Der Lesereiser - Ein Gespräch mit Alex Capus

31. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Alex Capus´ neuer Roman "Eine Frage der Zeit" erscheint im September beim Knaus Verlag. Bei der großen Sommerparty von Random House letzten Samstag gab es eine Lesung mit dem Autor zu gewinnen. Während die DJs mit lauter Musik für Feststimmung sorgten, sprach das BÖRSENBLATT in einer stillen Ecke mit Alex Capus.
BÖRSENBLATT: Sie werden während der Random House Sommerparty für eine Buchhändleraktion versteigert. George Clooney lässt sich für Wohltätigkeitsveranstaltungen ebenfalls versteigern. Fühlen Sie sich als George Clooney der Buchbranche? Alex Capus: (lautes Lachen) Nein, nein. Die Sache ist doch umgekehrt: Wir Schriftsteller sind auf die Wohltätigkeit des Buchhandels angewiesen. Sie tun uns ja was Gutes. Und deswegen begebe ich mich immer gern vertrauensvoll in die Hände von engagierten Buchhändlern. BÖRSENBLATT: Sie gehören sicher zu den Lieblingen des deutschen Buchhandels. Wie erklären Sie sich das? Capus: Vielleicht liegt es daran, dass ich seit zehn Jahren kontinuierlich Bücher veröffentliche. Und ich denke, die Buchhändler und Leser wissen, was sie von mir zu erwarten haben. Ich lüge nicht, ich schneide nicht auf, ich mache einfach das, was ich machen muss. Und die Menschen scheinen eine solche Vorgehensweise zu schätzen. BÖRSENBLATT: Kommt es bei Lesungen vor, dass Damen auf Sie zukommen und Sie anhimmelnd um ein Autogramm bitten? Capus: Leider nein! Das kommt nie vor! Die Buchbranche ist ein extrem keusches Gewerbe. Nicht dass ich wünschte, es wäre anders. Aber wenn man so etwas sucht, dann muss man Musiker werden. BÖRSENBLATT: Ihr neuer Roman "Eine Frage der Zeit" hat sehr viel mit der deutschen Kolonialgeschichte zu tun und spielt während des Ersten Weltkrieges. Wie sind Sie auf das Thema gestoßen? Capus: Für mich haben Geschichten keine scharfen Grenzen. Im Gegenteil, eine geht in die andere über. Und wenn ich für eine bestimmte Sache recherchiere, dann stoße ich am Wegesrand auf hundert andere Geschichten. Und unter diesen gibt es welche, von denen weiß ich, dass ich sie später für eine neuen Roman heranziehen werde. So war es auch im Fall von "Eine Frage der Zeit". Das Thema hat mich einfach gepackt, ich musste mit dem Schreiben beginnen, anstatt endlich einmal für längere Zeit Ferien zu machen. BÖRSENBLATT: Ihr Roman beruht auf einer authentischen Geschichte. Inwieweit gehen da Realität und literarische Fiktion ineinander über? Capus: Es ist so. Die harten Fakten, die historischen Eckpfeiler der Geschichte sind ganz authentisch. Ich kann alles belegen. Eine andere Sache ist das, was die Helden meiner Geschichte empfinden, welche Beweggründe sie vorwärts treiben. Das ist natürlich literarische Fiktion. Aber ich versuche auch hier, so authentisch wie möglich das Empfinden und Handeln meiner Figuren zu schildern. BÖRSENBLATT: Was fasziniert Sie als Autor an ihrem neuen Roman? Capus: Mich faszinieren immer einfache Menschen, die durch die Macht der Umstände plötzlich gezwungen sind, ganz ungewöhnliche Dinge zu tun. BÖRSENBLATT: Sie unternehmen viele öffentliche Lesungen. Und anscheinend tun Sie das auch gern. Capus: Ich bin fast jedes Jahr sehr ausgiebig auf Lesereise. Sicher auch aus kommerziellen Gründen, aber ich möchte auch sehen, wer das ist, der sich für meine Bücher interessiert. Ich lese ja nicht nur in den großen Städten, sondern ich gehe auch in kleinsten Dörfer hinein. Ich mag das einfach. Ich bin gern unterwegs.