Und so verbraucht der Mexikaner Candido sein Leben und sein Gesundheit in diversen Jobs, wenn er denn überhaupt einen kriegt, weiterhin hungernd, ohne Dach über dem Kopf, ohne Arzt. Seine Frau América, 17jährig und schwanger, ist die Hoffnung selbst, doch sie zerbricht zusehends im Überlebenskampf. Mit Stolz, aber ohne Würde, versuchen sie ihr Glück im reichen Land zu finden. Vergeblich.
TC Boyle geht diesen dünnen Lebensfäden nach, die durch einen Verkehrsunfall zwischen Delaney und Candido untrennbar verschlungen werden. Das alles in einer ungezähmten Natur, gesprenkelt mit Flecken zivilisierter Wohnanlagen und Einkaufsparks, die eine Illusion von Kontrolle vorgaukeln. Am Ende folgt eine Naturkatastrophe wie eine Rache von biblischem Ausmaß. Ein Bild wie aus der Bibel auch die ausgestreckte helfende Hand es ist eine Überraschung zu hören, wem diese gehört.
TC Boyles ironische Blick auf die amerikanischen Träume sorgt trotz des Themas für jede Menge bissigen Humor und man meint den Sprecher Boris Aljinovic bei manchen Passagen förmlich grinsen zu hören. Aljinovic verleiht jeder Figuren durch seine Stimme einen eigenen Charakter: Candidos verrauchte, kraftlose Stimme, Américas Worte wie ein leiser Hauch, Delaneys, überzeugend und pragmatisch, spricht schneidend und deutlich und seine Frau Kyra schnippisch, schnell und nahezu hysterisch. Eine schöne Lesung eines tollen Romans.
Petra Gass
T.C. Boyle: América
Gelesen von Boris Aljinovic.
Hörverlag, München 2007,
Regie: Ralf Becher
Übersetzung: Werner Richter
Produktion: Der Hörverlag/Rundfunk Berlin Brandenburg, 2006,
4 CDs, 280 Minuten, 24,95 Euro (unverb. Preisempfehlung)
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