethmüller heftig widersprechen.

  • Kunde

    Kunde

    Ist doch interessant, dass das Börsenblatt dazu ein Foto wahrscheinlich von der Eröffnung der Stuttgarter Filiale abdruckte. Da sind ja richtige Schlangen vor der Türe...

  • Gast

    Gast

    "Am besten funktioniert unser neues Konzept, wenn der örtliche Buchhändler an uns verkauft, wir umziehen in bessere Lage, in einen grösseren Laden mit hochwertiger Einrichtung. Dann passen Ambiente und Angebot, dazu die Mitarbeiter vor Ort, der ehemalige Inhaber als Filialleiter, der Umsatz verdoppelt sich gegenüber früher, und alle sind glücklich." --- Na, wenn das immer so einfach geht....

  • Bernhard Driehaus

    Bernhard Driehaus

    Es ist ja alles richtig und für Osiander auch notwendig, was Herr Riethmüller ausführt. Ich als Oldtimer gebe jedoch holzschnittartig folgendes zu Bedenken: Die Wirtschaftsmacht des konzentrierten Einkaufs dieser oder anderer Filialketten gegenüber den Verlagen, insbesondere den kleinen und mittleren Verlagen, führt zu weiteren Konzentrationen im Verlagsbereich. Ergo wird das Literaturangebot ausgedünnt. Darunter leidet die gesamte Branche, denn das kulturelle Angebot, geschützt durch die Preisbindung, wird geringer. Die Filialisten kaufen bei den Verlagen direkt ein, dadurch verringert sich der Umsatz in den Barsortimenten. Und jede übernommene oder geschlossene Buchhandlung verringert daher den Umsatz in den Barsortimenten und als Folge entsteht auch weniger Geschäft im Bereich Bücherwagen. Auf die Vereinheitlichung des Buchangebots in Filialketten möchte ich nicht eingehen. Von einer "Win-Win-Win" Situation für die Branche kann also m.E. nicht gesprochen werden. Dies gilt wahrscheinlich ausschließlich für die Filialisten, ich wage zu behaupten auch oft nicht für die übernommenen Sortimente. Auch haben Selbstverlage und Newcomer kaum noch eine Chance. Und das wäre wichtig, um ein abwechslungsreiches und zukunftorientiertes Buchangebot zu festigen oder zu entwickeln.

  • Buchhändlerin

    Buchhändlerin

    Sehr geehrter Herr Driehaus, vielen Dank für Ihren durchdachten Kommentar. So sehe ich das auch. "Win-Win-Win"- Situation wirkt für mich wie ein Schlag ins Gesicht für Buchliebhaber, die die bunte Vielfalt feiern und für alle inhabergeführten Buchhandlung wie eine Verhöhnung.

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