TV-Tipp bei 3sat

Mythos Suhrkamp

29. August 2019
von Börsenblatt Online
Die zweiteilige Dokumenation "Mythos Suhrkamp", die der Fernsehsender 3sat am 31. August und 7. September jeweils um 19.20 Uhr ausstrahlt, rollt die Geschichte des bedeutenden Verlags, der die Nachkriegskultur prägte, auf. 

Die Dokumentation stammt von Siegfried Ressel, die Folgen sind jeweils 40 Minuten lang. Schriftsteller vor allem dieses Verlages – darunter Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas und Martin Walser – haben seit der Verlagsgründung 1950 die Geschicke beider deutscher Republiken mit Kommentaren, Fragen und Diskursen begleitet – genauso wie die Verlegerpersönlichkeit Siegfried Unseld (1924−2002).

Der TV-Sender schreibt in seiner Ankündigung zu "Mythos Suhrkamp": "Die Verlagsgeschichte ist durchwoben mit Legenden und Diskursen, die Aufsehen erregten und/oder gesellschaftliche Umbrüche versinnbildlichten: Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Lektorenaufstand von 1968 in dem − ganz Zeitgeist − vom Patriarchen Unseld die Vergesellschaftung des Verlages gefordert wurde; die Einladung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an Siegfried Unseld und Max Frisch zum Meinungsaustausch auf dem zeitlichen Höhepunkt des Deutschen Herbstes von 1978; zu nennen ist der auf publizistischer Ebene ausgefochtene Historikerstreit zwischen Nolte und Habermas, die prophetische und gleichwohl umstrittene Hinterfragung der deutschen Teilung durch Martin Walser in den 1980er-Jahren, sowie dessen öffentliche Selbstbefragung zu Auschwitz in seiner Rede in der Paulskirche 1998, die in seiner Umstrittenheit wiederum verdeutlichte, dass sich der Ungeheuerlichkeit des Holocausts immer wieder neu zu stellen ist."

In idealer Weise habe Suhrkamp eine kommunikative analoge Plattform geboten, auf der Autoren, Theoretiker, Literaten, Stückeschreiber, Lyriker, Wissenschaftler und Publizisten mit den Lesern in Dialog getreten seien. "Dieses Zwiegespräch ebbt mit dem Schwinden der Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft ab; die öffentlichen tiefgreifenden intellektuellen Diskurse bleiben zunehmend aus. Kurzatmiges Twittern ist angesagt", so 3sat weiter. Auf alle Fälle bleibe der "Mythos Suhrkamp".

Die zweiteilige Dokumentation sammle Reflektionen, Stimmen und Geschichten von unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus verschiedensten Perspektiven etwas zu Suhrkamp zu sagen haben: die Autoren Angela Krauß, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Ralf Rothmann, Peter Bichsel, Volker Braun und Durs Grünbein, die Lektoren Rudolf Rach, Karlheinz Braun und Thorsten Ahrend sowie die Literaturwissenschaftler Thedel von Wallmoden, Jan Bürger und Jörg Magenau. Hinzu kommen "Fernseh-Archivschätze aus vier Jahrzehnten", so der Sender.