Einheitsschulbuch ohne Chance

31. Juli 2007
Redaktion Börsenblatt
Stärkere Abstimmung der Lehrpläne ja, Einheitsschulbuch nein: Die Bundesländer lehnen den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan nach bundesweit einheitlichen Schulbüchern ab. Und auch die Schulbuchverlage halten die Idee für unrealistisch.
Kaum hatten sich Schüler und Lehrer in die Sommerferien verabschiedet, sorgte Bundesbildungsministerin Annette Schavan mit ihrem Vorstoß für eine bundesweite Vereinheitlichung von Schulbüchern für Diskussionsstoff. Bildung ist und bleibt jedoch Ländersache – die Idee der CDU-Politikerin dürfte daher kaum Chancen auf Verwirklichung haben. "Wir würden es begrüßen, wenn die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer stärker aufeinander abgestimmt wären“, sagte Cornelsen-Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Feldmann auf Anfrage. "Die Einführung bundesweit einheitliche Schulbücher halte ich jedoch aufgrund der Länderhoheit beim Thema Bildung für unrealistisch." Der VdS Bildungsmedien weist "jedwede Gedankenspiele um ein "Einheitsschulbuch" für alle Schüler in Deutschland als politisch abwegig und aus pädagogisch-didaktischen Gründen auch nicht wünschenswert zurück. "Schulbücher transportieren nicht einfach Inhalte, die in den Lehrplänen der Länder festgeschrieben sind, sondern sie vertreten unterschiedliche Lernwege und methodisch-didaktische Ansätze", heißt es in einer Mitteilung des Branchenverbands, der die 84 Schulbuchverlage und Hersteller von Bildungsmedien in Deutschland vertritt. Grundsätzlich unterstützt der Verband zwar die Forderung der Bundesbildungsministerin nach mehr Vergleichbarkeit zwischen den Ländern, geht bei der von den Medien kolportierten Forderung nach einem "Einheitsschulbuch" jedoch von einem "Missverständnis" aus. Der VdS könne es sich nicht vorstellen, "dass Bundesbildungsministerin Schavan mit ihrem Interview im 'Tagesspiegel' Vereinheitlichung statt pädagogisch-didaktische Vielfalt fordern will". Die Angleichung von Bildungszielen für die Verlage auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll: "Die Situation vieler verschiedener Länderausgaben von Lehrwerken ist für die Verlage aufwändig, insbesondere für Bundesländer mit kleinen Schülerpopulationen", so der VdS. Die meisten Bundesländer lehnen den Vorschlag der Bundesbildungsministerin ab. Gegen gemeinsame Bildungsstandards sei zwar nichts einzuwenden, doch "der Weg dorthin ist Ländersache“, kommentierte der bayerische Kultusminister Schneider. "Wir sollten unseren Lehrern die Kompetenz zutrauen, für ihre Schüler die jeweiligen Medien aussuchen zu können“, zitiert die FAZ einen Sprecher des Schulministeriums von Nordrhein-Westfalen. Andere Länder wie Hamburg oder Bremen würden eine bundesweite Vereinheitlichung von Schulbüchern dagegen begrüßen.