"Auf der Suche nach dem 'wirklichen Jesus'" - "Die Welt" rezensiert den Bestseller aus fachtheologischer Sicht:
Für Fachtheologen stellt das Buch des Papstes, das nach dessen Aussage "in keiner Weise ein lehramtlicher Akt" sein soll, eine Herausforderung dar. Denn mit seinem Anspruch, "die Bibel, und insbesondere die Evangelien, als Einheit und als Ganzheit" zu lesen, geht er deutlich anders an sein Thema heran als die historisch-kritische Exegese. Inzwischen liegen zahlreiche Besprechungen aus der Zunft vor; zudem hat der Wuppertaler Exeget Thomas Söding ebenfalls bei Herder einen Sammelband mit der ersten "Antwort der Neutestamentler" herausgegeben - sowohl von katholischen wie von evangelischen Kollegen.Ginge es nach Gerd Lüdemann, dem in Göttingen lehrenden Vertreter eines extremen historisch-kritischen Ansatzes, dem die evangelische Kirche 1999 die Lehrerlaubnis entzog, wäre das Aufsehen, das der Papst erregt hat, grundlos. Für ihn stellt das Buch eine "peinliche Entgleisung" dar, wie er seine Polemik überschrieb. Einen Verriss schrieb auch der emeritierte Saarbrücker katholische Dogmatiker Karl-Heinz Ohlig. Beide weisen das Jesus-Bild zurück und sehen dogmatische Voreingenommenheit und eine harmonisierende Sicht der biblischen Befunde.Lüdemann und Ohlig sind allerdings keineswegs repräsentativ. Die meisten Urteile fallen in der Tendenz positiv aus, wenn auch Anmerkungen zu einzelnen Punkten gemacht werden. Alle Reaktionen, resümiert Söding die elf Stellungnahmen in seinem Sammelband, seien "von professionellem Respekt für die Qualität des päpstlichen Buches geprägt". Auffällig sei, dass "Zustimmung und Ablehnung nicht nach Konfessionen sortiert werden können". Der in Berlin lehrende Katholik Rainer Kampling gesteht seine anfängliche Irritation über das Buch ein und hat erkennbar Mühe, zwischen dem "Privatmann" Ratzinger und dem "Nachfolger Petri" zu unterscheiden. Er lobt dessen klare Positionierung gegen den Antijudaismus früherer Zeiten, wendet sich aber auch gegen einen Pauschalverdacht gegen die Exegeten - der so pauschal allerdings vom Papst nirgendwo formuliert ist. Wie andere Autoren stellt auch Kampling angesichts der im Ergebnis durchaus bewunderten "geistlichen Schriftlesung" des Papstes die Frage, "welches System, welche Methode, welche Intention dem innewohnen".
"Mehr Geld ist noch kein Trend" - die "Frankfurter Rundschau" spricht mit der Grünen-Abgeordneten Uschi Eid, über Neueröffnungen des Goethe-Instituts:
Für Auswärtige Kulturpolitik wurde zuletzt ein reichhaltiges Anforderungsprofil aufgerufen, das von der Außendarstellung des Deutschlandbildes über unterschiedliche Formen der Krisen- und Konfliktprävention bis hin zur Spracharbeit reichte. Bedeutet das nicht eine permanente Überforderung?
Die Erwartungen an das, was Auswärtige Kulturpolitik alles leisten soll, sind sehr vielfältig. Verfolgte man mit ihr bis zum Ende der Blockkonfrontation vor allem Image-Förderung und kulturelle Außenrepräsentation, so wird ihr heute fast eine Allzuständigkeit verordnet: Interkultureller Dialog, soft power, public diplomacy werden als neue Leitbegriffe einer künftigen Außenkulturpolitik gehandelt, die Sicherheitspolitik und Standortpolitik zugleich sein soll. Die Gefahr der Überfrachtung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) mit diesen Ansprüchen ist meiner Meinung nach durchaus vorhanden. Deshalb ist eine realistische Überprüfung des Aufgabenkatalogs dringlich. Auch muss die Bundesregierung entscheiden, in welchen Weltregionen sie mit den vorhandenen Mitteln außenkulturpolitische Schwerpunkte setzen will. Sie darf auf keinen Fall auf Kosten der Präsenz in Europa in andere Weltregionen expandieren. Das Prinzip muss klar sein: So muss es für jedes neu eröffnete Goethe-Institut entsprechend zusätzliche Finanzmittel geben.
Sie haben kürzlich eine Große Anfrage an die Bundesregierung zur Auswärtigen Kulturpolitik gerichtet. Trägt die Bundesregierung dem rasanten Wandel der Bedingungen in der Auswärtigen Kulturpolitik Ihrer Meinung nach Rechnung?
Das Jahr 2006 wurde vom Auswärtigen Amt als Reflexionsphase zur konzeptionellen Ausrichtung der AKBP und zur Revision der unter Rot-Grün formulierten Leitziele angekündigt. Unsere Große Anfrage sollte einen konstruktiven Beitrag zu diesem Prozess leisten. Obwohl diese Reflexionsphase noch nicht zu Ende ist, lassen die Antworten der Bundesregierung bereits erkennen, dass es keine strategisch-konzeptionelle Neuorientierung geben wird, sondern dass die unter Rot-Grün erarbeitete "Konzeption 2000", die bisher Leitlinie der Außenkulturpolitik war, bestätigt wird. Die Förderung des internationalen Kulturaustausches, die Vermittlung eines zeitgemäßen Deutschlandbildes sowie der deutschen Sprache im Ausland, die Förderung des europäischen Integrationsprozesses durch den Ausbau der europäischen kulturellen Zusammenarbeit, der Beitrag zur Völkerverständigung und die Vertiefung der transatlantischen Beziehungen - dies müssen meines Erachtens die Kernaufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik des Bundes sein.
Das Präsidium des Goethe-Instituts hat kürzlich eine Umstrukturierung der Münchner Zentrale beschlossen, damit den Regionalleitungen der Goethe-Institute mehr Steuerungsmöglichkeiten zukommen sollen. Ist diese Reform sinnvoll, oder verbirgt sich dahinter nur eine weitere Erfüllung von Sparvorgaben? Immerhin sollen in München 50 Stellen abgebaut werden.
Das Reformkonzept für das Goethe-Institut von November 2006, das in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt erarbeitet und dem Parlament vorgelegt wurde, war dringend notwendig. Ich halte die Umstrukturierung der Zentrale in München für durchaus sinnvoll, da sich das Goethe-Institut auf diese Weise finanziell stabilisiert und effizienter arbeiten kann als zuvor. Der "administrative Wasserkopf" der Zentrale wird abgebaut und das Goethe-Institut dadurch handlungsfähiger. Doppelarbeiten und umständliche Prozesse werden nun durch die Steuerungs- und Beratungsleistung der Zentrale vermieden und Verwaltungsvorgänge zusammengelegt. Insbesondere die Einzelbegutachtung von Anträgen der Institute für Stipendien, Lehrmittel und Projekte durch die Zentrale fällt weg und wird durch Evaluation ersetzt. Die Entscheidungskompetenz der einzelnen Institute wächst, und Prozesse können schneller und den jeweiligen Anforderungen vor Ort entsprechend in die Wege geleitet werden. Die künftige Budgetierung in Form der Verteilung eines Gesamtbudgets auf die Regionen stärkt diese erheblich und gibt den Instituten vor Ort eine höhere Planungssicherheit verbunden mit hoher Ressourcenverantwortung.