"Wo bleibt die Debatte zur Aufbau-Krise?", fragt Ingo Arend im "Freitag".
"Alle reden von Suhrkamp. Doch wer redet von Aufbau? Seltsam. Wenn bei dem Frankfurter Verlag ein Sack Reis in der Registratur umfällt, zerbricht sich die Nation den Kopf, ob es bergab geht mit Deutschland. Wenn beim Aufbau-Verlag, wie jetzt angekündigt, die Belegschaft ausgeholzt wird, gilt das niemand als Alarmsignal. Eigentlich verwunderlich. Denn Aufbau war immer Suhrkamps Spiegelbild im Osten. Der große renommierte DDR-Verlag, in dem sich die intellektuelle Elite des zweiten deutschen Staates versammelte. Was den Frankfurtern ihr Hesse, war den Berlinern ihr Feuchtwanger. Von Seghers bis Janka - halb repräsentativer Staats-Verlag, halb widerständiger Geistesolymp. Wo bleibt die Debatte zur Aufbau-Krise?"
Hans-Diester Fronz zieht im "Südkurier" eine Zwischenbilanz über das Einkommen von Übersetzern.
"Leidet unter dieser Schwemme fremdsprachiger Bücher nicht die Übersetzungskultur hierzulande? Die Befürchtung, dass die geänderten Verhältnisse zu einer Fließbandproduktion, einhergehend mit merklichem Niveauverlust, führe, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Ist doch Übersetzen eine anspruchsvolle Tätigkeit, die sich keineswegs mechanisch und im Eiltempo ausführen lässt, sondern Zeit braucht. Wer schon einmal eine schlechte Übertragung gelesen hat, weiß die Sorgfalt und das Sprachgefühl des guten Übersetzers erst zu schätzen. Nicht umsonst spricht man bei Lyrikübersetzungen gern von Nachdichtungen. Dem hohen Anspruch der Tätigkeit entspricht freilich in keiner Weise das Ansehen des Berufs in der öffentlichen Wahrnehmung. In vielen Buchrezensionen wird die Leistung eines Übersetzers mit keinem Wort gewürdigt. Und nach Übersetzernamen gefragt, fallen einem spontan allenfalls einige wenige Namen ein: Karl Dedecius vielleicht, der große Vermittler polnischer Literatur, oder Swetlana Geier, die sich durch ihre Dostojewski- Übersetzungen einen Namen gemacht hat. Die bekanntesten Übersetzer waren und sind, wenigstens in Deutschland, immer noch Autoren: Schriftsteller und Dichter wie die Shakespeare-Übersetzer Ludwig Tieck und die Brüder Schlegel, Hans Magnus Enzensberger und Erich Fried oder Peter Handke. Doch selbst sie haben durch ihre Arbeit das Ansehen des Metiers nicht merklich erhöht."