Wenn am kommenden Wochenende internationale Verleger, Agenten und Buchhändler zur Buchmesse nach Kapstadt reisen, dann sollten sie ein großes Interesse an zeitgenössischer südafrikanischer Literatur mitbringen. Denn das Angebot von interessanten Titeln aus Südafrika ist so vielfältig wie noch nie.
In den vergangenen zwei Jahren haben sich vermehrt junge und unbekannte südafrikanische Autoren einen Namen gemacht, wie beispielsweise Andrew Brown, Maxine Case, Kopano Mpwa, Rosie Fiore, Doreen Baingana, Jaco Botha, Russel Brownlee, Henrietta Rose-Innes, Rachel Greeff, Lebo Mashile, Gabeeba Baderoon, Marlize Hobbs oder Niq Mhlongo.
"Die neuen einheimischen Autoren sorgen für enorme kreative Impulse und stoßen auf extrem positive, öffentliche Resonanz", bemerkt Stephen Johnson, Geschäftsführer von Random House Südafrika. "Schauen Sie sich die monatlichen Top 10 oder Top 20 der südafrikanischen Bestsellerlisten an, manchmal sind die Hälfte der Titel Werke einheimischer Schriftsteller."
Förderung einheimischer Autoren nimmt stetig zu
Das Aufspüren neuer und oft sehr junger literarischer Talente haben sich die Ableger großer Verlage zum Ziel gemacht, die momentan in ganz Südafrika gegründet werden, wie Struiks Oshun, Random Houses Umuzi, Jutas Double Storey und Picadors Picador Africa. Sie konzentrieren sich speziell auf junge Literatur. Doch auch alteingesessene Verlagshäuser wie Jacana, New Africa Books oder Kwela vergrößern ihren Pool an jungen Autoren kontinuierlich.
Aber warum gibt es dieses plötzliche Wachstum? Warum diese große Zunahme an neuen, qualitativ hochwertigen Titeln? Es scheint wohl damit zu tun zu haben, dass bei der neuen Autorengeneration in Südafrika die Rassismus-Problematik mittlerweile nicht mehr an erster Stelle steht, wie auch Stephen Johnson feststellt: "Der so genannte Sack- und Asche-Schreibstil, der während und unmittelbar nach dem Ende der Apartheid dominierte, hat einer Welle von Energie und Enthusiasmus und Interesse an eigenen Geschichten Platz gemacht."
Für manche Autoren kann das Ende der Apartheid jedoch auch zu einem schriftstellerischen Problem werden. "Es war eindeutig einfacher, über die Vergangenheit zu schreiben, weil die Vergangenheit fertige Geschichten geliefert hat", erklärt der von der Kritik gefeierte Literaturpreisträger Zakes Mda. "Es gab eine sehr klare Linie zwischen Gut und Böse. Schwarz war gut, Weiß war schlecht. Diesen Zustand haben wir nicht mehr. Wir sind zur Normalität zurückgekehrt - und manchmal tut es weh, normal zu sein.
Erschütternd ernst und wunderbar komisch: die neue Autorengeneration
Die neue Generation junger Autoren sieht nach vorn. Sie schreiben Liebesromane und Krimis, sie berichten von Fremdenhass und Aids, und sie erzählen persönliche Geschichten in einem persönlichen Stil. Sie können erschütternd ernst sein und wunderbar komisch. Sie schreiben, was die Menschen lesen wollen. Und oft genug sprechen diese neuen Autoren und ihre Bücher auch ein neues, oft ebenfalls junges Publikum an und erschließen damit einen neuen Markt für die Verlage.
Das bedeutet allerdings nicht, dass auch jedes Manuskript eines jungen Autors verlegt wird. Importe aus Großbritannien und anderen englischsprachigen Ländern machen rund 75 Prozent des südafrikanischen Buchmarkts aus. Einheimische Verlage haben einen Marktanteil von 25 Prozent und rund 95 Prozent ihrer Produkte sind Schulbücher. Lediglich ein Prozent aller unaufgefordert eingereichten Manuskripte wird tatsächlich zum Buch und erzielt gute Verkaufszahlen. Dabei gelten bereits 3.000 verkaufte Exemplaren eines Titels als durchschnittlicher Verkaufserfolg. Eine Anzahl von 10.000 und mehr Exemplaren bedeutet in Südafrika bereits Bestsellerstatus.
Autoren brauchen Feedback und die Möglichkeit zum Netzwerken
Die meisten Autoren sind sich einig, dass das Marketing für einheimische Titel und junge Autoren wesentlich aktiver betrieben werden müsste. Professor Rudi Venter äußert sich auf der Afrikaans-Literatur-Website
www.litnet.co.za: "Warum werden Afrikaans-Autoren, insbesondere die junge Generation, nicht so beworben, dass sie auch die jungen Leser ansprechen? Das Maß, in dem Afrikaans-Musiker und deren Plattenfirmen in die Promotion und Gestaltung ihres öffentlichen Image einbezogen werden, sollte der Buchindustrie als Beispiel dienen."
Die literarische Landschaft in Südafrika ist noch verhältnismäßig klein. Doch sie ist stark und spannend und wird ohne Zweifel weiter wachsen. Die Cape Town Book Fair 2007 wird in dieser Hinsicht einige Entdeckungen bereithalten.