Interview

Willkommen im Club!

14. Juni 2007
Redaktion Börsenblatt
Zweieinhalb Jahre nach seiner Gründung lädt der Kölner Verlag Tisch 7 via Vorschau und auf seiner Website Freunde und Unterstützer zur Mitgliedschaft im Tisch 7-Club ein. Im Gespräch mit BÖRSENBLATT.NET äußert sich Tisch 7-Verleger Frank Niederländer zu den Beweggründen für das Club-Projekt.
Das Club-Projekt soll als genossenschaftsähnliches Modell funktionieren - in Independent-Kreisen keine ganz neue Idee: Neben dem guten Gefühl, mit ihrem Jahresbeitrag von 250 Euro einen „kleinen, aber sehr lebendigen Teil unseres literarischen Lebens“ zu stärken, bieten die Verleger Bettina Hesse und Frank Niederländer Club-Mitgliedern auch Handfestes – so etwa den kostenlosen Bezug aller Neuerscheinungen, signierte Vorzugsausgaben der Haupttitel des Verlags oder freie Teilnahme an allen Veranstaltungen und Lesungen. BÖRSENBLATT.NET: Zweieinhalb Jahre und 15 Neuerscheinungen nach dem Start Ihres Verlags kämpfen Sie immer noch um den „break eaven“ – für Verlagsneugründungen eigentlich nichts Ungewöhnliches. Haben Sie die „Mühen der Ebene“ unterschätzt? Frank Niederländer: Wir sind auf einem guten Weg, aber wir haben die Entwicklungen im Buchhandel sehr deutlich vor Augen – als literarisch orientierter Verlag kann man derzeit wahrlich nicht vor Optimismus an die Decke hüpfen. Wie viele andere Verlage unserer Größe haben wir damit zu kämpfen, dass die Zahl dezidiert literarischer Buchhandlungen abnimmt. Also müssen wir uns überlegen, wie wir künftig die Inhalte, die uns wichtig sind, an den Mann oder die Frau bringen. BÖRSENBLATT.NET: Eine Idee, neue Wege zum Leser zu finden, ist Ihr Tisch 7-Club. Was steckt dahinter? Frank Niederländer: Wenn man als Verlag beginnt, möchte man möglichst schnell, möglichst breit in die Fläche hineinwirken. Inzwischen haben wir aber gemerkt, dass es für uns sehr viel besser ist, nicht nur auf’s „Neuland“ zu blicken – sondern die Buchhandels-Beziehungen, die wir bereits haben, zu festigen und auszubauen. Gleiches gilt für den Kreis der Freunde und Unterstützer des Verlags, besonders hier im Kölner Raum. Um für die etwas zu tun, ist der Club eine ganz wichtige Möglichkeit. Er bietet den Leuten die Möglichkeit, sich mit dem Verlag, der Idee, die dahinter steckt, zu identifizieren. Erst einmal muss man sie aber überzeugen – und das verlangt, neben guten Argumenten, sehr viel persönlichen Einsatz. BÖRSENBLATT.NET: Auf welche Weise soll das Club-Projekt die Verlagsarbeit fördern? Frank Niederländer: In erster Linie geht es darum, eine gewisse Planungssicherheit zu haben – unabhängig von den Verkäufen im Buchhandel. Es gibt Verlagsprojekte, die uns sehr am Herzen liegen, die wir aber allein aus den Erlösen unserer bisherigen Tätigkeit nicht finanzieren können. Dazu gehören eine Jubiläumsgabe, die wir unserem Autor Jochen Schimmang gern zu seinem 60. Geburtstag im Frühjahr 2008 übereichen würden oder das auf fünf Bände angelegte Sachbuchprojekt „Die Zukunft der Menschheit“, für das wir als Herausgeber Jochen Hörisch gewinnen konnten. BÖRSENBLATT.NET: Wie ist die Resonanz? Frank Niederländer: Wir werden nicht mit Aufnahmeanträgen überhäuft – aber es geht Schritt für Schritt voran. Generell stellen wir fest, dass literaturinteressierte Menschen per sé dazu geneigt sind, Projekte, die sie für gut und wichtig halten, zu unterstützen. Auch finanziell.