Bertelsmann bilanziert erstes Halbjahr

Buchgruppe verdient weniger

31. August 2016
von Börsenblatt Online
Bertelsmann meldet in seiner Halbjahresbilanz einen Umsatz von rund 8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) in Höhe von 1,11 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,06 Mrd. Euro) stelle einen neuen Rekordwert dar, so das Unternehmen. Das Buchgeschäft aber war rückläufig.

Der Umsatz in Höhe von 7,966 Milliarden Euro lag leicht unter dem Vorjahreswert (8,040 Mrd. Euro). Gestiegene Ergebnisse hätten vor allem die RTL Group in Frankreich und Deutschland, Arvato sowie die Bertelsmann Printing Group verzeichnet. Die EBITDA-Marge erhöhte sich auf 13,9 Prozent (H1 2015: 13,2 Prozent), so die Bilanzmitteilung.

Ein verbessertes organisches Wachstum von 1,3 Prozent (erstes Halbjahr 2015: -0,5 Prozent) habe Portfolioeffekte nach Desinvestitionen sowie negative Wechselkurseffekte nahezu ausgeglichen. Mehr als ein Viertel seines Umsatzes erwirtschaftete Bertelsmann im ersten Halbjahr außerhalb von Europa; die USA sind dabei der zweitgrößte Markt für Bertelsmann.

Das EBIT (Ergebnis vor Finanzergebnsi und Steuern) kletterte für den Konzern um 20,1 Prozent auf 805 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 670 Mio. Euro), das Konzernergebnis um 21,1 Prozent auf 482 Millionen Euro. Als Gründe dafür nennt das Unternehmen das verbesserte operative Ergebnis sowie geringere Belastungen aus Sondereinflüssen.

"Wir sind mit der positiven Entwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres, an der alle Unternehmensbereiche ihren Anteil haben, sehr zufrieden", sagt Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. "Das beste operative Ergebnis der Bertelsmann-Geschichte, die hohe Profitabilität unserer Geschäfte sowie ein deutlich verbessertes Konzernergebnis von knapp einer halben Milliarde Euro stimmen uns zuversichtlich für das Gesamtjahr." Das Wachstumsprofil des Unternehmens habe sich durch eine Reihe strategischer Maßnahmen weiter verbessert, die zu Jahresanfang eingeführte neue Konzernstruktur mit acht Unternehmensbereichen mache dies transparent. "Gleichzeitig sind wir digitaler und auch internationaler geworden – diesen Weg setzen wir auch in der zweiten Jahreshälfte fort", so Rabe.

PRH mit geringeren E-Book-Verkäufen

Penguin Random House habe im ersten Halbjahr von einer "starken Bestsellerperformance" profitieren können. In den USA platzierte PRH nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 316 Titel auf den Bestsellerlisten der "New York Times", in Großbritannien habe man mit 113 Büchern mehr als die Hälfte aller Top10-Titel auf der wöchentlichen "Sunday Times"-Bestsellerliste gestellt. "Erwartete Rückgänge", so Bertelsmann, der E-Book-Verkäufe in den USA und Großbritannien hätten den Umsatz jedoch beeinträchtigt. Die Rückgänge seien zum Teil auf neue Verkaufskonditionen im Handel mit E-Books zurückzuführen. Unterm Strich habe dies zu einem verringerten Umsatz und operativen EBITDA geführt. Bertelsmann hält 53 Prozent der Anteile an Penguin Random House, Pearson 47 Prozent.

Die Buchgruppe von Bertelsmann − das Unternehmen zählt hierzu neben PRH auch die Verlagsgruppe Random House − hat laut Bilanz im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umsatzminus von 10,7 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro erzielt (erstes Halbjahr 2015: 1,7 Mrd. Euro). Den Umsatz gedrückt hätten sich Portfolio- und Wechselkurseffekte ausgewirkt − stabile Verkaufszahlen bei gedruckten Büchern und die positive Entwicklung bei Hörbüchern hätten dies teilweise ausgleichen können, heißt es in der Bilanz. Die Verlagsgruppe Random House in Deutschland hatte ein "stabiles erstes Halbjahr", resümiert Bertelsmann, und platzierte 236 Titel auf den "Spiegel"-Bestsellerlisten.

Das operative EBITDA der Buchgruppe betrug 185 Millionen Euro, das waren 10,6 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2015 (207 Mio. Euro). Einsparungen aus der inzwischen abgeschlossenen Integration von PRH hätten sich dennoch positiv bemerkbar gemacht.

[Zum Vergleich: Pearson, das 47 Prozent an PRH hält, hatte Anfang August in seiner vorläufigen Bilanz des ersten Halbjahrs für seinen Anteil am Joint Venture einen operativen Gewinn von 32 Millionen Pfund (ca. 38 Mio. Euro) berichtet − 33 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, nach konstanten Wechselkursen plus 25 Prozent.]

Die Halbjahresbilanz (Januar − Juni 2016) der acht Unternehmenssegmente von Bertelsmann:

  • RTL Group: 2,9 Mrd. Euro Umsatz (+3,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum); operatives EBITDA: 676 Mio. Euro (+8,2 Prozent)
  • Penguin Random House*: 1,5 Mrd. Euro Umsatz (-10,7 Prozent); operatives EBITDA: 185 Mio. Euro (-10,6 Prozent)
  • Gruner + Jahr: 777 Mio. Euro Umsatz (-1,0 Prozent); operatives EBITDA: 52 Mio. Euro (-7,1 Prozent)
  • BMG: 182 Mio. Euro Umsatz (+4,6 Prozent); operatives EBITDA: 32 Mio. Euro (+6,7 Prozent)
  • Arvato: 1,9 Mrd. Euro Umsatz (+3,6 Prozent); operatives EBITDA: 180 Mio. Euro (+26,8 Prozent)
  • Bertelsmann Printing Group: 774 Mio. Euro Umsatz (-5,3 Prozent); operatives EBITDA: 47 Mio. Euro (+17,5 Prozent)
  • Bertelsmann Education Group: 64 Mio. Euro Umsatz (+28 Prozent); operatives EBITDA: -13 Mio. Euro (Vorjahr: -3 Mio. Euro)
  • Bertelsmann Investments: EBIT: 42 Mio. Euro (erstes Halbjahr 2015: -7 Mio. Euro)

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  • Konzern: 7,966 Mrd. Euro Umsatz (-0,9 Prozent); operatives EBITDA: 1,1 Mrd. Euro (+4,5 Prozent)

* Der Unternehmensbereich PRH umfasst auch die Verlagsgruppe Random House, eine 100-prozentige Tochter von Bertelsmann. Die Verlagsgruppe ist nicht Bestandteil des Mergers von Random House und Penguin zu Penguin Random House.

Die Vergleichzahlen der Vorperiode wurden in der Bilanz angepasst, informiert Bertelsmann.

Für Bertelsmann hätten die strategischen Maßnahmen, etwa die neue Konzernstruktur, zu einem verbesserten Wachstumsprofil geführt. Der Umsatzanteil wachstumsstarker Geschäfte habe sich auf 29 Prozent (erstes Halbjahr 2015: 27 Prozent) erhöht − mittelfristig soll der Anteil auf 40 Prozent steigen. Der Anteil strukturell rückläufiger Geschäfte sei weiter auf rund 4 Prozent gesunken.

Höherer Umsatz fürs Geschäftsjahr erwartet

Der Bertelsmann-Finanzvorstand Bernd Hirsch charakterisiert die finanzielle Position des Unternehmens in der Mitteilung als "solide". Auf dieser Basis werde die laufende Transformation des Konzerns gestaltet − Hirsch weist auf die hohe Investitionstätigkeit im ersten Halbjahr hin. Sein Ausblick: "Für das Gesamtjahr sind wir weiterhin zuversichtlich und rechnen nach wie vor mit einem höheren Umsatz und einer weiterhin hohen operativen Profitabilität." Das Konzernergebnis soll erneut die Milliarden-Grenze übersteigen (2015 lag es bei 1,1 Mrd. Euro). "Mittelfristig wollen wir außerdem einen Umsatz von rund 20 Milliarden Euro erreichen", so Hirsch.