Digitales Tagebuchschreiben

4. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Ich habe letzte Woche beim Aufräumen – schließlich ist der Frühjahrsputz ja doch endlich fällig gewesen – mein altes Tagebuch wiedergefunden. Und ich weiß noch, wie ich damals mit 12 in dem kleinen, inhabergeführten Schreibwarenladen stand und mich nicht entscheiden konnte, welches schöne Buch ich nun nehme:
Das rosafarbene mit Glitzermotiven oder doch das ganz simple blaue, das mich so sehr ans Meer erinnert hat. Dreimal dürft ihr raten, welches es dann war. Genau. Das blaue Buch. Tja, und dann das Blättern in alten Erinnerungen… Manche der Namen, die dort standen, kannte ich schon gar nicht mehr. Die Schule gewechselt oder trotz gemeinsamen Abiturs keinen Kontakt mehr – damals hat man sich noch sehr schnell aus den Augen verloren. Aber das kann uns ja jetzt nicht mehr passieren. Dank StudiVZ kann ich (fast) all meine ehemaligen Klassenkameraden wiederfinden und sehen, was und wo sie studieren, ich kann das ein oder andere Myspace-Profil anschauen und ihre Lieblingsbands hören, und dann gibt’s da noch eine Handvoll, die eine eigene Website oder einen eigenen Blog haben. Wenn das mal nichts ist. Bleibt man dadurch wirklich in Kontakt? Früher hat man sich gegenseitig im Telefonbuch gesucht, um das nächste Klassentreffen zu organisieren. Oder in örtlichen Zeitungen eine Anzeige geschaltet. Und zur Not auch mal die betreffende Mama oder den Papa angerufen. Sind das jetzt einfach nur andere Mittel, die wir nutzen oder weiß man wirklich mehr über denjenigen, dessen Blog man da liest? Manche würde ich gerne mal wieder treffen. Und dazu bräuchte ich eigentlich nur einen kurzen Kommentar unter den letzten Blogeintrag zu schreiben. Aber das fällt im virtuellen Leben genauso schwer wie realen Leben. Egal, wie anonym man im Netz sein kann. Wir bloggenden Studentinnen legen also hiermit unser Innenleben bloß. Willkommen beim Studi-Blog auf boersenblatt.net.