Phaidon zielt auf breiteres Publikum

1. August 2007
Redaktion Börsenblatt
Der international aufgestellte britische Kunstverlag Phaidon mit Hauptsitz in London und Dependancen in New York, Paris, Barcelona, Berlin und Tokio will sein deutschsprachiges Buchprogramm, das in den letzten Jahren zugunsten von Originalausgaben zurückgefahren wurde, wieder deutlich erweitern.
Ab Oktober geht der Verlag mit seiner Pocket-Reihe„Wallpaper* City Guides“ auch an den deutschen Reiseführermarkt. Über die neue Ausrichtung ein Interview mit Verleger Richard Schlagman. Warum kehrt der Verlag am deutschsprachigen Markt wieder zu seiner ursprünglichen Strategie zurück, einen größeren Anteil des internationalen Programms in Übersetzungen anzubieten? Schlagman: Wir sind am deutschsprachigen Markt nicht optimal gestartet. Ich habe den Verlag, der schon 1923 in Wien gegründet wurde, Ende 1990 übernommen. Seitdem ist es mein Ziel, Phaidon zum weltbesten Verlag im Bereich visuelle Kunst und Kultur zu machen. Ich denke, am Englisch sprechenden Markt haben wir das erreicht. Jetzt sind wir dabei, das international durchzusetzen. Unser Pariser Büro öffnete 1999, ein Jahr später folgte Berlin. Wir starteten mit einem hohen Anteil deutscher Übersetzungen und ich glaubte, der deutsche Markt wäre leichter zugänglich als der französische. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich führe das aber auf Managementfehler in Berlin zurück. Der Anteil der deutschsprachigen Titel wurde geringer, während wir inzwischen unsere übersetzten Ausgaben in Italien und Spanien gut absetzen konnten. Deshalb kam es vor über einem Jahr zu einer Kurskorrektur. Mit unserem neuen Vertriebs- und Marketing-Leiter Leo Stülke läuft das nun in die richtige Richtung. Wir fragen uns, warum sollte unser Buchprogramm, das überall in der Welt gut ankommt, nicht auch in Deutschland einen Markt finden? Welche Rolle spielen in diesem Programm künftig Übersetzungen? Schlagman: Alle Titel unseres Programms, von denen wir denken, dass sie ein breiteres Publikum ansprechen, werden künftig ins Deutsche übertragen. Bücher, die sich an ein Fachpublikum wenden, erscheinen auch am deutschen Markt weiterhin in Englisch. Das ist unsere Strategie, seitdem das neue Management in Berlin arbeitet. Wir haben eine Reihe von Bestsellern, die wir überall auf der Welt sehr gut verkaufen, wie zum Beispiel jetzt das italienische Kochbuch „Der Silberlöffel“, das wir weltweit über eine Million Mal verkauft haben, daran haben die deutschen Verkäufe einen bedeutenden Anteil. Das ist ein beachtlicher Erfolg und bestärkt uns. Wir werden pro Jahr etwa 20 bis 30 Übersetzungen und dazu noch 40 Originaltitel anbieten. Phaidon hatte 2005 eine Vertriebs-Kooperation mit dem Berliner Aufbau-Verlag angekündigt, die aber nie wirksam wurde. Woran lag das? Schlagman: Das war ein Fehler, den wir wieder korrigiert haben. Die Programme der Verlage sind doch zu verschieden. Über Aufbau erreichen wir nicht unsere potentiellen Kunden. Wir haben uns wieder getrennt und uns auf unseren eigenen Vertrieb ausgerichtet. Die Auslieferung liegt bei der VVA. Sie haben das Phaidon-Programm in den letzten drei Jahren stark ausgebaut – zu Kunst, Fotografie, Architektur und Design sind Kochbücher, Kinderliteratur und auch Reiseführer hinzugekommen. Wird das Gesamtprogramm international vertrieben oder gibt es eine Auswahl oder besondere Produkte für Regionen und Länder? Schlagman: Unsere Philosophie unterscheidet sich von der vieler anderer Verlage. Wir glauben daran, dass die Welt ein einziger großer Markt ist. Qualitätsprodukte, seien es Bücher oder Autos, kann man überall verkaufen. Natürlich lassen sich Bücher mit speziell zugeschnittenen Themen oder von bestimmten Autoren international unterschiedlich absetzen, darauf müssen Marketing und Vertrieb eingestellt sein. Aber ich glaube nicht, dass man unsere Produkte erst für nationale Märkte zuschneidern muss. Gute Bücher finden überall ihre Wertschätzung. Sie müssen nur zugänglich sein, also übersetzt werden. Der deutschsprachige Markt ist uns dabei ebenso wichtig wie die USA, Australien oder Japan. In deutscher Übersetzung kommt ab Oktober jetzt auch Ihre neue Reiseführerreihe, die Wallpaper* City Guides heraus. Gibt es da noch eine Lücke am deutschen Markt? Schlagman: Auch am Englisch sprechenden Markt gibt es ausreichend Travel-Guides, das ist wahr. Aber unser Guide wird vom Wallpaper*-Magazin zusammengestellt, das eine weltweit anerkannte Institution in Design- und Stilfragen ist. Damit unterscheiden sich die Guides inhaltlich erheblich von Reiseführern wie Lonely Planet oder Rough-Guides. Wir weisen mit dieser internationalen Städte-Reihe auf Architektur-Highlights, auf Kunstausstellungen oder ganz besondere Restaurants hin. Die handlichen Paperbacks wählen nur wenige Dinge aus, die man wirklich gesehen haben sollte. Wir wollen also mit den anderen Reihen gar nicht konkurrieren, sondern sie ergänzen und vertrauen dabei auf das gute Image des Wallpaper*-Magazins. Interview: Volkhard Bode