Bestellung im Tante-Emma-Laden - klappt immer
Bestellung in der kleinen Hobbybuchhandlung - fehlt dann doch immer wieder was
Bestellung in der Großbuchhandlung - klappt nicht. Der Aushilfsbuchhändler schickte mich mit der Aussage »Dieses Arbeitsheft gibt es nicht« wieder nach Hause. Also: wieder Bestellung im Tante-Emma-Laden.
Der Tante-Emma-Laden besteht aus einem Einfamilienhaus. Es ist nicht umgebaut, es gibt keine drei Meter breite, selbstöffnende Tür, stattdessen erklimmt man acht Stufen bis zur Ladentür und legt die Ellbogen an, um nicht an die auf der Treppe gestapelten Waschmitteltonnen zu stoßen. Nach der Ladentür ist Stau. Da wird bezahlt, getratscht, auf den Hausherrn gewartet, der auf der Suche nach Spülbürsten in den Keller abgewandert ist. Ruft man der Inhaberin zu: »Ich will Schulbücher bestellen!«, wird man durchgeschubst bis ins Kämmerchen. Das Kämmerchen ist wirklich nur ein Kämmerchen, trotzdem passen rein: Übereinandergestapelte Kisten mit Socken, versammelte Kurzwaren von Knopf bis Kordel, ein Drehständer mit besinnlich-religiöser oder pragmatisch-flapsiger Entspannungsliteratur, die Zweitkasse, das Faxgerät mit einem Stapel Bestellungen, ein Regal mit Kinderbüchern und Malbüchern sowie eine Eistruhe.
Auf selbige Eistruhe stützt man sich mit den Ellbogen und diskutiert die Liste durch, während Töchterchen durch den Eistruhendeckel zu Caprisonne und Magnum schielt. Nach der Bestellung kramt man noch ein bisschen rum und kauft noch Kleinigkeiten, die man nicht braucht, die aber preiswert sind und einem vor die Füße fallen, tratscht ebenfalls ein bisschen und fährt wieder heim.
Bis jetzt haben wir immer alles bekommen. Pünktlich, und in Tüten. Die Schulbuchbestellung wurde zur nächsten Buchhandlung durchgefaxt, diese bestellt beim Barsortiment oder beim Verlag. Bei Gelegenheit werden die Bücherkisten dort abgeholt und um die üblichen Schreibwaren ergänzt, wenn alles fertig ist, der Kunde angerufen.
Das ist ein prima Service, die Kette Beratung - Buchbestellung - Nonbook-Spontankauf - Shopping-Erlebnis - Kundenbindung schließt sich lückenlos. Kann doch so einfach sein, wenn man als Sortimenter seine Leute kennt und kennen will. Wenn der Dienst am Kunde Vorrang vor dem geputzten Regal hat, wissen das einige zu schätzen.
DOI:10.1391/BBL-Online.20070710-schulbuch