Presseschau

Wimmelbücher, der Verlag Das Arsenal, Bühnenverlegerin Maria Sommer

12. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Wie gestern gemeldet, will der US-Verlag Boyds Mills Press die "Wimmelbücher" (Gerstenberg Verlag) von Rotraut Susanne Berner wegen "Nacktszenen" nicht veröffentlichen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" sprach mit der Autorin. Weitere Themen: der Verlag Das Arsenal und Bühnenverlegerin Maria Sommer.
"Es ist ja lächerlich, mehr als das", sagt Autorin Rotraut Susanne Berner in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zur Entscheidung des Verlags Boyds Mills Press, die Wimmelbücher wegen "Nacktszenen" nicht zu veröffentlichen. Stand er (der Verleger) denn selbst hinter der Entscheidung? BERNER: Es war ihm sehr peinlich. Denn natürlich wird jeder sagen, es ist lächerlich. Es ist ja auch lächerlich, mehr als das. Und das weiß er auch. Aber irgendwann habe ich mich dann vehement dagegen entschieden: Es kann doch nicht wahr sein, dass sich ein Intellektueller wegen einer sieben Millimeter hohen Statue mit einem 0,5 Millimeter großen Pimmelchen, das nur ein Pünktchen ist, so weit in die Enge treiben lässt und nachgibt. Und da es eine Bedingung war, auf die ich nicht eingegangen bin, ist der Vertrag nicht zustande gekommen. War kein Kompromiss möglich? BERNER: Ich hatte angeboten, schwarze Balken über die Bilder zu legen. Aber es war natürlich rhetorisch gemeint und klar, dass er das nicht machen würde. Man denunziert sich ja nicht selbst. Aber für mich ist das Schlimmste, was es gibt, eine Zensur, die man nicht sieht. Und die Balken hätten wenigstens dazu geführt zu fragen: Was ist da drunter? Jörg Sundermeier schreibt in der "tageszeitung" über den Verlag Das Arsenal, der in diesem Jahr 30. Geburtstag feiert und den Verleger Peter Moses-Krause. Moses-Krause legt Wert darauf, dass seine Bücher schön gestaltet und sorgfältig lektoriert sind, dafür lässt er auch mal Vertriebsfragen hintanstehen. Oder eben die Website, die aber noch dieses Jahr kommen soll. Die Buchhandlungen führen seine Bücher kaum noch, denn das "gute Buch" ist bei Kettenbuchhandlungen nicht gefragt, doch auch der Buchhändler, der auf einen gut sortierten Laden wert legt, muss sich immer mehr beschränken. Zeiten, in denen so großartige Buchhandlungen wie die längst verschwundene Heinrich-Heine-Buchhandlung im Bahnhof Zoo alle Arsenal-Bücher im Lager hatten, sind passé! Doch Moses-Krause wirkt nicht geknickt. Er will noch mindestens zwanzig Jahre weitermachen und kündigt in seinem Prospekt schon jetzt Projekte für den Herbst 2008 an. Denn das Arsenal will weiterhin bestückt werden. In der "Zeit" widmet sich der Autor Adam Soboczynski der "großen unbekannten" Bühnenverlegerin Maria Sommer. Maria Sommer steht im Hintergrund. Fast übersieht man sie, so sehr ist sie Teil des Ensembles. An ihrer Seite die beiden Hunde: ein großer Schäferhund, der den Besucher mit aufgestellten Ohren anblickt, und ein kleiner, unruhiger Mischling. Frau Sommer bedeutet, Platz zu nehmen. Auf dem Sessel dort in der Ecke könne man es sich bequem machen. Maria Sommer öffnet die kleine Luke des Speiseaufzugs, der in die Wand eingelassen ist und Speisen aus der Küche im Souterrain heraufbefördert. Sie entnimmt ihm ein Tablett, auf dem eine Kaffeekanne, ein Stövchen, zwei Tassen und Gebäck platziert sind, stellt das Tablett auf den Tisch, gießt dann den Kaffee in die Tassen. Jede Bewegung elegant berechnet, damenhaft korrekt und gleichzeitig so beiläufig und selbstverständlich, dass man nur ahnt, wie sehr die Leichtigkeit der Gesten beharrlicher Übung abgerungen wurde. Ja, ein preußisches Mädchen sei sie. Doch wenn sie ihre Arbeit hier einmal zusammenfassen dürfe, nun, sie sei eigentlich eine Puffmutter. Puffmutter? Ja, ich habe dafür gesorgt, dass die richtigen Leute zusammen ins Bett kommen.