Debatte nach Rückzug von Andreas Köglowitz

Wie können kleine Verlage ihre Sichtbarkeit erhöhen?

Sie haben gute Antworten auf diese Frage? Oder Sie wollen einfach nur weiter über das Ende des Unsichtbar-Verlags diskutieren? Dann ist hier genau der richtige Ort dafür. 

Hingucker beim Fototermin: Andreas Köglowitz drapiert das Unsichtbar-Plakat

Hingucker beim Fototermin: Andreas Köglowitz drapiert das Unsichtbar-Plakat © Philipp Zimmer

Unsichtbar-Verleger Andreas Köglowitz hat im Zusammenhang mit seinem Rückzug schwere Vorwürfe gegen Buchhändler erhoben. Er hat Ihnen sogar vorgeworfen, mit Ihrem Verhalten kleine Verlage zu vernichten.

Hier geht es zur Erklärung von Andreas Köglowitz im Wortlaut

Seine Aussagen werden von den Börsenblatt-Lesern viel diskutiert und kommentiert. Die ganze Bandbreite von "ein durch und durch peinliches und ärgerliches Statement von Herrn Köglowitz" bis hin zu "ein betroffen machendes Statement eines offensichtlich einst hochmotivierten und engagierten KMU-Kleinverlegers" ist alles vertreten. 

Wir möchten gerne mit Ihnen über das dahinterstehende Problem ins Gespräch kommen: Wie verschaffen Sie sich Sichtbarkeit? Wodurch bekommen Sie als kleiner Verlag die größte Aufmerksamkeit?

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und gute Beispiele, von denen andere profitieren können. Sie können uns diese gerne als Kommentar zu diesem Artikel mitteilen oder uns einfach an diese Adresse: boersenblatt@mvb-online.de mailen. Ihre Tipps per Mail für mehr Sichtbarkeit wollen wir zusammenstellen und in der nächsten Woche hier veröffentlichen.

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8 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Eine sehr gute Idee!!! Günstige Werbeplattform, günstigere Mitgliedschaft im Börsenverein, Abschaffung der dreimonatigen Zahlungsfristen für die Barsortiment, Abschaffung der 52,5 prozentigen Rabattforderungen von Libri (bei Titeln unter 10,- €), günstigeres Porto für Büchersendungen ... um mal den Anfang zu machen:).

  • Andreas Köglowitz

    Andreas Köglowitz

    Die Sichtbarkeit für kleine Verlage ist das gleiche Problem wie vor 10 oder 15 Jahren, daran hat sich nichts geändert. Und wenn dann nur in ihrer Ausprägung. Es sind ganz andere Faktoren, welche sich die letzten Jahre und vor allem in den letzten 3 Jahren verändert haben und darüber sollte man diskutieren. Und nicht über Sichtbarkeit. So oder so kann immer nur die gleiche Menge sichtbar werden pro Person. Genau aus diesem Grund ist auch die Sichtbarkeit nicht als Grund aufgeführt. Das ist für mich eine veraltete Diskussion und nicht zielführend für die Grundproblematik.

  • Kaarina Kyröläinen

    Kaarina Kyröläinen

    Vielen Dank erst mal, dass Sie dieses wichtige Thema zur Diskussion stellen. Wir haben das Statement des Unsichtbar-Kollegen gelesen und können es bis auf das "F---t euch!" gut nachvollziehen.
    Aus unserer Sicht ist es eigentlich wohl eher sinnlos, an so etwas wie dem Deutschen Buchpreis, dem Verlagspreis usw. teilzunehmen. Wir gehen davon aus, dass in vielen Wettbewerben unsere Titel, da Autor und Verlag "unbekannt", meist schon im Vorfeld aussortiert und gar nicht erst beachtet werden. Bei der Pressearbeit wird uns oft ganz unverhohlen mitgeteilt: "Ja, wenn Sie von Hanser wären, dann wäre das etwas für uns." Das ist natürlich sehr schade, denn wir haben viele sehr interessante und auch starke Titel in unserem Programm, die wirklich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, wir arbeiten engagiert und ausdauernd und versuchen, wirklich viel auf die Beine zu stellen. Oft fragen wir uns, was wir wohl alles schon gerissen hätten, wenn uns die Connections und das Budget der großen Verlage offenstehen würden... Besonders leid tut es uns für die Autoren. Natürlich beißt sich da die Katze auch in den Schwanz, denn wie sollen wir denn an Aufmerksamkeit für unsere Titel kommen, wenn die Bedingung für die Aufmerksamkeit schon "Aufmerksamkeit in der Vergangenheit" ist?
    Beim Verlagspreis wird sich zeigen, ob das Projekt ehrlich gemeint ist und auch die kleineren unabhängigen Verlage etwas aus dem Topf abbekommen. Das wäre wünschenswert, denn natürlich schafft der Preis ansonsten unter den Verlagen ein verschärftes Gefälle. Wirklich gerecht wird der Preis aber wohl niemals sein, denn es wird immer Verlage geben, die ein sehr gutes Programm haben und den Preis dann eben nicht erhalten. Schade ist, dass man keine Kritik üben kann, ohne gleich für seine Kritik kritisiert zu werden.
    Aus unserer Sicht wäre sinnvoll, wenn Buchhandlungen und die Medien mehr Mut für neue Namen und Inhalte hätten, so wie wir es manchmal gerade bei eher kleineren Buchhandlungen beobachten, die uns dann doch auch mal eine Chance geben. Warum müssen denn immer alle denselben Brei wieder und wieder aufwärmen und dieselben Bücher besprechen, die schon überall sonst wiedergekäut wurden? Warum kann man nicht mal viel öfters das Risiko eingehen, etwas zu loben, das noch kaum einer kennt? Zu wünschen wäre also der Mut, mehr über den Tellerrand hinauszuschauen, um der Autoren und ihrer beachtenswerten Bücher willen und eben nicht um des bereits vorhandenen Prestiges willen. Dass es am Ende natürlich auch ums Geldverdienen geht und auch die Buchhändler und Medienleute auf ihre Kosten kommen müssen, ist uns allen klar. Aber Geld könnte man ja auch mit frischen Gesichtern und neuen Stoffen verdienen. Das Potential ist sicher reichlich vorhanden.

  • Dr. Sonja Ulrike Klug

    Dr. Sonja Ulrike Klug

    Ich bin Inhaberin eines Kleinverlages, der auch relativ "unsichtbar" agiert. Meine Meinung: Die Aussagen von Frau Thomé kann ich voll und ganz unterschreiben und entsprechen meinen Erfahrungen! Ebenso stimme ich Frau Kyröläinen zu, dass man uns Kleinverlegern von Seiten des Buchhandels vorhält, dass wir nicht "Hanser" heißen und keine dicken Werbebudgets vergeben. Den großen Verlagen kriecht der Buchhandel in den Hintern, den kleinen tritt in den Hintern!

    Der Buchhandel hat sich mit mir als Kleinverlegerin schon Sachen erlaubt, mit denen ich hier die Seiten füllen könnte: Verbindlich bestellte Bücher werden einfach nicht bezahlt, auch nicht nach der 10. Mahnung. Verbindlich bestellte Bücher werden remittiert mit der Begründung: Kunde hat das Buch nicht abgeholt, also zahlt der Handel auch nicht. Auf den Kosten bleibe ich als Kleinverlegerin sitzen, "verschenke" manche Bücher an den Handel, der einfach Rechnungen ignoriert und mir dann noch vorwirft, ich wäre als Verlegerin ja kleinlich, wenn ich das nicht erlaube.
    Im übrigen: Ich wäre dafür, die Remittierung in der Branche generell abzuschaffen. Der Handel kauft Ware ein - der Handel ist dafür verantwortlich, dass die Ware auch verkauft wird, nicht der Verlag. Diese Remittiererei ist auch in anderen Konsumgüterbranchen (Elektrogeräte, Haushaltsartikel, Klamotten usw.) nirgendwo üblich, nur der Buchhandel darf sich das bis zum Exzess erlauben ?!?!
    Die KNV-Pleite spüre ich deutlich, da sich meine Titel seitdem deutlich weniger verkauft haben - klaro, sie gehören ja nicht zu den so beliebten "Schnelldrehern" und rutschen damit immer mehr unter die Wahrnehmungsschwelle. Auch das ein Problem, dass Herr Köglowitz m.E. richtig geschildert hat.
    Die "Liebeserklärung" des Handels an die ach so netten "Indies" ist m.E. ein hohles "Lippenbekenntnis". Man kann und muss als Kleinverleger am besten selbst verkaufen, ohne den Handel ins Kalkül zu ziehen. Sonst wird man überwiegend enttäuscht. Ohnehin verlagert sich der Kauf mehr und mehr ins Internet. Also: eigenen Webshop aufbauen und "exklusiv" dort verkaufen.

  • Christiane Krause

    Christiane Krause

    liebe kolleginnen, als vertreterin unabhängiger und kleiner verlage kann ich das nur bedingt bestätigen. wir haben als indiebook-team (http://www.buero-indiebook.de. achtung, werbung!)ca 50 verlage, die wir vertreten, in unserem gepäck. ich bemerke in den letzten jahren eher, daß sich viele buchhandlungen für diese programme interessieren, buchhandlungen fast jeder art (außer, daß wir bei den großen ketten kaum mehr eine rolle spielen).... dorfbuchhandlungen, stadtbuchhandlungen, literarisceh sortimente, "allgemeine" sortimente.... wir sind froh und zufrieden damit, daß wir vielfältige beziehungen mit buchhändlerinnen pflegen dürfen. uns hilft dabei die kurt-wolff-stiftung und ihr renomme´, uns helfen unsrere jahrzehntelangen verbindungen mit vielen buchändlerinnen... und ihr interesse, ihr wachsein, ihre experemtierfreudigkeit!. was der markt sonst so noch anrichtet... ist selbstverständlich ein großes problem für uns alle..... mein eindruck ist: neben dem mainstream hat sich ein anderes feld eröffnet, in dem wir agieren und existieren können. das ist schön und gut!

  • Kaarina Kyröläinen

    Kaarina Kyröläinen

    Liebe Frau Krause, Sie haben Recht. Aber finden Sie als unabhängiger Verlag so einfach mal seriöse Vertreter? Wir haben an dieser Stelle bisher NUR schlechte Erfahrungen gemacht oder eben keine Antworten bzw. Absagen erhalten. Ohne seriöse und pfiffige Vertreter kommen Sie aber nur schwer in den Handel. Und da sind wir dann wieder bei dem Thema, das ich zuvor angeschnitten habe: Mut und auch Offenheit für Neues, Unbekanntes, noch nicht Bewehrtes. Alle waren doch mal unbekannt, bevor sie bekannt wurden. Mir scheint, die Hürden sind heute extrem hoch gesteckt, trotz vielseitigem Programm, Fleiß, Engagement und vieler Investitionen kommt man nicht wirklich weiter.

  • Lisette Buchholz

    Lisette Buchholz

    Wir Kleinverlage waren stets die Partisanen des Literaturbetriebs, und dazu gehört eine gewisse Unsichtbarkeit. A la longue zählen Qualität und Durchhaltevermögen. Die Bücher des persona verlags werden am sichtbarsten bei Veranstaltungen und in Rezensionen sowie in der Auslage manch vorzüglicher Buchhandlung, die meist gleichfalls ein Partisan ist. Natürlich wünsche ich mir das anders! Andererseits haben wir hierzulande die Freiheit, die Titel zu verlegen, die wir lieben und für wichtig halten. In vielen Ländern könnten wir das nicht. Und ja, auch ich verdiene anderswo dazu, um meinen Traum am Leben zu halten. Alles in allem bleibt es immer spannend.

  • Dorothea Thomé

    Dorothea Thomé

    Ich finde die unterschiedlichen (besonders die sachlichen!) Beiträge sehr wertvoll. Das Kennenlernen der Sichtweisen aus verschiedenen Blickwinkeln (Buchhandel, Kleinverlag, Sortiment) ist absolut wichtig. Lasst uns doch einmal ein paar Punkte sammeln, die für JEDE Seite hilfreich wären. Mal konkret: Wie müssten unsere Titel (als Fachverlag für den Lese- und Rechtschreiberwerb) aussehen, damit sich der stationäre Buchhandel dafür mehr interessiert (Mindestpreis, Rabatte, professionelle Gestaltung der Titel wurden schon genannt)? Wäre eine neue Plattform, auf der Buchhändler und Kleinverlage direkt und besser kommunizieren könnten (über Lesebedarf der Kundschaft berichten einerseits, wichtige Titel bewerben können andererseits) wichtig? Bitte weitere Ideen!

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