Großbritannien

Bezahlte Bestseller

19. Juni 2007
Redaktion Börsenblatt
Die Buchhandelskette Waterstone’s forderte von britischen Verlagen bis zu 45.000 Pfund für die prominente Präsentation von Bestsellern im Weihnachtsgeschäft.
Die britische Zeitung "The Times“ zitiert in ihrer gestrigen Ausgabe aus einem vertraulichen Brief der Buchhandelskette Waterstone’s, wonach ein Verlag im Weihnachtsgeschäft für das teuerste Paket mit sechs Titeln 45.000 Pfund (67.000 Euro) zu zahlen hatte. Die nächste Kategorie, die prominente Regalplätze für 45 Neuerscheinungen in den mehr als 300 Läden versprach, kostete 25.000 Pfund, für einen Eintrag in die Liste "Taschenbücher des Jahres“ waren pro Buch bis zu 7.000 Pfund fällig. In Großbritannien ist diese Praxis allerdings keine Ausnahmen – konkrete Summen, die für die Bestseller-Präsentationen zu zahlen sind, werden jedoch selten genannt. Doch offenbar fordern alle großen Buchhandelsketten von den Verlagen eine "Beteiligung“ an besonderen Marketingaktionen und eine "Anerkennung“, dass sie sich um die Bestseller-PR bemühen. Die „Times“ zititert einen Sprecher des Waterstone’s-Konkurrenten W.H. Smith, der betont, dass die besten Marketing-Plätze "überbucht" seien. "Das zeigt, dass die Verleger es zu schätzen wissen, etwas für ihr Geld zu bekommen.“ Anthony Cheetham, Chef des Independent-Verlag Quercus, beklagt sich dagegen bitter über die Macht der Filialisten. Wenn man das Angebot für einen der Plätze ablehne, gehe die Bestellung über 1.000 Exemplare nicht etwa auf 500, sondern auf 20 Stück zurück. Waterstone’s verteidigte sich mit dem Hinweis, dass die überwältigende Mehrheit der Titel, die die Buchhandlung verkaufe, bei den Verlagen keine Kosten verursachten. Außerdem könne sich kein Verlag die Präsentation erkaufen: Die Bücher würden von den eigenen Einkaufsexperten bewertet und ausgewählt.