"Das große Fremdeln" - Paul Ingendayy in der "FAZ" über die Autoren des Ehrengasts Katalonien:
"Der Streit, wer nun im Herbst zur Frankfurter Buchmesse fahren darf und wer nicht, ist in den letzten beiden Jahren allerdings einer anderen Frage gewichen: wer überhaupt nach Frankfurt fahren will. Denn unter den wichtigeren Autoren der Region mehren sich die Bedenken. Sergi Pàmies etwa, Verfasser von auch ins Deutsche übersetzten Kurzgeschichten und Mitarbeiter der Zeitung "El
País", sagte kürzlich klar und deutlich, dass er die Einladung des Ramon-Llull-Instituts, das mit der Organisation des Messeschwerpunkts betraut ist, nicht anzunehmen gedenke. In seiner Antwort hielt sich Pàmies, der seine Werke in katalanischer Sprache schreibt, an die Formel von Melvilles
Aktenkopisten Bartleby, der auf jedes Ansinnen antwortet: "Ich möchte lieber nicht." Auch er, Pàmies, "wolle lieber nicht". Und was er von der katalanischen Expedition zur Frankfurter Buchmesse halte, sei "illegal". Weitere Erklärungen verweigerte er, außer der einen: "Illegal" sei nicht die katalanische Expedition, sondern allein das, was er,
Pàmies, von ihr halte. Ein katalanischer Ironiker, was auch seine Erzählungen beweisen. Der Titel seines neuesten Buches lautet übersetzt: "Wenn du in eine Zitrone beißt, ohne das Gesicht zu verziehen"."
"Kreative Leistungen besser schützen" - die "Badische Zeitung" berichtet über die geplante Neuregelung des Gesetzes über Urheberrechte, dass der Bundestag noch vor der Sommerpause verabschieden soll:
"Die größte praktische Relevanz hat die so genannte Öffnung der Archive. An ihr sind alle Verlage, Plattenfirmen und
Rundfunk-Anstalten interessiert. Denn bisher ist es sehr aufwendig, etwa ein altes Buch in einer neuen Nutzungsart,
als Hörbuch-CD, zu veröffentlichen. Hierzu ist derzeit noch das Einverständnis des Urhebers erforderlich. Wenn es
viele Urheber gibt, zum Beispiel bei einem Konzert-Mitschnitt, müssen Erben ausfindig gemacht werden. Grund für das Dilemma ist eine Regelung, die den Urhebern verbietet, Rechte über 'noch nicht bekannte Nutzungsarten' zu vergeben. Was den Urheber davor schützen soll, sich zu billig zu verkaufen, lähmt aber zugleich das Geschäft. Deshalb will Zypries, dass ein Urheber künftig auch
Rechte für unbekannte Nutzungsarten einräumen kann. Wenn eine neue Nutzungsart bekannt wird, könnte der Urheber ein Jahr lang seine Zustimmung widerrufen,
ansonsten ist ihm eine zusätzliche 'angemessene Vergütung' zu zahlen. Diese Neuregelung soll auch für alle bereits erstellten Werke gelten. So sollen auch die in den Archiven ruhenden "Schätze" in zeitgemäßer Form veröffentlicht
und verwertet werden können. Viele Urheber lehnen den neuen Ansatz ab, obwohl ihnen die Neuregelung eher
Mehreinnahmen bringen dürfte. Sie aber wollen weiterhin vor der Verwertung ihrer Werke in neuen Nutzungsarten gefragt
werden."
"Dumbledores Weisheit" - Wieland Freund kommentiert in der "Welt" den Schulwettbewerb von Carlsen und der Stiftung Lesen:
"Das Zugpferd der Gutenberg-Galaxis spannt sich vor den Karren der Leseförderung und sieh an - plötzlich verbietet
sich der übliche Extremismus der Wahrnehmung, der die Generation der Kinder von heute sonst verlässlich in Wunderkinder und Totalversager teilt. Denn es ist doch dieselbe Generation, deren mangelnde Lesekompetenz einerseits für Weltuntergangsgesänge sorgt, die aber andererseits ausgerechnet einem Buch zu nie dagewesenem Ruhm verholfen hat. Und das ganz ohne Lernmittelhilfen,
Klassensätze und das unermüdliche Engagement eingetragener Vereine. Und auch Exzellenz-Cluster und Losverfahren um die Aufnahme in eine Privatschule am anderen Ende der Stadt spielten bei der Begeisterung für
Harry Potter keine Rolle."