Veranstaltungen

Dichtung nicht nur zwischen Buchdeckeln

25. Juni 2007
Redaktion Börsenblatt
Rund 100 Dichter aus über 20 Ländern lud Festivalleiter Thomas Wohlfahrt in diesem Jahr zum achten Poesiefestival der Berliner Literaturwerkstatt ein; der karibische Literaturnobelpreisträger Derek Walcott ist dabei, aber auch viele Lautpoeten, Musiker, DJs und Rapper.
Noch bis zum 1. Juli werden sie bei insgesamt 56 Veranstaltungen an verschiedenen Orten der Stadt zu erleben sein. Zum Beispiel bei „TextTanz“ am 29. Juni, einer Tanzperformance zu Gedichten von Anja Utler. Oder bei einer Ausstellung zur visuellen Poesie Kataloniens, die ab 28. Juni im Instituto Cervantes gezeigt wird. In der „Lyriklounge“ in der Literaturwerkstatt kann man sich während des ganzen Festivals vom Rezensionsautomaten „Censeo / Genero“ – einer Installation des Autors und Literaturredakteurs Stephan Krass – per Knopfdruck Rezensionen und die dazugehörigen Gedichte ausdrucken lassen. Das Poesiefestival will Dichtung in allen ihren zeitgenössischen Existenzformen präsentieren – also nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln, sondern auch in der Verbindung mit Tanz und Musik, als Ausstellung, auf dem Theater oder als digitale Poesie. Ein Programmschwerpunkt ist in diesem Jahr Kanada. Die Auftaktveranstaltung „Weltklang – Nacht der Poesie“ musste am vergangenen Samstag wegen des schlechten Wetters zwar von der Freiluftbühne im Volkspark Friedrichshain ins Kesselhaus der Kulturbrauerei verlegt werden. Gleichwohl kamen rund 450 Besucher zu diesem polyglotten Lautkonzert, bei dem alle Gedichte in den Originalsprachen zu hören waren – die deutschen Übersetzungen waren in einem begleitenden Reader nachzulesen. Zu den Höhepunkten gehörte zweifellos der Auftritt der in San Francisco geborenen Schweizerin Erika Stucky, die ihre eigenen Performances gern als „Swiss Voodoo“ bezeichnet: Mit energischem Fußstampfen, schnalzendem Gemurmel und unter anderem an der Zieharmonika begleitete sie ihren eigenen Jodelgesang oder ahmte mit ihrer Stimme Möwen- und Windgeräusche nach. Ungewiss ist, ob das Festival, das jährlich mit etwa 350.000 Euro von Bund und Berlin unterstützt wird, in dieser Form fortgeführt werden kann. Bei einem Empfang im Roten Rathaus wehrte sich Wohlfahrt am Freitag noch einmal energisch gegen den Vorschlag, das Festival künftig unter dem Dach der Berliner Festspiele und in zweijährigem Wechsel mit Ulrich Schreibers Internationalem Literaturfestival fortzuführen. Er überreichte Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Kulturstaatssekretär André Schmitz ein Konzept zur Schaffung eines „Internationalen Zentrums für Poesie“ – als Informations-, Arbeits-, Begegnungs- und Veranstaltungsort für Dichter, Verleger, Medienleute und ein interessiertes Publikum. Vollständiges Programm unter: