Südafrika

"Mehr als Schwarz auf Weiß"

12. Juni 2007
Redaktion Börsenblatt
Am Samstag beginnt die zweite Cape Town Book Fair. Messedirektorin Vanessa Badroodien ist zuversichtlich, an den Erfolg der Buchmesse 2006 anknüpfen zu können.
Die Premiere der Cape Town Book Fair 2006 ist bestens gelungen. Wie sind Ihre Erwartungen für dieses Jahr? Vanessa Badroodien: Die zweite Messe ist natürlich eine noch größere Herausforderung als die erste, da nach der gelungenen Premiere die Erwartungen sehr hoch sind. 2006 kamen mehr als 26.000 Menschen zur Buchmesse nach Kapstadt, und in diesem Jahr erwarten wir eine noch größere Anzahl an Besuchern. Warum sollten internationale Aussteller und Fachbesucher zur Buchmesse nach Kapstadt kommen? Vanessa Badroodien: Südafrika ist ein spannender Markt mit einer stabilen und wachsenden Wirtschaft und einer globalisierten Bevölkerung. Hier ist es möglich, in einem politisch stabilen Umfeld Geschäfte zu machen. Auf der Cape Town Book Fair haben Verlage die Möglichkeit, einzelne Marktsegmente noch gezielt auszubauen wie beispielsweise die Bereiche Belletristik und Sachbuch. Südafrikas Verkehrssprache ist Englisch, und egal ob Sie ein akademischer Verlag oder ein Kinder- und Jugendbuchverlag sind, es bieten sich sehr gute Gelegenheiten für Geschäfte. Denn wir haben mehr als 500.000 Studenten und über 12 Millionen Schulkinder. Internationale Fachbesucher erleben hier einen Markt, der sich nach vielen Jahren kultureller Isolation schnell entwickelt. Dies spiegelt sich besonders deutlich in der Produktivität unserer Verlagsbranche wider. Es ist in erster Linie ein Importmarkt und daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern. Aber die Qualität von Produkten einheimischer Verlage nimmt stetig zu. Worauf freuen Sie sich bei der diesjährigen Buchmesse am meisten? Vanessa Badroodien: Ich freue mich besonders auf unsere thematischen Buchkollektionen und das Fachprogramm. Das Fachprogramm bietet für jeden etwas: Verleger, Buchhändler, Bibliothekare oder auch Fachleute für Afrikastudien. Die meiner Meinung nach interessanteste Buchkollektion ist die, in der wir Werke von und über Nelson Mandela zeigen. Außerdem freue ich mich auf unser Kinderprogramm. Das Motto der Cape Town Book Fair 2007 ist "More than Black on White" - übersetzt: "Mehr als Schwarz auf Weiß". Was bedeutet das? Vanessa Badroodien: Oft wird Afrika - und damit auch Südafrika - auf das Verhältnis von Schwarz und Weiß und das Thema Rasse und Rassismus reduziert. Mit unserem Motto wollen wir deutlich machen, dass die Buchlandschaft und Gesellschaft in Afrika eben nicht auf dieses Thema beschränkt werden kann. Im vergangenen Jahr waren einige Besucher der Ansicht, die Buchmesse habe die schwarze Bevölkerung und die schwarzen Autoren Südafrikas nicht angemessen repräsentiert. Wie wirken Sie dem 2007 entgegen? Vanessa Badroodien: Die Buchmesse Kapstadt hat eine doppelte Identität, da sie einen Bogen spannt zwischen Fachmesse und Publikumsevent und somit eine Messe ist, die alle Bedürfnisse abdeckt. Aus Publikumssicht denke ich, dass wir die Region des Western Cape - die wohl facettenreichste Region Südafrikas, was die Bevölkerung betrifft - 2006 angemessen repräsentiert haben. Wir hatten einen den demographischen Verhältnissen entsprechenden Besucheranteil auf der Messe: Inder, schwarze und weiße Südafrikaner. Das zeigen auch unsere Besucherdaten. Und aus Sicht der Fachmesse: Auf unserer Ausstellungsfläche waren alle Verleger Südafrikas vertreten, schwarz und weiß - und sie werden es auch in diesem Jahr wieder sein. Die institutionalisierte Diskriminierung - wie beispielsweise der beschränkte Zugang für Schwarze zu Bibliotheken - hat allerdings ihre Spuren hinterlassen, die oft als "Mangel an Lesekultur" ausgelegt werden. Zwölf Jahre Demokratie können das Vermächtnis von 50 Jahren Apartheid eben nicht löschen. Welche Bedeutung wird die Cape Town Book Fair in fünf Jahren haben? Vanessa Badroodien: Ich hoffe, dass die Buchmesse in fünf Jahren für alle aus der Buchbranche, die sich für Südafrika und Afrika interessieren, so wichtig geworden ist, dass eine Teilnehme geradezu ein Muss ist. Und dass sich die Buchmesse als jährlicher Treffpunkt für Kollegen und als Plattform für Geschäfte etabliert hat. Es wäre fantastisch, wenn es dann mehr Übersetzungen südafrikanischer Autoren in andere Sprachen gäbe und Literatur aus Südafrika zur Weltliteratur zählt. Ich wünsche mir auch, dass der akademische Stellenwert unseres Science, Technology and Medicine (STM)-Sektors anerkannt wird. In fünf Jahren kann die südafrikanische Gesellschaft auf knapp 20 Jahre Demokratie und finanzielle Wiedergutmachung im Lande zurückblicken. Dann sollte der Besuch von Bibliotheken, Schulen und anderen Freizeiteinrichtungen ein fester Bestandteil des Alltags in Südafrika sein. Ich hoffe, das wird sich dann auch in den gestiegenen Zahlen verkaufter Bücher, in der Anzahl bekannter einheimischer Autoren und einem allgemeinen Wachstum der Industrie widerspiegeln. Interview: Anne Eckert