Die Sonntagsfrage

Was kann der Buchhandel für die Flüchtlingshilfe tun, Herr Ruhenstroth-Bauer?

Bücher über Flucht und Vertreibung findet man in jeder gut sortierten Buchhandlung. Jetzt sollen sie ganz nach vorne in die Schaufenster und Auslagen – im Rahmen einer Kooperation zum Weltflüchtlingstag. Wie Bücher Brücken bauen können, erklärt der Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe Peter Ruhenstroth-Bauer.

Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe

Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe © Jim Rakete

Alle zwei Sekunden flieht ein Mensch, mehr als 68 Millionen Menschen waren es im letzten Jahr und jeder zweite davon ist ein Kind. Und über allem steht: Niemand flieht freiwillig. Das sind viele Zahlen, aber noch viel wichtiger, viele Menschen. Hinter jedem dieser Menschen steht eine Geschichte und Bücher erzählen sie. Das ist das Motto der gemeinsamen Aktion anlässlich des Weltflüchtlingstags 2019. Zusammen mit den Buchhandlungen wollen wir bundesweit an das Schicksal der Millionen Geflüchteten weltweit erinnern. Dabei wollen wir mit dem Medium Buch, das einerseits gut fundierte Fakten liefert und andererseits authentisch Fluchtschicksale schildert, vor allem auch zur Versachlichung der aktuellen Flüchtlingsdiskussion in unserem Land beitragen.  


Hingehen, wo die Menschen sind:
In den Buchhandlungen treffen sich Alt und Jung, Science-Fiktion und Liebesroman-Fans, politisch Interessierte und Uninteressierte. Bücher können Brücken bauen zwischen verschiedensten Menschen, Weltanschauungen und vor allem zwischen gefühlter Wirklichkeit und den Fakten. In Zeiten teils emotionalisierter und sprachlich verrohter Debatten brauchen wir belastbare Fakten und konkrete Fluchtschicksale, die uns wieder näher an Werte wie Empathie, Humanität und Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit heranbringen.

Wir stehen in der Pflicht Europa an seine eigene Fluchtgeschichte zu erinnern. An die Millionen von Menschen die während des 2. Weltkrieges ihr Zuhause verloren hatten oder geflüchtet waren, und Hilfe erhielten. An die Fluchtgeschichten aus der DDR. Denn wer keine Perspektive mehr sieht oder sich und die Familie in Sicherheit bringen muss, ist geflohen und wird fliehen. Auch, wenn die Flucht noch so gefährlich ist. Auch wenn es bedeutet ein Meer in einem Schlauchboot zu überqueren mit der Gewissheit nicht schwimmen zu können. Seit 2014 sind laut UNHCR knapp 18.000 Menschen bei dem Versuch über das Mittelmeer zu fliehen, ertrunken oder verschwunden. Die Dunkelziffer liegt unendlich viel höher. Damit ist das Mittelmeer – mare nostrum – unser aller liebstes Urlaubsziel, die tödlichste Grenze Europas geworden.

Bücher können diese Tragödien nicht verhindern. Aber sie können aufklären, teilhaben lassen, uns bewegen und uns motivieren sich zu engagieren: eben Brücken bauen über Meere, Kontinente und Schicksale hinweg.  Der Buchhandel kann eine Menge für die Flüchtlingshilfe tun, in dem er die Menschen mitnimmt und über seine Bücher wachrüttelt.

Mehr Informationen zur gemeinsamen Aktion von Börsenverein und UNO-Flüchtlingshilfe finden Sie hier!

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