Ulrike Helmer Verlag kritisiert Libri-Stornos von Novitäten

"Eine völlig neue und katastrophale Situation"

27. März 2020
von Börsenblatt Online
Verlegerin Ulrike Helmer hat in einem Brief, der unter anderem auch an die Kurt Wolff Stiftung gegangen ist, moniert, dass Libri "Übernacht alle Vormerkungen (im hohen dreistelligen Bereich) einer unserer Neuerscheinungen – per Standardmail und ohne Kommentar" storniert habe.  

Wie Helmer weiter schreibt, sei das laut ihrer Verlagsauslieferung Prolit zugleich auch bei anderen Verlagen geschehen. Das stelle "uns Verlage vor eine völlig neue und katastrophale Situation. Libri wirft damit die Zukunft zumal von unabhängigen Verlagen schlichtweg über Bord. Wir wollten den stornierten Titel in dieser Woche(!) in Druck geben und hätten ahnungslos die geplante, entsprechend hohe Auflage gedruckt, während uns zeitgleich out of the blue der wesentliche Absatzweg und Umsatz gestrichen wird", heißt es in dem Brief.

Nun könnten die Verlage nicht einmal mehr auf Vormerker als Umsatzerwartung und Kalkulationsgrundlage bauen und diese gemäß der dynamischen Situation eventuell um ein paar Wochen oder auch Monate schieben.

Libri teilte dazu auf Anfrage von Börsenblatt online mit: "Der Gesamtverkauf der Bücher geht stark zurück. Die Direktauslieferungen des stationären Buchhandels und der Onlinehandel fangen diesen nicht auf. Seitens der Buchhandlungen gehen bei uns viele Vormerkerstornierungen ein. Somit reduziert oder storniert Libri bei den Verlagen Vormerker – zumindest in den Bereichen, die derzeit nahezu nicht nachgefragt werden."

Umbreit-Einkaufsleiterin Ingrid Stratmann sagte dem Börsenblatt zum Umgang mit Novitäten in ihrem Haus: "Bereits platzierte Aufträge für die Frühjahrsnovitäten lassen wir unverändert und nehmen sie in vollem Umfang an unser Lager."

Ein Sprecher von KNV Zeitfracht beschreibt das Vorgehen in seinem Unternehmen folgendermaßen: "Unser Ziel ist es, die Buchhandlungen neben allen anderen Maßnahmen auch mit einer hohen Titelverfügbarkeit zu unterstützen. Unsere Einkäuferinnen und Einkäufer prüfen die einzelnen Vormerker-Positionen unter dieser Prämisse sorgfältig. Wir planen nicht, Vormerker pauschal zu stornieren."