Veranstaltungen

Sächsischer Wörthersee

20. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Gestern Abend in Leipzig: Bei der Klagenfurt-Nachlese 2007 eroberte gerade ein Überraschungskandidat die Zuhörerherzen – Jochen Schmidt.
Gern stellt sich das große Wort „Tradition“ reflexhaft ein, wenn eine Veranstaltung ins zweite Jahr geht. Dass im Fall der Leipziger Klagenfurt-Nachlese tatsächlich eine Tradition begründet werden soll, beteuerten nicht zuletzt die eigens angereisten Vertreter von ORF und der Landeshauptstadt Kärnten, die den Abend gemeinsam mit der Literaturzeitschrift EDIT auf die Beine gestellt haben. Nach Berlin und neuerdings Zürich kann man also auch im Leipziger Haus des Buches ein wenig Bachmannpreis-Live-Atmosphäre schnuppern – vier Wochen nach dem „Bewerb“ am Wörtersee. Die Mischung stimmte: Neben den Preisträgern Thomas Stangl (Telekom-Austria-Preis) und Jan Böttcher (Ernst-Willner-Preis) sowie dem leer ausgegangenen Jochen Schmidt lasen mit Hanna Lemke und Marcus Schneider auch zwei Teilnehmer des 11. Klagenfurter Literaturkurses, von den Profis fälschlich, aber gern als „Häschenkurs“ bezeichnet. In Klagenfurt reichte es nicht für einen Preis, in Leipzig avancierte Jochen Schmidt zum „Sieger der Herzen“. Längst kann er wieder lausbubenhaft lächeln: „Es tat schon weh. Natürlich will man gewinnen. Inzwischen bin ich sehr zufrieden mit der Rolle des Verschmähten. Sie passt auch viel besser zu mir und meinen Texten.“ Eine Niederlage in Klagenfurt sei keine „unreparable Katastrophe“, tröstete Moderator Josef Haslinger, der das Bachmannpreis-Wettlesen aus Autoren- und Jurorenperspektive kennt. Gegen seine auch heuer in großer Zahl am Wörthersee vertretenen Literaturinstituts-Studenten möchte Haslinger jedoch nicht unbedingt antreten: „Die sind zu gut.“