Ausstellung

Ordnung. Eine unendliche Geschichte.

21. Juni 2007
Redaktion Börsenblatt
Ein Literaturarchiv hat mit Ordnen zu tun, mit Systematisieren und Katalogisieren. Die Literatur selbst aber auch? Heike Gfrereis und Helga Raulff wollen es in der großen Sommerausstellung im Marbacher Literaturmuseum der Moderne genauer wissen und haben sich in den Nachlässen der Dichter nach ordnenden Prinzipien umgeschaut.
»Eine unendliche Geschichte« ist dabei herausgekommen, denn »Ordnung ist nicht der Gegenpol des Schöpferischen, sondern dessen innerstes Element, seine Natur, sein Wesen«. Ohne Ordnung, so die These der beiden Kuratorinnen, werde keine Zeile geschrieben und kein Vers gedichtet. Tatsächlich sind sowohl die äußeren Strukturen des Dichterdaseins als auch die inneren Formen der Dichtung durchzogen von Versuchen, dem Durcheinander etwas entgegenzusetzen. Simpel ist etwa das System, das sich die Vielschreiberin Gabriele Wohmann ersonnen hat – grüne Manuskriptmappen für Romane, gelbe für Erzählungen, rote für Drehbücher. Auf der Konstruktionsebene des Textes wird es allerdings komplexer: Verschlungen, durchwebt von verschiedenfarbigen Linien, gespickt mit Zeichnungen und Unterstreichungen ist Hubert Fichtes Plan zum »Versuch über die Pubertät«. Die Wege durch den Materialdschungel können leicht etwas Labyrinthisches annehmen. Der rote Faden der Ausstellung zieht sich von den äußerlichen Formen des Verpackens und Aufbewahrens übers Listen anlegen und Planen bis zur Architektur der Schrift selbst. Schließlich sollen auch noch die Überkreuzungen von Literatur und Leben anschaulich gemacht werden. Die Ausstellungsmacher verzichten dabei ganz auf das, was man museumspädagogisch Multimedialität oder Interaktivität nennt. Der Chipperfieldsche Museums-Tempel verpflichtet eben zur Schlichtheit der Darstellung: Man wollte eine »intellektuelle Ausstellung«, so Direktor Ulrich Raulff. In den kühl beleuchteten Vitrinen beugt man sich also vornehmlich über Manuskripte und Autographen. Das sind teils ganz alltägliche Notizen, teils auratisch aufgeladene Reliquien wie die Fragmente zu Schillers Drama »Die Malteser«, von der Familie des Dichters zerteilt und verschenkt und mit beglaubigenden Bemerkungen versehen: »von Schiller’s Hand geschrieben«. Ordnung. Eine unendliche Geschichte. Eine Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne, Marbach am Neckar. Bis 21. Oktober 2007. Zur Ausstellung erscheint der Marbacher Katalog 61. 258 S. 20 Euro.