Ein Blick in die Glaskugel oder was ist die Killerapplikation von VTO?

16. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
In meinen Vorträgen und Diskussionsrunden zum Thema VTO entbrennt mit schöner Regelmäßigkeit Streit darüber, welche Sparte am meisten von VTO profitiert.
Sind es nun die Fachbuchverlage; die Ratgeberverlage oder doch vielmehr die Belletristen? Und spielt VTO für Wörterbücher und Lexika für VTO überhaupt eine Rolle? Die ehrliche Antwort darauf lautet: Man weiß es nicht. Die Frage nach der Killerapplikation ist bei technischen Produkten immer eine sehr spannende. Mit dem martialischen Begriff Killerapplikation wird diejenige Verwendungsart bezeichnet, die dem Produkt zum überwältigen Erfolg verhilft. Bei Handys war es, gerade bei jugendlichen Benutzern, mit Sicherheit die SMS. Niemand hätte seinerzeit damit gerechnet, dass 168 Zeichen lange Textnachrichten, die mühsam über eine 12er Tastatur eingegeben werden, mehr als eine Randerscheinung sein würden. Heute sind sie für viele Handybenutzer eines der wichtigsten Kommunikationsmedien überhaupt. Was heißt das nun für VTO? VTO bietet dem Nutzer viele Möglichkeiten: von der Zusammenstellung von Literaturlisten für den akademischen Bereich über das Beantworten gezielter Fragen im täglichen Leben bis zur Leseprobe in der Belletristik. Die Nutzungsmöglichkeiten im Fach-, Sachbuch und Ratgeberbereich liegen auf der Hand. Hier wird gezielt nach Informationen gesucht bzw. nach Büchern, die die Informationen enthalten. Aber wer sagt denn, dass zukünftig das Anlesen der ersten zehn Seiten eines Romans nicht zur Standardübung vor dem Kauf desselben werden wird? Gerade im belletristischen Bereich, wo erhebliche Marketingmittel zur Bewerbung der Titel aufgewendet werden, muss ein Verlag doch an den Marketingmöglichkeiten einer solchen Plattform interessiert sein. Und beispielsweise Lexika? Werden auch sie profitieren? Hier muss man zwischen Suche und Anzeige unterscheiden. Jedem Verlag ist es freigestellt, ob er das ganze Werk anzeigen will, nur einige Seiten anzeigen will oder die Anzeige komplett sperren will. Gleichzeitig ist es aber immer so, dass das ganze Werk durchsuchbar ist. Das bedeutet, derjenige Verlag, der seine Enzyklopädie in VTO einstellt, wird praktisch in jeder Ergebnisliste von Suchanfragen enthalten sein. Definiert er gleichzeitig, dass nur die ersten zehn Seiten seiner Enzyklopädie einsehbar sind, erhält der Nutzer eine Leseprobe, ansonsten wird er nur darauf verwiesen, dass der Suchbegriff eben in der Enzyklopädie vorkommt, die Seite aber nicht einsehbar ist. Damit ergibt sich eine sehr hohe Anzahl von Kundenkontakten für diesen Verlag und damit eine sehr hohe Marketingeffizienz. Und wer profitiert nun am meisten von VTO? Die einfache Antwort: Man kann es pauschal nicht sagen. Es hängt davon ab, wie sich das Nutzungsverhalten entwickelt. Verlage sind allerdings gut beraten, mit verschieden Nutzungsformen von VTO zu experimentieren und Erfahrungen hinsichtlich des Nutzungsverhaltens zu sammeln.