Libris neue Lagerstrategie

Kleinere Verlage beklagen Auslistung

Der Fakt ist nicht neu, bereits vor einigen Monaten hat Libri sein etwa eine Million Titel umfassendes Lager durchkämmt und alle Bücher, die sich in den vergangenen ein bis zwei Jahren nicht ein einziges Mal verkauft haben (rund 180.000 Titel), ausgelistet, sagte Libri-Chef Eckhard Südmersen auf Anfrage. Zielgröße seien 850.00 Titel. Die Verlage, vor allem kleinere, deren Titel ausgelistet wurden, merken das jetzt einerseits an mangelnder Sichtbarkeit, andererseits am Remissionsaufkommen. CHRISTINA SCHULTE

Libri-Lager in Bad Hersfeld

Libri-Lager in Bad Hersfeld © Libri

Eckhard Südmersen, Libri

Eckhard Südmersen, Libri © Libri

"Wir haben im vergangenen Jahr ein starkes Wachstum im sogenannten „Middletail“ (das sind Titel, die im Ranking zwischen Position 400.000 und 800.000 stehen) registriert", so Südmersen. Auch dafür sei dieser Platz benötigt worden, das Lager weiter zu vergrößern hätte Libri jedoch nicht gekonnt. Südmersen verweist aber auch auf die Handlingskosten, die Libri für jeden einzelnen Titel allein getragen habe, etwa die Artikelidentifikation, Datenmanagement, Lagerung und Transport.

Björn Bedey

Björn Bedey © privat

Die ausgelisteten Verlage beklagen jetzt vor allem, dass sie für den Buchhandel weniger sichtbar seien, so Björn Bedey, Mitglied im Sprecherkreis der IG Unabhängige Verlage (IGUV) im Börsenverein. Gleiches gelte für den Onlinehandel, dort würden die Titel bei den meisten Anbietern gar nicht mehr erscheinen. Außerdem habe die Zahl der Remissionen schlagartig zugenommen. Eine ausführliche Stellungnahme der IGUV lesen sie hier

Südmersen hat Verständnis für die Belange der Verlage, sagt aber auch: "Unsere Aufgabe ist es, den Handel in der Breite optimal zu versorgen. Der Versuch, nahezu alle Titel anzubieten, hat nicht überall zu Absatz geführt." Libri sei eben auch ein Händler, bei dem es nur Sinn mache, Titel zu führen, die sich auch verkaufen. Sein Unternehmen gebe immer noch den meisten Titeln eine Chance, weil es von allen Barsortimenten am breitesten aufgestellt sei. "Wir listen jede relevante Novität aus dem deutschen und internationalen Buchmarkt." Die Vormerkungen würden dann entscheiden, ob der Titel eingekauft werde oder nicht.

Zudem bestünde für die Verlage die Möglichkeit, ihre Titel kostenlos bei BOD listen zu lassen, die dann auch wieder besser sichtbar und leicht bestellbar würden. Libri plant Südmersen zufolge derzeit die BOD-Produktion Wand an Wand in Bad Hersfeld aufzubauen, der Bauantrag sei bereits eingereicht, der Spatenstich wird vor Weihnachten erwartet. "Im nächsten Schritt werden wir mit dieser Anbindung mehr als fünf Millionen Titel über Nacht liefern können", kündigt der Libri-Chef an.

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5 Kommentar/e

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  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Wichtig ist jetzt, dass LIBRI allen Beteiligten offen erklärt, nach welchen Kriterien gestrichen wurde. Wenn ein Titel sich innerhalb der genannten ein bis zwei Jahre nicht ein einziges Mal gedreht hatte, so ist dies ein gewichtiges Argument. Wenn der IGUV den Eindruck hat, dass da auch andere Algorithmen oder Gegebenheiten am Werk waren, so gilt es, dies seitens LIBRI schnell zu klären. Die Transparenz zu den Verlagen und auch zu den Buchhändlern scheint zumindest miserabel zu sein, wenn vorab dieser Aktion keiner der Beteiligten von einer Reduktion von 1.000.000 auf nun 850.000 Titel erfährt. Und der Verweis auf die Möglichkeiten des BOD ist im Zuge dessen aktuell auch nur lahmer Zock.

    Aber im Gegensatz zum seit Jahren von vielen großen Verlagen konditionsmäßig gepamperten und mit der Wette auf die Zukunft von sehr geduldigen Geldgebern versorgten AMAZON muss ein Unternehmen wie LIBRI halt drauf schauen, dass sich die ganze Kiste als Großhändler irgendwie noch rechnet.

    Man mag von Martina Bergmanns Kommentaren und besonders auch von den Schlussfolgerungen viel, wenig oder gar nichts halten. Aber eventuell ist die Disruption des deutschen Buchhandels doch ein wenig weiter fortgeschritten, als viele von uns dies gerne glauben möchten. Was man draus macht und wie man damit umgeht, dies steht auf einem anderen Blatt und da zählt ganz besonders (siehe oben) doch ein Fünkchen mehr an Offenheit im Spiel mit den Karten zwischen Verlagen, Grossisten und Sortiment dazu.

    Jens Bartsch – Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

  • Antonia Bertschinger

    Antonia Bertschinger

    Ich bin sehr froh über diesen Artikel. Als Kleinverlegerin bin ich direkt von dieser Massnahme betroffen, wurde aber bisher kaum informiert. Ich möchte mich deshalb der hier auch schon geäusserten Bitte nach Transparenz anschliessen: Liebe LIBRI, bitte informieren Sie die Verlage, die sich auf Ihre Dienstleistung verlassen, und zwar frühzeitig.

  • Klaus Jans

    Klaus Jans

    DREI ANMERKUNGEN

    1. Remissionen (exakt zu unterscheiden von den Für-Immer-Auslistungen von Titeln, auch wenn diese dann auch natürlich meist mit Remissionen einhergehen) sind für Verlage wie MINUS-Verkäufe, denn man zahlt via Buchauslieferungsgebühren für jede Auslieferung Handlings-Gebühren an seine Buchauslieferung ... und für jede Remission eines Buches dann nochmals wieder Gebühren, die extra Remissionsannahmegebühren. Mit vielen Remissionen kann man kleinere Verlage also direkt in die Finanzmisere treiben. Denn es entstehen so richtige Verluste, selbst wenn die Bücher vollkommen unbeschädigt vom Barsortiment zurückgelangen.

    2. Eine "feine Besonderheit" bei Libri ist, dass diese totalen und endgültigen Auslistungen aus dem Lager und dem Sofort-Lieferbar-Bestand (und damit aus vielen Katalogen, Terminals und via-Libri-Daten agierenden Online-Shops – die Bücher tauchen dann gern gar nicht mehr da auf) nicht mitgeteilt werden. Der Verlag selber soll also durch ständiges "Nachforschen" in diversen Katalogen ermitteln, ob das Papierbuch oder die Audio-CD oder was immer an Haptischem da und dort eigentlich noch erfasst ist. Dieses Libri-Auslistungs-Gebahren ohne Information an den Verlag hat nichts mit einer "redlichen Geschäftsbeziehung" zu tun, wie man sie generell, und gerade in der Buchbranche (dazu die mögliche, aber ja offensichtlich leider falsche Denke: Wort, Geist, Intellekt ... ergeben Charakter, Anstand, Stil) erhoffen und erwarten würde. Das ist aus meiner Sicht eine Form von monopolistischer Demütigung und Nicht-Ernstnahme von Verlagen.

    3. Titel, die als "nicht lieferbar" gelten oder ein "Fragen Sie direkt beim Verlag nach" vom Buchhändler erfordern, werden überdeutlich auf ein Abstellgleis geschoben. Da ändert auch ein VLB nichts dran, wenn man weiß, wie Buchhandel heutzutage real immer mehr funktioniert. (Ein Lob auf die kleinen Sortimenter, wenn/falls sie jedes Buch lange und fürsorglich nachgucken und es in einen Bestellvorgang bringen!) – Viele Menschen aber suchen sich ihre Bücher ganz anders zusammen und betreten den kleinen Buchladen gar nicht mal mehr. Lieber kaufen sie bei Buchketten vieles von der (Paletten)Auslage. Und natürliches sehr vieles im Netz. Solchen Käuferinnen und Käufern geht es dann um digitale Angebotsketten, Empfehlungen, Verweise, Klicks und ein "erkennbares Vorhandensein" der Dinge, also auch der Bücher. Alle anderen digital nicht dargestellten Titel verschwinden dann im Orkus des allgemeinen Vergessenwerdens. Dabei wären ja auch Lieferketten von 3, 7, 10 Tagen denkbar, sofern LIBRI (auch als direkte Bestellung, die LIBRI etwas einbringt) auf die BUCHAUSLIEFERUNGEN zurückverweisen würde ... für die (ewtas langsamere) Erhältlichkeit solcher Titel, die man jetzt (r)auslistet.

  • pia schaf

    pia schaf

    Kleine Verlage wurden ausgelistet - und kleinere, spezialisierte Buchhandlungen!
    Es ist schwer, die Fahne für den stationären Handel hoch zu halten.
    Ist es doch in Wirklichkeit nicht gewünscht. da zählen nur Daten/Fakten/Abverkauf.

    liebe Wirtschafts-'Bosse': tut doch bitte nicht so, als ginge es um etwas anderes.

  • Die Buchhändlerin

    Die Buchhändlerin

    Wie ist das denn bei den kleineren Barsortimenten, die ja sehr viel weniger Titel führen, diese Buchhandlungen konnten ja bisher auch alle damit umgehen, warum soll der verwöhnte Libribuchhändler sich nicht genauso wie die Buchhändler bei den zwei kleineren Barsortimenten um den Bezug eines mal nicht gelisteeen kümmern? Und was machen die Verlage mit diesen Buchhandlungen, die nicht bei Libri beziehen können, was ist denn für diesen nicht geringen Teil des Marktes das Konzept?

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