Wegen der klugen Themenwahl und ebenso souveränen wie spannungsvollen Bändigung ihrer enormen Stofffülle habe die Jury entschieden, so die Mitteilung des Literturhauses Hamburg, "Blutorangen" auszuzeichnen. Damit setzte sich Boos' Titel gegen 67 weitere Debütromane durch. Ihr Roman erzählt auf drei Zeitebenen – 1939, 1990 und 2004 – die Verstrickungen des spanischen Franco-Regimes mit dem deutschen Nationalsozialismus und deren Nachwirkungen. In der Jury-Begründung heißt es weiter:
"Souverän komponiert, historisch detailliert und mit großem Nachhall macht sich Verena Boos an die Aufarbeitung einer kaum bekannten Episode des 20. Jahrhunderts, der Kollaboration des Franco-Regimes mit der Hitler-Diktatur. Dabei spürt man die fundierte Herangehensweise der Historikerin ebenso wie die erzählerische Kraft der Schriftstellerin. Verena Boos schafft lebendige Figuren, die verstehen wollen und wegen ihrer drängenden Suche nach Wahrheit lange im Gedächtnis bleiben. Der Roman differenziert zwischen Schuld und Schuldigkeit und öffnet damit Türen, die in Spanien über Jahrzehnte durch einen Pakt des Schweigens versiegelt waren. Dieser Roman ist große Erzählkunst und wirkt weit über das aktuelle Tagesgeschehen hinaus."
Verena Boos wurde 1977 in Rottweil geboren und lebt in Frankfurt/Main. Sie studierte Anglistik und Soziologie in Konstanz und Glasgow und promovierte in Florenz über regionale Identitäten in
Schottland und Katalonien. Sie lebte viele Jahre im Ausland, etwa in Italien, Großbritannien und Spanien und arbeitet heute als Journalistin, Referentin und Autorin.
Die Preisverleihung findet am 7. Januar 2016, um 19.30 Uhr im Literaturhaus statt. Die Laudatio hält der Literaturkritiker Ruthard Stäblein.
Die Auszeichnung wird seit 1970 verliehen und gilt als höchstdotierter Preis für einen deutschsprachigen Debütroman − vergeben wird er von einer Leserjury. Die ehrenamtliche Jury besteht aus 15 Mitgliedern des Literaturhaus e.V. 2015 reichten 46 Verlage 68 Debütromane ein.
Für "Blutorangen" hat Verena Boos am 3. Dezember zudem den Debütpreis des Buddenbrookhauses 2015 erhalten.